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Reviews

Robin McAuley

Standing On The Edge


Info

Musikrichtung: Hardrock

VÖ: 07.05.2021

(Frontiers / Soulfood)

Gesamtspielzeit: 44:33

Internet:

http://www.robinmcauley.com

Viele, die seine Karriere nicht bis in den kleinsten Winkel verfolgen, werden erst durch Kritiken zu dieser Platte mitbekommen, dass Robin McAuley in grauer Vorzeit bereits ein Soloalbum aufgenommen hat. Das erschien 1999 unter dem Titel Business As Usual. Die darauf verewigten Songs entstanden in Zusammenarbeit mit Survivor-Gitarrist Frankie Sullivan und dem Allround-Talent Curt Cuomo. Dass es mehr als 20 Jahre bei diesem einen Release blieb, hatte weniger mit der damaligen Beschränkung auf den japanischen Markt zu tun, sondern lag vielmehr daran, dass der gebürtige Ire lieber im Austausch mit anderen Musikern kreativ ist als alleine im stillen Kämmerlein an Songs zu arbeiten. Der stichhaltigste Beweis dafür ist die Klasse von Shake The World, des Debüts von Black Swan, und dessen Erfolg wiederum ist der Grund für die Existenz von Standing On The Edge.

Im Vergleich zu Black Swan ist die Musik aufgrund der Keyboards als festem Bestandteil des Soundgerüstes noch mal deutlich melodiöser. Das zeigt sich bereits beim Opener „Thy Will Be Done“, bei dem die hymnisch eingesetzten Tasten die Führung übernehmen, während die Gitarre eher eine begleitende bis unterstützende Funktion hat. Das gelingt auch richtig gut, wie die kommerziellere Ausrichtung überhaupt ihre Reize hat. Erst recht, wenn daraus so eingängige Melodieknüller entstehen wie „Late December“ mit einem unwiderstehlichen Refrain, das Robin für seine aus Wien stammende Frau Gina geschrieben hat. Die beiden sind seit 28 Jahren verheiratet! Ein weiterer „fieser“ Ohrwurm folgt mit dem von Tommy Denander mitverfassten „Do You Remember“ direkt im Anschluss.

Härter wird es beim Titelstück “Standing On The Edge“, das am Anfang stark an Dokken erinnert, beim Überqueren der Ziellinie aber doch klar hinter jener Band zurückbleibt. Da lässt sich der Auftragsarbeit-Charakter bei aller Qualität dann doch nicht verleugnen, auch wenn die Frontiers-Hausband alles gibt. Andrea Seveso ist ein Top-Gitarrist, aber dieses letzte Quäntchen an Risikobereitschaft fehlt ihm. Ob Reb Beach den Stücken die nötige Raffinesse hinzugefügt hätte? Over the top genug dafür wäre er, da gibt es keine zwei Meinungen!

Dennoch ist den Machern von Standing On The Edge über weite Strecken das Kunststück gelungen, einerseits McAuleys vor purer Freude sprühenden Gesang in den Mittelpunkt zu rücken und andererseits die meisten der elf Songs so abwechslungsreich und spannend zu gestalten, dass man in den knapp 45 Minuten nur ganz selten bemerkt, dass es sich hierbei zumindest zum Teil um eine Reißbrett-Produktion handelt. Lediglich die Überbetonung – sprich: übertriebene Wiederholung – der Refrains erinnert den Hörer öfter als nötig daran. Das wirkt dann schnell einfallslos und wäre einer Band so wahrscheinlich nicht passiert! Damit wären wir beim Stichwort „Gitarrenfills“ zum Auflockern und wieder bei Reb Beach...

Fazit: Wer es immer noch nicht mitbekommen hat, erhält mit Standing On The Edge einen weiteren lautstarken Beweis, dass sich Robin McAuley mit seinen mittlerweile 68 Jahren momentan in der Form seines Lebens befindet. Wobei es korrekterweise anstatt „momentan“ wohl eher „seit etlichen Jahren“ heißen muss!



Michael Schübeler

Trackliste

1Thy Will Be Done3:52
2Standing On The Edge4:17
3Late December3:34
4Do You Remember4:25
5Say Goodbye4:21
6Chosen Few4:22
7Run Away3:41
8Supposed To Do Now3:26
9Wanna Take A Ride3:48
10Like A Ghost4:26
11Running Out Of Time4:21

Besetzung

Robin McAuley (Vocals)
Andrea Seveso (Guitar)
Alessandro Del Vecchio (Bass, Keyboards)
Pete Alpenborg (Keyboards)
Nicolas Papapicco (Drums)

Gäste:
Phil Lanzon (Keyboards on “Like A Ghost”)
Howard Leese (Guitar on “Supposed To Do Now”)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger