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Reviews

Riot V

Armor Of Light


Info

Musikrichtung: Melodic Speed Metal

VÖ: 27.04.2018

(Nuclear Blast)

Gesamtspielzeit: 55:32

Internet:

http://www.areyoureadytoriot.com

Das erste Riot-Album ohne Mark Reale, das 2014 erschienene Unleash The Fire, erschien im Fernen Osten unter dem Bandnamen Riot, im Rest der Welt als Riot V. Diese etwas seltsame Doppelkonstellation wurde beim Folgealbum Armor Of Light aufgelöst, so dass nunmehr weltweit der neue Name Riot V gilt, unter dem das Quintett auch bereits die 30-Jahre-Thundersteel-Jubiläumsgigs in Japan im März 2018 spielte, woselbst sowohl das Artwork des Albums schon als Bühnengestaltungselement verwendet wurde als auch die neue Bandmode mit den schwarz-rot gemusterten Hosen zum Einsatz kam, die auch im Booklet der neuen Scheibe auf der Bandabbildung zu sehen ist, wenngleich es sich nicht um ein Foto, sondern um eine Zeichnung handelt und interessanterweise Gitarrist Mike Flyntz dort eine schwarze Flagge schwenkt, auf der wiederum nur der Bandname Riot zu lesen ist – hinter dieser geht aber ein Blitz nieder und schafft unterhalb der Flagge eine V-artige Form, so dass man das wiederum als Hinweis auf den neuen Namen interpretieren könnte, zumal auch auf dem Cover die rote V im Bandlogo deutlich von den in metallischer Optik gehaltenen vier Buchstaben abgehoben ist. Schaut man schlußendlich noch auf das Veröffentlichungsdatum von Armor Of Light, wird einem auch klar, wieso in der Setlist der erwähnten Jubiläumsgigs nur zwei Songs der Scheibe standen: Das Werk wurde auch in Japan erst am 27. April und damit sechs Wochen nach den Gigs herausgebracht, so dass es sich also beim Titeltrack und bei „Messiah“ um eine Art Appetitanreger für die japanischen Fans handelte, was sie dann in wenigen Wochen im Ware-Geld-Tausch erwerben können würden.
Spannende Frage ist nun allerdings, ob die beiden Songs repräsentativ für die Scheibe sein würden oder das Quintett die Anhänger ein wenig an der Nase herumgeführt hat. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Beide gespielten Nummern bieten melodischen Speed Metal vom Faß, wie man ihn von dieser Band kennt und liebt – aber wer auf Armor Of Light permanente Geschwindigkeitsüberschreitung sucht, der wird nicht fündig, sondern nur in einigen Songs und auch dort nicht immer durchgängig, wie gleich „End Of The World“ an zweiter Stelle klarmacht, wo Drummer Frank Gilchriest hier und da tatsächlich in die Hyper-Schiene wechselt, aber das Ganze mit „nur“ halb so schnellen, aber immer noch enorm treibenden Power-Metal-Passagen koppelt. Auch „Burn The Daylight“, im eröffnenden Riff übrigens eine Verbeugung vor Rainbows „Man On The Silver Mountain“ vollziehend, wirkt durch die galoppierenden Bassdrums noch schneller, als es eigentlich ist, obwohl auch hier die Snare in einem Tempo rattert, das zu Thundersteel-Zeiten noch als reinrassiger Speed durchgegangen wäre – aber die liegen eben 30 Jahre zurück. Der Ausklang des Solos erfährt dann allerdings eine plötzliche Beschleunigung, die noch eine Extraportion Gewürz ins sowieso schon leckere Gesamtresultat kippt und damit tatsächlich noch für eine Verfeinerung sorgt, die Synapsen aber noch nicht überfordert. In der ersten Albumhälfte sind allerdings auch die Midtempotracks in derart vorwärtsdrängendem Gestus gehalten, dass sie eine enorm hohe Energiedichte transportieren und keine Wünsche offenlassen – der Opener „Victory“ macht da gleich klar, wo der Hase läuft, und das mit dem wohl eingängigsten Refrain der Scheibe ausgestattete „Angel’s Thunder, Devil’s Reign“ steht dem nicht nach und beinhaltet auch gleich eine passend arrangierte Stelle, wo man live ein Mitsingspiel ansetzen kann. Arrangementseitig sind Riot V natürlich Vollprofis, die wissen, wie man wirkungsvoll Details einbaut, was sie auch mit der kurzen solistischen Verharrung in „Heart Of A Lion“ unter Beweis stellen, nachdem sie im Introriff eine abermalige Verbeugung vorgenommen haben, diesmal aber in Richtung ihrer eigenen Vergangenheit. Mit „San Antonio“ tun sie letzteres in der zweiten Albumhlfte dann nochmal, allerdings auf andere Weise: Hier sind als Songwriter neben Flyntz noch Bassist Don Van Stavern und Sänger Todd Michael Hall angegeben – und Mark Reale. Offensichtlich basiert dieser Song also auf einer alten Songidee, die Giles Lavery beim Sortieren und Katalogisieren von Reales gigantischem Archiv gefunden hat und die die heutigen Bandmitglieder nunmehr in die hier veröffentlichte Form gegossen haben. Rein stilistisch fällt die Nummer nicht aus dem Rahmen – wir bekommen strophenseitig klassischen Melodic Speed zu hören, dazu einen temposeitig halbierten Refrain abermals hohen Eingängigkeitswertes und einen Text, der eine scheinbar klassische Outlaw-Geschichte bietet, aber vor dem Hintergrund, dass die Riot-Wiedergeburt in den Achtzigern in ebenjenem texanischen Areal stattfand und die Begegnung zwischen Reale und Van Stavern in diesem Kontext schicksalhafte Auswirkungen hatte (anderenfalls wäre uns möglicherweise alles ab Thundersteel entgangen), kann man hier durchaus einen tieferen Sinn hineinlesen. In „Caught In The Witches Eye“ gönnt sich die Band noch einen weiteren Blick in die eigene Vergangenheit, indem Songwriter Van Stavern in die Bridge ein paar Bläserklänge einbaut, die im Tonfall den Horn Sections vom The Privilege Of Power-Album entsprechen – was das Booklet nicht verrät, ist, ob hier echte Bläser spielen, die Klänge künstlichen Ursprungs sind oder es sich gar auch noch um „Fundbläser“ handelt, die bei der Archivaufarbeitung zutage gefördert wurden und damals nicht verwendet worden waren. Aber das ist eigentlich auch egal – hier kommt es auf den Sound an, und da grinst der Riot-Altfan, so er das Material der Tony-Moore-Ära mag, noch einmal breiter als im Rest der summiert 56 Minuten Musik. Gut, Balladenfreunde gehen diesmal komplett leer aus, selbst schleppenderes Midtempo gibt es auf Armor Of Light nirgendwo zu hören und Elemente wie Folkanklänge, die in der Ära Mike DiMeo gelegentlich Verwendung fanden, auch nicht – man muß also schon ein Faible für die zügigere, aber dennoch immer hochmelodische und zugleich kernige metallische Herangehensweise haben, um diese Scheibe zu lieben, aber das sind eigentlich alles Attribute, die sowieso zur Leib- und Magenspeise nahezu jedes Riot-Anhängers zählen sollten. Die „langsamsten“ Nummern stehen mit „Set The Word Alight“ (aber wegen der galoppierenden Drums auch schneller wirkend), dem erwähnten „Caught In The Witches Eye“ und dem harmonisch munter die Tonarten wechselnden „Ready To Shine“ alle in der zweiten Albumhälfte, bevor mit „Raining Fire“ nochmal Speed vom Faß mit einem der rauhesten Hauptriffs, die man von Riot bzw. Riot V jemals zu hören bekam, das Album beschließt. Siebenmal steht Van Stavern als Songwriter vermerkt, viermal Flyntz, gelegentlich beide mit Hall als Kompagnon (aber vermutlich für die Texte, nicht für die Musik), dazu die erwähnte „Gemeinschaftsarbeit“ „San Antonio“ – fertig ist ein abermaliges Meisterwerk im melodischen Speed Metal. Dass es sich Flyntz leisten kann, das exzellente Eingangsmotiv von „Ready To Shine“ im weiteren Verlaufe des Songs gar nicht weiter auszuarbeiten, spricht Bände dafür, welches Füllhorn an Ideen dieses Quintett hier noch ausschütten kann, und über die technischen Qualitäten von Flyntz und seinem Gitarrenkompagnon Nick Lee noch Lobeshymnen auszuschütten entspräche dem sprichwörtlichen Export von Bier nach Bayern – was die beiden hier abziehen, gehört zur Spitzenklasse ihrer Zunft, und ein analoges Prädikat darf man auch Halls Gesang verleihen: hochmelodisch, treffsicher, powervoll, in der Gesamtbetrachtung schlicht und einfach schon auf Platte, aber erst recht live der Beste, den Riot je hatten. So stellt Armor Of Light einen weiteren würdigen Grabstein für Mark Reale auf und führt dessen Arbeit auf die nahezu bestmögliche Weise weiter. (Nein, über das Cover reden wir jetzt nicht ...)



Roland Ludwig

Trackliste

1Victory4:40
2End Of The World5:09
3Messiah4:20
4Angel’s Thunder, Devil’s Reign4:40
5Burn The Daylight4:47
6Heart Of A Lion3:52
7Armor Of Light4:36
8Set The World Alight4:52
9San Antonio3:49
10Caught In The Witches Eye4:56
11Ready To Shine5:00
12Raining Fire4:45

Besetzung

Todd Michael Hall (Voc)
Mike Flyntz (Git)
Nick Lee (Git)
Don van Stavern (B)
Frank Gilchriest (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger