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Reviews

Arne Huber Quartet

Live At The Bird's Eye


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 26.02.2021

(Meta Records)

Gesamtspielzeit: 59:02

Internet:

http://www.arnehuber.de/
https://www.metarecords.de/index.php?id=4
http://uk-promotion.net/

"Im echten Leben", so hiess es vom Freiburger Bassisten Arne Huber im Jahre 2017. Mit jener Veröffentlichung präsentierten er und seine Band hochklassigen Jazz mit konzertantem und kammermusikalischem Anstrich, dieser Jazz hatte eine individuell und stark europäisch ausgerichtete Prägung erfahren.

Mir fiel auf, dass treibende Elemente und Swing ein wenig zurückgetreten waren zugunsten einer anderen, mitunter schwebenden, Stimmung, vorgetragen mit Ideenreichtum und Spielwitz.

Nun gibt es aktuell ein Live-Album, Live At The Bird's Eye, das sich dem Vergleich stellt. "Bird's Eye", das ist ein Jazzclub in Basel, in dem sich die ferner aus Köln, der Schweiz und New York angereisten Musiker für ein Gastspiel zusammenfanden. Wir bekommen im heimischen Sessel neun Songs geboten, davon sind "So In Love" (Cole Porter) und "I'm Getting Sentimental Over You" (George Bassmann) die einzigen Fremdkompositionen. Die übrigen Songs stammen von Arne Huber.

Mit "Pebbles" sind wir mitten im Konzert mit einem kraftvollen Auftakt. Ein herrlicher Drive treibt den Song an, der Rhythmus fliegt virtuos und gibt zunächst Domenic Landolf Spielraum für sein eindrucksvolles Solo. Es folgt Rainer Böhm mit einem ebenso spritzigen Piano-Solo, bis sich dann Jochen Rückert zu seinem Schlagzeugauftritt loslöst. Bassist und Bandleader Huber nimmt selbst kein spezielles Solo in Anspruch, besticht jedoch durch seine dauernde gewichtige Präsenz, indem er nicht nur rhythmische und verbindende Aufgaben wahrnimmt, sondern sich stets auch mit vordergründigem Spiel in Szene setzt, am meisten auffällig während des Piano-Solos.

So haben sich erst einmal die Musiker vorgestellt, und im zweiten Song, "Ornaments", wird bereits der Balladen-Modus eingeschaltet. Hier klingt es sehr stark nach diesem bei der obig genannten Studioproduktion angesprochenen konzertanten und kammermusikalischen Stimmung, doch live wirkt das lebendiger und schon fast ein wenig feierlich. Die Art des Saxofonspiels steht dabei zusammen mit dem Pianospiel in einem herrlichen Einklang. Ja, das Thema eines Ornaments als Verzierung oder schmückendes Muster an einem künstlerischen Gegenstand ist sehr gut getroffen mit der Gestaltung.

Im Laufe der Platte entwickelt sich ein ständiger Fluss von schönen Klanglandschaften, die ich live dichter am klassischen Jazz sehe als es Studio der Fall war. Die vier Musiker bilden eine traumwandlerische Einheit, die aufeinander zugeht, miteinander perfekt agiert und dabei verschiedene Stimmungen transportiert. Richtig gut swingend wird es dann mit Cole Porter's "So In Love". Es ist eine große Freude, dieser frischen Interpretation zu lauschen, die mit Spielfreude und Ungezwungenheit genau den Jazz spielt, wie er sich bereits in den fünfziger Jahren etablierte. Hier höre ich eine Nähe zur Musik von Lee Konitz aus den frühen Sechzigern. Gleichzeitig relativ cool und dezent hitzig treibend zähle ich "So In Love" zu meinen liebsten Songs der Platte, ist er doch so voller quirligen Lebens erfüllt. Und so sind auch die einzelnen Soli eine wahres Hörerlebnis, mitreissend und voller Feuer.

Mit einer gefühlvollen Einleitung durch den Bass startet "Whales" und verbleibt durchgehend in einem schwebenden und ruhig angelegten Modus, mitunter voll leicht melancholischem Ausdruck. Dieses zarte wird dann auch in einen leichten Swing erhoben beim zweiten Fremdtitel, "I'm Getting Sentimental Over You". Der letzte Song entführt uns nach "Rio". Der gestrichene Bass und das spätere, gezupfte, Solo, das melodiegebende Saxofon, das ausfüllende Piano und das filigran tupfende Schlagzeug erzeugen gemeinsam eine verträumte Stimmung, die das Prädikat "schön" mehr als verdient hat.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Pebbles
2 Ornaments
3 Turns
4 So In Love
5 Whales
6 Chords
7 Im Echten Leben
8 I'm Getting Sentimental Over You
9 Rio

Besetzung

Domenic Landolf (tenor saxophone)
Rainer Böhm (piano)
Jochen Rückert (drums)
Arne Huber (bass)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger