····· Andy Scott wärmt mit der aktuellen Sweet-Besetzung einen alten Song auf ····· Konstantin Wecker bleibt auch 2021 Utopist auf deutschen Bühnen ····· Das neue Yes-Album The Quest chartet weltweit ····· Cat Stevens' Platinalbum Teaser and the Firecat in Jubiläums-Edition ····· Asia: The Official Live Bootlegs, Volume 1 erscheint im November ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Gesualdo, C. (Herreweghe, Ph.)

Dolcissima mia vita. Madrigali a cinque voci, Libro quinto (1611)


Info

Musikrichtung: Renaissance / Barock Vokal

VÖ: 01.10.2021

(PHI / Note 1 / CD DDD / 2020 / Best. Nr. LPHI036)

Gesamtspielzeit: 55:08

FLIESSENDE KONTUREN

Die chromatischen Wagnisse, die der komponierende Fürst von Venosa, Carlo Gesualdo, zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinen fünfstimmigen Madrigalen einging, haben über die Jahrhunderte nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Jede Nuance der oft um Liebesrasen und Todestrunkenheit kreisenden dichterischen Vorlagen wird vom Komponisten in harmonischer Zuspitzung ausgekostet. Herrlich ausdrucksintensive dissonante Reibungen sorgen für eine konstante Spannung, für erregende akustische Sensationen und seelische Resonanzen beim Hörer.

Ausführende sehen sich mit höchsten Ansprüchen konfrontiert, sowohl was die Intonationsreinheit angeht wie auch in Bezug auf eine sinnvermittelnde Darstellung der kleingliedrigen Rhetorik und formalen Proportionen. Ansonsten kann diese im Grunde sehr rational und kalkuliert gestaltete Musik schnell übererregt, ja pathologisch wirken – eine bloß endlose Folge von Seufzern und Wehe-Rufen.

Was die vokalen Qualitäten seines handverlesenen Ensembles aus Mitgliedern seines „Collegium Vocale Gent“ angeht, darf Leiter Philippe Herreweghe sich glücklich schätzen. Dass die Aufnahme nicht ganz an die Aufnahmen beispielsweise von „La Venexiana“ (Glossa) oder auch des „Concerto Italiano“ (Auswahl aus dem 5. und 6. Buch, Opus 111) heranreicht, dürfte nicht zuletzt an der halligen Akustik liegen, die zwar für einen vollstimmigen Gesamteindruck sorgt, die Gestik und Konturen der Musik aber auch etwas glättet (und die begleitende Laute fast zum unhörbaren Beiwerk macht). Das kommt freilich der Herreweghe’schen Ästhetik entgegen, die ja auch sonst auf klassische Ausgewogenheit und Wohlklang abgestellt ist und eher den organischen Fluss der Musik betont.

Bei Gesualdo aber braucht es beides: perfektes Verständnis der alten madrigalesken Satztechniken und Sinn für das aufregend, auch verstörend Neue dieser Musik. Dieser Blick „zurück und nach vorne“ scheint zum Beispiel bei der jüngsten Einspielung des musikalisch noch nicht ganz so extremen 3. und 4. Buches durch „Les Arts Florissants“ (Harmonia Mundi) vorbildlich eingelöst. Hier ist die Aufnahmeakustik trockener und die Stimmen sind direkter aufgenommen. Eine Aufnahme der späten Gesualdo-Madrigale steht jetzt an und man darf gespannt auf den direkten Vergleich sein, Herreweghes Version des 6. Buches liegt ja bereits vor.



Georg Henkel

Besetzung

Collegium Vocale Gent

Miriam Ellen, Barbora Kabátková, James Hall, Benedict Hymas, Tore Tom Denys, Jimmy Holliday: Gesang; Thomas Boysen: Laute

Philippe Herreweghe, Leitung

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger