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Reviews

Metal Church

Damned If You Do


Info

Musikrichtung: Power Metal

VÖ: 07.12.2018

(Nuclear Blast)

Gesamtspielzeit: 45:19

Internet:

http://www.MetalChurchOfficial.com

Der eröffnende Titeltrack von Metal-Church-Album Numero 12 hebt mit mongolischem Obertongesang an – haben Kurdt Vanderhoof und seine Spießgesellen das Genre grundlegend gewechselt? Nein, stellt sich bereits nach einigen Sekunden heraus, als griffige Riffs übernehmen, Mike Howe in seinem gewohnten Gestus zu singen beginnt und sich ein schleppender, aber doch mit gewissem Vorwärtsdrang ausgestatteter Power-Metal-Song entwickelt, der den Obertongesang nur hier und da als untermalendes Stilmittel einsetzt, ihm allerdings keine gesteigerte strukturelle Notwendigkeit zuweist. „The Black Things“ bringt zunächst angedüsterte Halbakustikgitarren ins Spiel, wandelt sich aber bald in treibenden melodischen Power Metal, der die Halbakustische geschickt mit der Elektrischen koppelt und phasenweise ein wenig an „Losers In The Game“ erinnert, einen der stärksten Songs vom Fünftling Hanging In The Balance, der für die erste Besetzung mit Mike Howe am Mikrofon zum Schwanengesang wurde. Nun gehört Howe ja bekanntlich seit dem Vorgängeralbum XI erneut zur Band – selbiges Werk liegt hier noch auf dem großen Stapel der Ungehörten, und so stellt Damned If You Do die erste akustische Begegnung des Rezensenten mit den Howe-Metal Church Mark II dar. Die Erkenntnis, dass der Vokalist mittlerweile ein Vierteljahrhundert älter geworden ist, läßt sich stimmlich zwar auch ohne weitere Erkenntnisse gewinnen, aber im Direktvergleich mit so manchem anderem reaktivierten Alt-Sänger schneidet Howe durchaus achtbar ab, shoutet zumeist treffsicher, ist von vornherein vorsichtig mit höherem Gekreisch (will heißen, er umgeht es, wo es auch eine andere Lösung gibt) und wirkt nur in den tieferen Lagen bisweilen ein wenig zu rabiat, wie etwa „By The Numbers“ unter Beweis stellt. Trotzdem hätte man ihn sich hier und da vielleicht noch einen Tick melodischer gewünscht, nämlich dort, wo der instrumentale Unterbau ebenfalls mit stark ausgeprägtem Sinn für Melodien arbeitet, was etwa auf „Revolution Underway“ zutrifft, das im Gegensatz zu seinem Titel keine wütende Protestnummer geworden ist, sondern die Revolution eher auf Graswurzelniveau herunterbricht: nicht mit der Tür ins Haus fallend, aber doch unwiderstehlich – und fast bedauert man hier ein wenig, dass die mehrfach eingesetzte Gitarrenmelodie über einem schnellen Stakkatodrumpart nicht noch stärker berücksichtigt worden ist. Für letzteren zeichnet ein Neuzugang verantwortlich, sogar ein recht prominenter: Nach dem Abschied von Jeff Plate, der mit dem Trans-Siberian Orchestra zuviel zu tun hatte, konnte Vanderhoof Stet Howland gewinnen, der mit W.A.S.P. zu einiger Popularität gelangt war. Auf Damned If You Do spielt er zumeist recht songdienlich und deutet nur an einigen Stellen an, dass er auch Komplexeres beherrscht, wenn’s drauf ankommt – einer der diesbezüglich fordernderen Songs ist „Rot Away“, der allerdings auch immer wieder durch geradlinige Powerpassagen unterbrochen wird, von denen eine zu den schnellsten der ganzen Platte gehört. Konsequente Speed Metaller waren Metal Church freilich noch nie – das deutete sich schon auf dem Debüt an, wo die allerallerstärksten unter den neun bärenstarken Songs die beiden epischen Nummern waren, nämlich „Beyond The Black“ und „Gods Of Wrath“, wenngleich beispielsweise auch das wieselflinke Instrumental „Merciless Onslaught“ zu den Großtaten der damals noch jungen Band zählt. Von daher überrascht es einerseits, wenn Vanderhoof in der Mitte des neuen Albums gleich drei von speedigen Parts geprägte Nummern hintereinanderstellt („Guillotine“, das erwähnte „Rot Away“ und „Into The Fold“), wobei andererseits alle drei reichlich temposeitige Haken schlagen, also keiner der konsequenten alten Songwritingschule folgt, eine (in Zahlen: 1) Songidee zu generieren und aus dieser dann einen ganzen Song zu basteln, indem man sie von allen möglichen Seiten beleuchtet. Dieser Maxime folgt der Chefdenker auf Damned If You Do nur dreimal, nämlich zum ersten mit dem Stampfer „Monkey Finger“, der im Riffing zudem die eine oder andere Accept-Verbeugung auffährt, allerdings ein melodisch eher verqueres Solo einbaut, das von Wolf Hoffmann in dieser Form nicht zu erwarten gewesen wäre. In dieser Hinsicht bildet das Stück allerdings abermals eine Ausnahme, denn den melodischen Aspekt hat Vanderhoof auch auf diesem Album im wesentlichen in den Leadgitarren versteckt, wie das bereits auf Generation Nothing sehr auffällig war, wo er den damaligen Sänger Ronny Munroe trotz dessen Melodiehaltequalitäten im wesentlichen als Shouter besetzte, und das tut er hier mit Howe erneut. Was passiert, wenn er das nicht tut und auch mal im Gesang merkfähige Melodien unterbringt, zeigt „Out Of Balance“, der zweite Song mit nur einer Songidee, und der macht mit deren gekonnter Verarbeitung richtig Hörspaß – das Solo greift sogar die Refrainmelodie nochmal auf, was man früher gern tat, heute aber kaum noch anzutreffen ist und gerade darum besondere Aufmerksamkeit zu generieren in der Lage ist, vor allem, wenn es mit so bestechender Spielfreude durchgezogen wird. Auf Generation Nothing hatte Vanderhoof darüber hinaus einige Songs an der Grenze zum Thrash angesiedelt oder sogar schon jenseits von dieser – auf Damned If You Do tut er das nur einmal, nämlich mit dem Closer „The War Electric“, zugleich der dritte Song mit nur einer zentralen Songidee und zudem mit einem begeisternden Soloduell ausgestattet. So zerfällt die Dreiviertelstunde Musik etwas überraschend in drei Blöcke: die ersten vier eher uneinheitlichen, aber phasenweise an Hanging In The Balance gemahnenden Songs, die folgenden drei die speedlastigen, aber aus vielen Parts bestehenden und die letzten drei die oldschooligen, jeweils genau eine Songidee durchexerzierenden. Diese seltsame Kombination wird nicht jeder mögen, und der Mangel an wirklich überragenden Songideen ist auch nicht wegzudiskutieren – aber eine gutklassige Metalplatte haben wir allemal vor uns, die uns freilich ein weiteres Mal daran erinnert, wie turmhoch überlegen genial diverse Klassiker eben wirklich waren. Da hilft auch der abermalige Einbau der legendären vermoosten Gitarre vom Debütcover ins Artwork von Damned If You Do (Sujet ist hier wieder mal die Bereicherung einzelner Vertreter organisierter Religionen auf Kosten der Gemeinschaft) nichts.



Roland Ludwig

Trackliste

1Damned If You Do4:35
2The Black Things5:16
3By The Numbers4:35
4Revolution Underway5:25
5Guillotine4:47
6Rot Away3:26
7Into The Fold4:20
8Monkey Finger4:15
9Out Of Balance4:25
10The War Electric4:09

Besetzung

Mike Howe (Voc)
Kurdt Vanderhoof (Git)
Rick van Zandt (Git)
Steve Unger (B)
Stet Howland (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger