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Reviews

Enforcer

Zenith


Info

Musikrichtung: Hardrock / Metal

VÖ: 26.04.2019

(Nuclear Blast / Rough Trade)

Gesamtspielzeit: 49:41

Internet:

http://www.enforcer.se

Enforcer hat der Rezensent nach dem Zweitling Diamonds und der zugehörigen Tour im Vorprogramm von Bullet irgendwie aus den Augen verloren und war daher mehr als überrascht über den Sticker, der nun auf dem Fünftling Zenith klebt und ein Zitat aus der italienischen Rock-Hard-Ausgabe beinhaltet, wo Material „in the vein of early Def Leppard, Scorpions, Rainbow, Judas Priest and Pretty Maids“ versprochen wird – im Hirn abgespeichert waren die Schweden als melodischer Speed Metal. Offenbar hat sich in der knappen Dekade seit Diamonds also einiges verändert, denn das Hineinhören in Zenith offenbart, dass der Sticker durchaus recht hat: Die alten Melodic-Speed-Wurzeln sind hier und da noch erkennbar („Searching For You“), aber vom Grundsatz her haben sich die vier Schweden tatsächlich in Richtung klassischen Hardrocks mit gewissem Classic-Metal-Anstrich bewegt. Freilich schielten sie auch in ihren Frühwerken gelegentlich schon dorthin, und somit haben sie gewissermaßen „nur“ die Prozentzahlen in ihrem Stil ausgetauscht. Problem an der Sache ist nur, dass sie hier und da zuwenig, da und dort aber zuviel wollen. Nehmen wir mal besagten Speedie her, der in Intro, Strophen, Bridge und Solo die gewohnte Qualität in der melodischen Geschwindigkeitsüberschreitung bietet, dazwischen aber einen Refrain einklebt, der nicht einfach nur im halben oder geviertelten Tempo daherkommt, um etwa Hymnenfeeling aufkommen zu lassen, sondern Drummer Jonas Wikstrand darüber hinaus auch noch einen schrägen abgestoppten Rhythmus spielen läßt, der ungefähr so anmutet, als ob man im vollen Lauf daherkommt und dann plötzlich in ein Gebiet gerät, wo man permanent über große Steine stolpert. Die Kombination verschiedenartiger Songparts beherrschen Enforcer durchaus besser, wie sie im Quasi-Titeltrack „Zenith Of The Black Sun“ unter Beweis stellen, das nach einem Dio-verdächtigen Intro im Hauptteil Reminiszenzen an Black Sabbaths „Heaven And Hell“ durch die Gegend schleppt, aber einen etwas schnelleren Finalteil dranbaut, in dem die Soloarbeit von einem recht historisch klingenden Keyboard übernommen wird, das übrigens auch der Drummer eingespielt hat – wie die Band das live löst, wäre zu gegebener Zeit zu überprüfen. In „Regrets“ nimmt das Keyboard, hier als klassisches Grand Piano, durchaus noch songtragendere Rollen ein, so dass hier eine Art metallisch angestrichene Version von Toto entsteht, und den Opener „Die For The Devil“ hätten auch Stryper in den Endachtzigern schreiben können, zumindest was die musikalische Komponente angeht – sie hätten natürlich nicht die Backingsänger lieblich „Lucifer ...“ säuseln lassen. Dass Enforcer zu klischeehaften Texten neigen, kennt man aus ihrem Frühwerk ja schon, aber hier übertreiben sie es ein bißchen und erschaffen ein Ergebnis, das für alle logisch erscheint, die schon seit den Beatles die Rockmusik per se für ein satanisches Übel halten, wohingegen sich der gestandene Black Metaller gleich beim einleitend vorgeschalteten Refrain „Die for the devil – die as one“ ob der gehörigen Portion Zuckerguß übergeben wird, spätestens aber bei genannter Backingpassage. Irgendwie riecht das nach „Zielgruppe verfehlt“ ...
Generelle Frage bleibt aber, wer eigentlich die Zielgruppe für Zenith sein soll. Die alten Melodic-Speed-Freaks finden hier nicht mehr viel ihres benötigten Kraftfutters – nach „Searching For You“ an Position 3 liefert erst wieder „Thunder And Hell“ an Position 8 solches (vom Akustikoutro mal abgesehen – für sich betrachtet richtig schön, aber irgendwie gar nicht zum Rest des Songs passen wollend), und das bleibt dann auch die letzte Zuteilung. Zwischen diesen beiden Positionen lagern mit Ausnahme des erwähnten gelungenen „Regrets“ eher experimentelle Songs, die zeigen, dass Enforcer ihre neue Linie noch nicht ganz gefunden haben, obwohl sie durchaus schon gute Ideen verbraten können und man auch nach etlichen Hördurchläufen noch nicht ganz sicher ist, ob die Rush-Anklänge in „Sail On“ nun als anstrengend oder als genial zu werten sind, wobei der Rezensent zu ersterem tendiert, obwohl oder auch weil er Rush schätzt. Im Direktvergleich mit den Labelkollegen The Night Flight Orchestra, wo sich ja auch „härtere“ Musiker in musikalisch weicheren Gefilden tummeln, sind Björn „Speed“ Strid und seine Mannschaft in puncto Homogenität und Konsequenz ein gutes Stück weiter als die Wikstrand-Brüder und ihre Mitstreiter, wobei der Rezensent mangels Besitzes der beiden Albumvorgänger Death By Fire und From Beyond nicht sagen kann, welchen Einfluß auf die Stilistik der auf Zenith erstmals zu hörende neue Zweitgitarrist Jonathan Nordwall ausgeübt hat, zumal das Booklet auch keine einzelnen Songwritingcredits vergibt, sondern lediglich die an drei Songs beteiligten externen Texter nennt. „Forever We Worship The Dark“ dürfte mit seinem klassischen Melodic Rock samt ausgeprägter weicher Backings (wenn auch nicht so androgyn wie die legendären aus dem Haus Barfly Music) nochmal jeden Düsterkundler schaudern lassen, während das knapp siebenminütige Epos „Ode To Death“ angedüsterten Epic Metal bietet und seine Sache dabei durchaus gut macht, wären da in den stampfenden Parts nicht die hoppelnd-nervösen Bassdrums, die eine hier völlig unpassende Stimmung verbreiten. Irgendwie schade um einen sonst richtig guten eindringlichen Song, der zudem einen passenden Albumcloser abgibt. Auf dem Digipack folgt als Bonustrack noch „To Another World“, drei Minuten simpler klassischer Hardrock im Stile mittelalter Scorpions, vom Gesang natürlich abgesehen, denn in solche Höhen hat sich Klaus Meine nie bewegt, wie Olof Wikstrand das hier bisweilen tut. Aber der fast an ein Kinderlied erinnernde erste Refrainteil hinterläßt abermals einen seltsamen Eindruck, womit sich das Gesamturteil über Zenith auch in diesem Extrapart bestätigt: Enforcer sind offensichtlich noch nicht dort angekommen, wo sie mal hinwollen, und trotz durchaus guter Ideen bleibt das Album somit eher zwiespältig, was angesichts der Tatsache, dass sie ihr auf den Frühwerken gewähltes Metier richtig gut beherrschten, eine kleine Enttäuschung darstellt, obwohl man sich über bestimmte Songs auch gut ins Material von Zenith hineinarbeiten kann. Man muß ja nicht grade in der Straßenbahn sanft „Lucifer ...“ vor sich hin säuseln ...



Roland Ludwig

Trackliste

1Die For The Devil3:12
2Zenith Of The Black Sun5:36
3Searching For You2:53
4Regrets6:00
5The End Of A Universe4:19
6Sail On3:03
7One Thousand Years Of Darkness4:12
8Thunder And Hell4:50
9Forever We Worship The Dark5:27
10Ode To Death6:56
11To Another World3:10

Besetzung

Olof Wikstrand (Voc, Git)
Jonathan Nordwall (Git)
Tobias Lindkvist (B)
Jonas Wikstrand (Dr, Key)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger