····· Silberfeier von Ohrenfeindt im Gruenspan konserviert serviert ····· Grafitti sei wie Punk aus der Spraydose kommentieren Gatuplan ihr neues Video ····· Peter Goalby, Ex-Sänger von Uriah Heep, veröffentlicht bislang nie erschienenes Soloalbum ····· Vorwiegend akustische Arrangements auf Live-Dokument der Fleet Foxes ····· Eine Reise durch die nordische Mythologie mit Hel’s Throne ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Goldberg, J. G. (Ludus Instrumentalis)

Triosonaten


Info

Musikrichtung: Spätbarock

VÖ: 03.09.2021

(Ricercar / Outhere / Note 1 / CD / 2020 / Best. Nr. RIC 426)

Gesamtspielzeit: 69:57

Internet:

Evgeny Sviridov / Ludus Instrumentalis

"Goldberg? Goldberg?? Mal überlegen. Ja, klar: Das war doch der Cembalist, für den Johann Sebastian Bach seine Goldberg-Variationen geschrieben hat, damit er diese seinem Dienstherrn, dem Grafen Keyserlinck in dessen schlaflosne Nächten vorspiele. Ach was, Goldberg war selbst auch Komponist? Nie davon gehört."

So oder so ähnlich könnte der innere Monolog vieler Klassikfans klingen. Und das ist nun wirklich unerhört. Denn diese CD beweist, dass Johann Gottlieb Goldberg (1727-1756), der Schüler sowohl von J. S. Bach als auch von dessen Sohn Wilhelm Friedemann war, heute zu Unrecht auf sein Virtuosentum reduziert und allein mit Bachs Variationen in Verbindung gebracht wird, die nach ihm benannt sind.

Das Ensemble Ludus Instrumenatalis unter Leitung des Geigen-Paares Evgeny Sviridov & Anna Dmitrieva bricht mit diesem Album entschieden und höchst erfolgreich eine Lanze für Goldberg als Komponisten am Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik. Der jung verstorbene Goldberg ist dabei noch dem alten Stil verhaftet, würzt und verfeinert ihn aber zeitgemäß mit einigen galanten Wendungen. Anders als andere Komponisten der Epoche schlägt er dabei nicht den Pfad der Simplifizierung ein. Die galanten Wendungen sind ihm vielmehr ein weiteres Mittel zur Vielgestaltigkeit und Vielgesichtigkeit der Musik. Er bindet sie ein in ein traditionell barockes, komplexes, jedoch nie trocken-gelehrsames Stimmgeflecht. So stößt man hier auf düster-verschattete Momente voller Sanglichkeit ebenso wie auf harmonische Kühnheiten und Unbestimmtheiten, wie sie sich nicht einmal der große Bach, sondern allenfalls noch Zelenka vor ihm erlaubt hatte. Das alles ist von durchweg höchster Qualität und auch in seinem teils rauschhaften Schwung, seiner Virtuosität und Verzierungskunst bei zugleich höchster struktureller Klarheit unbedingt hörenswert.
Es wundert einen da nicht, dass etwa die C-Dur-Sonate über lange Zeit und noch bis 1923 irrtümlich für ein Werk aus der Feder Johann Sebastian Bachs gehalten wurde. Ein besseres Qualitätssiegel kann es ja eigentlich kaum geben.

Dass diese Qualität nun endlich hörbar und erfahrbar wird, verdankt sich dem herrlich schwungvollen Spiel von Ludus Instrumentalis. Die Musikerinnen und Musiker lassen diese quecksilbrige Musik ohne unnötigen Druck atmend und mit idiomatischer Leichtigkeit erklingen. Das tönt in den Triosonaten opulenter als es die kleine Besetzung vermuten ließe und nimmt fast schon den Sound eines Kammerorchesters an. Ein Effekt, der auch auf die äußerst plastische, brillante Aufnahmetechnik zurückzuführen ist. Insgesamt also eine echte Entdeckung!



Sven Kerkhoff

Trackliste

1-4 Triosonate C-Dur, DürG 13
5-8 Triosonate a-moll, DürG 11
9-11 Triosonate g-moll, DürG 12
12-15 Triosonate B-Dur, DürG 10
16-17 Präludium und Fuge g-moll, arr. nach DürG 5
18-21 Sonata für 2 Violinen, Viola und Basso continuo, DürG 14

Besetzung

Ludus Instrumentalis:
Evgeny Sviridov & Anna Dmitrieva: Violine
Corina Golomoz: Viola
David Melkonyan: Cello
Elizaveta Solovey: Theorbe
Stanislav Gres: Cembalo

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger