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Reviews

Rembrandt Frerichs Trio

Graffiti Jazz


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 25.03.2021

(Zennez Records)

Gesamtspielzeit: 45:59

Internet:

https://www.rembrandtfrerichs.nl
https://www.zennezrecords.com/
https://www.martinaweinmar.de/

Heute stelle ich eine Platte des 1977 in Rotterdam geborenen niederländischen Pianisten und Komponisten Rembrandt Frerichs vor. Sowohl in der Heimat als auch national traf er mit vielen bekannten Musikern zusammen, zwei Jahre verbrachte er in Ägypten, und so mag auch dieser Aufenthalt teilsweise prägend gewesen sein.

Graffiti Jazz nennt er sein aktuelles Album, das er mit dem Bassisten Tony Overwater und dem Schlagzeuger Vinsent Planjer eingespielt hat. Und mit dieser Aufforderung startet die Platte: "Treten Sie ein, ohne zu klopfen", so die Übersetzung des Songtitels. Nun gut, ich habe nicht geklopft und bin eingetreten. Und sogleich werde ich empfangen von einer virtuosen und lebhaften Stimmung, in der alle drei Musiker prägend und voller Leidenschaft strahlen. Bei Minute 1:23 verstummen Bass und Schlagzeug und Rembrandt wird solo auf dem Piano aktiv und bringt Elemente der klassischen Musik in den Song, bis etwa 2:17, und der Song so endet, wie er begann. Dieser Auftakt lässt aufhorchen, bringt er doch sofort einen anderen Ansatz ins Spiel, wie man ihn oft von traditionellen Piano-Trios im Jazz erwartet und auch oft genug kennen gelernt hat.

Nehme ich das Wort "Graffiti" zur Hand, dann erklärt sich dieses (laut Wikipedia) als Sammelbegriff für thematisch und gestalterisch unterschiedliche sichtbare Elemente, zum Beispiel Bilder, Schriftzüge oder Zeichen, die mit verschiedenen Techniken auf Oberflächen oder durch deren Veränderung im privaten und öffentlichen Raum erstellt wurden.
Zudem soll Graffiti auf den Protagonisten eine intensive Anziehungskraft ausgeübt haben, selbst übte er es auch und soll auch eine Art Initialzündung für seine künstlerische Entwicklung gewesen sein. Um auf die Begriffserklärung zurück zu kommen, so kann ich mit Fug und Recht feststellen, das die Musik des Trios sicherlich "thematisch und gestalterisch unterschiedliche sichtbare Elemente" geschaffen hat.

Und so stelle ich mir dann die drei Musiker als Sprayer vor, die auf eine große weisse und leere Leinwand gestalterisch sprühen. Und dabei vertritt jeder einerseits eine differenziert andere Auffassung, letztlich aber formt sich das zu einem runden gemeinschaftlichen Gesamtergebnis von hoher Qualität.

Frerichs ertappe ich sehr oft dabei, dass er entweder öfter Elemente klassischer Musik einbringt, dazu oft sehr verträumt und gedankenverloren zu agieren scheint, und viel Melancholie verbreitet. Planjer am Schlagzeug bringt für mich die wilden Elemente ins Spiel, er wirkt mitunter eruptiv und forsch. Diese von den beiden Musikern vorgefertigten Muster werden dann von Overwater am Bass ausgemalt mit warmen und weichen Tönen.

Dieses birgt daher verschiedene Stimmungen in sich, von akademischen Ansätzen bis zu wilden Klängen aus dem Bauch heraus, und gelegentlich auch mit orientalischen Elementen. Und stets birgt so manch ein Song Nuancen, die aufhorchen lassen und ihm fernab jeglichen Mainstreams besonders machen, man nehme als Beispiel "The Big Over Easy", wo die fein ziselierte Perkussionsarbeit konträr zum Spiel von Piano und Bass zu stehen scheint, aber letztlich einfach nur eine besondere Art der Perkussion darstellt, die das Schlagwerk in eine andere Rolle als ein reiner Begleiter zu sein, hebt. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass gerade Planjer hiermit in jedem Song eine sehr wichtige Stellung einnimmt. Genau - diese und andere Feinheiten sind es, die die Musik dieser Platte bestimmen und sie dadurch sehr interessant macht, vielseitig, lebendig, mitreissend und spannend. Dieser Piano-Trio-Jazz ist etwas Besonderes!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Binnen Zonder Kloppen
2 The King's Rhythm
3 After Johannes
4 The Big over Easy
5 Ten of Hearts
6 Herod Meet
7 50 Ways to Leave Your Lover
8 Skoeba
9 The King's Rhythm Coda

Besetzung

Rembrandt Frerichs (Grand piano and compositions)
Tony Overwater (acoustic bass)
Vinsent Planjer (drums and percussion)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger