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Reviews

Van der Graaf Generator

H To He Who Am The Only One


Info

Musikrichtung: Prog Rock

VÖ: 03.09.2021 (1970)

Virgin (Charisma)

Gesamtspielzeit: 177:17

Internet:

https://www.promo-team.de/

1967 wurde einer der wohl interessantesten und individuellsten Prog-Rock-Bands der Musikgeschichte gegründet - Van Der Graaf Generator aus Manchester. Dabei dachten wir damals zunächst, es würde sich hinsichtlich des Namens um eine niederländische Band handeln. Dieser wurde jedoch abgeleitet von eine physikalischen Gerät, einem Bandgenerator zur Erzeugung hoher elektrischer Gleichspannungen - dem Van-de-Graaf-Generator. Von Beginn an bestand die Besetzung aus anderen Mitgliedern, von der Urbesetzung blieb eigentlich nur Peter Hammill. Auf der ersten Platte aus 1969 - "The Aerosol Grey Machine", waren es schliesslich drei Musiker, die noch dabei waren auf der von mir hier vorgestellten dritten Platte - H To He Who Am The Only One, auf dem dann auch der seit der zweiten Platte wichtige Saxofonist David Jackson im Mittelpunkt steht.

Und mit H To He Who Am The Only One habe ich die Band seinerzeit, 1970, erst kennen gelernt - und das gleich mit ihrem wohl düstersten Album, durchzogen von unheilvoll klingenden Passagen der Keyboards und den exzessiven Ausbrüchen von Jackson mit dem Saxofon. Dazu kommen mitunter ein wenig aufgelockerte und gar leicht lyrische Anteile in der Musik, die aber wenig zur Erhellung beitragen.

Gleich der Eröffnungssong, "Killer", blieb mir damals kleben, man konnte das nicht loswerden, dieser expressive Gesang von Peter Hammill, diese nicht aus dem Kopf gehende Melodie, diese Wechsel-Passage, bis dann bei etwa Minute Vier diese Keyboards losdröhnen, umd eine Minute später David Jackson in den Bereich des freien Jazz ekstatisch vorschiesst. Es ist faszinierend! "Killer" ist ein Song mit hohem Wiedererkennungswert und bis heute einer meiner Lieblingstitel von Van Der Graaf Generator.

Im Gegensatz zum kraftvollen Auftakt bleibt das epische "House With No Door" doch sehr ruhig angelegt, trotz seiner Spur von Schönheit in der Melodienführung bleibt es jedoch sehr melancholisch und von dezent negativer Stimmung behaftet, aber letztlich ist auch dieser Song für mich ein nicht wegzudenkender Höhepunkt der Platte, und wenn dann die Flöten einsetzen, dann schwebt man förmlich in Gedanken dahin.

Das sehr verschachtelte "The Emperor In His War Room" ist sicherlich ein Paradestück des Prog Rocks, "Lost" schliesst sich hier an, und mit "Pioneers Over C" ist die Originalplatte dann auch schon zu Ende gegangen, nicht ohne noch einmal resümierend zu präsentieren, was die Band zu dieser Phase ausmachte, ein Hauch des ganz alten Feelings aus den Anfangstagen der Band, dazu verspielte Passagen, die mitunter gar folkig wirken, dazu dieser exzessive Gesang von Peter Hammill, ein wenig Düsternis, geheimnisvoller Sound, alles in Allem sicher eine wahre Ausnahmeerscheinung im Bereich des Prog Rocks.

Die "First Versions" von "Killer" und "The Emperor In His War Room" klingen vergleichsweise zurückhaltend und weniger druckvoll, sind aber eine sehr interessante Bonus-Zugabe, ebenso wie die beiden BBC-Aufnahmen, inklusive eines Interviews zu Beginn von "Killer". Jedoch ist die Klangqualität nicht unbedingt erstklassig und den Songs fehlt die Intensität der bekannten Studio-Einspielungen.

Der neue Stereo-Mix der Original-Albums klingt für mich zunächst ein wenig befremdlich, einen genauen Vergleich habe ich nicht vorgenommen, wo und wie etwas verändert wurde. Ich denke, das möge Jede/r gern selbst durchführen, bei der/dem das gehobene Interesse hierzu besteht. Ehrlich - mir genügt die Originalaufnahme völlig.

Die individuelle Einschätzung gilt insofern auch für die DVD mit dem High Resolution 5.1.Surround Sound Mix. Stark auffällig ist hier der viel stärkere Druck im Sound, die einzelnen Instrumente sind besser abgebildet, und die bei "Killer" beschriebenen Passagen der Keyboards und des Saxofons kommen so noch wesentlich intensiver. Aber ich kenne vor Allen den Sound, den ich 1970 durch die LP kennen lernte, und das habe ich gespeichert und das bleibt wohl ewig haften.



Wolfgang Giese

Trackliste

Disc One - The Original Stereo Mix Remastered:

1 Killer
2 House With No Door
3 The Emperor In His War-Room
4 Lost
5 Pioneers Over C

Bonus Tracks:

6 Killer
7 The Emperor In His War-Room

First Versions:

8 Killer
9 Lost
(BBC Radio One "Top Gear" Session 12th October 1970)

Disc Two - The New Stereo Mix:

1 Killer
2 House With No Door
3 The Emperor In His War-Room
4 Lost
5 Pioneers Over C


Disc Three/DVD - High Resolution 5.1.Surround Sound Mix/New Stereo Mix/Original Stereo Mix:

1 Killer
2 House With No Door
3 The Emperor In His War-Room
4 Lost
5 Pioneers Over C

Besetzung

Peter Hammill (lead vocals, acoustic guitar, piano - #2)
Hugh Banton (Hammond and Farfisa organs, piano, oscillator, vocals, bass - #2, 5)
David Jackson (alto, tenor and baritone saxophone and devices, flute and vocals)
Guy Evans (drums, tympani, percussion)
Robert Fripp (guitar - #3)
Nic Potter (bass - #1, 3, 4)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger