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Reviews

Stefan Karl Schmid

Muse


Info

Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 27.02.2021

(Tangible Music)

Gesamtspielzeit: 45:00

Internet:

http://www.stefankarlschmid.net/muse
https://www.tangible-music.net/
http://www.uk-musikpromotion.de/profil.html

2014 rezensierte ich "Schmid's Huhn", die gemeinsame Platte von Stefan Karl Schmid und Leonhard Huhn, 2018 hiess die Band dann Schmid's Huhn und es erschien "Golden Spheres", wiederum mit beiden Musikern dabei.

Beide Platten hatten mich sehr überzeugt, so stellte ich fest, dass die Musik durch ihre Freiheit und angenehme Losgelöstheit von akademischer Steifheit und durch ihren Spielwitz bestechenden Sound bestechen konnte. Ferner fiel mir die hohe Individualität der Musiker im Einzelnen wie auch im Ganzen angenehm auf und eine große Dichte im Gesamtausdruck.

Nun hat sich mit Muse der Saxofonist Stefan Karl Schmid allein der Herausforderung gestellt und mit einer ganz anderen Besetzung aufgenommen. Dabei wurden drei Titel im Trio-Format und der Rest jeweils im Quartett-Format mit wechselnden Mitspielern eingespielt. Sieben der neun Stücke stammen von Stefan Karl Schmid, Track Sechs ist ein isländischer traditioneller Song und Track sieben wurde vom Saxofonisten Warne Marsh komponiert.

Die Platte ist eine Co-Produktion mit dem Deutschlandfunk Köln und wurde 2019 im dortigen Kammermusiksaal aufgenommen. Mit dem Triostück "Fimmtán" startet die Reise durch ein neues spannendes Jazz-Abenteuer, zunächst recht verhalten und in ganz sachtem Modus, leicht und locker dahinfliegend, langsam steigert es sich, und Thomas Sauerborn am Schlagzeug zieht ganz unmerklich immer ein wenig an. Leider ist der Song, noch bevor vier Minuten vergangen sind, vorbei, und zum Schluß wird es noch ganz dezent in eine ganz leicht mystische Atmosphäre getaucht.

Drei Songs, das erste davon "Clinomania", enthalten Unterstützung vom Trompeter Bastian Stein. Wie bereits bei den oben genannten Veröffentlichungen, ist auch hier der Aufbau dieses Stückes in einen sehr losen und frei fließenden Kontext gefasst worden, eine Art breiter Klanglandschaft, in der Improvisationen nichts Einzelnes, sondern Teil des Ganzen sind, bringen mir wieder die Aussage von Joe Zawinul zu Weather Report in das Gedächtnis: "We always solo and we never solo.” Auch hier sind alle vier Bestandteile der Musiker vollends miteinander verflochten und bieten ein farbenfrohes Bild, dass sehr viel Kreativität und Reichtum ausstrahlt.

"Not Awake Yet", eines der beiden Songs mit dem Pianisten Pablo Held, zeigt ihn in etwa der Mitte des Stückes in einem Dialog mit dem gerade solierenden Bassisten David Helm, bevor dieser dann an Held abgibt, um sich wieder in das begleitende, aber dennoch gestaltende Umfeld zurück zu ziehen.

Nächster Gast, auf "Tulpa", ist die Posaunistin Shannon Barnett aus Australien, eine neue "Stimme" auf der Posaune. Sie weiss ihr Instrument wesentlich mitgestaltend einzusetzen. Insgesamt spielt Stefan Karl Schmid auf Muse recht zurückgehalten, aber nicht im Ausdruck zurückhaltend. Die "Ausbrüche" innerhalb des flüssigen Spiels werden nur nicht laut, sie scheinen sich wie auf einer Linie abzuspielen, gleichförmig, mit einem Ausdruck von Cool Jazz behaftet, so empfinde ich es, mitunter mit einem Hauch von John Coltrane behaftet, hier und da ein wenig Wayne Shorter, aber letztlich stets individuell bleibend.

Diese Musik wirkt ganz stark verträumt, mitunter fast schon phlegmatisch, in einem positiven Sinn und erweckt den Eindruck von federleichtem Schweben, Gleiten und Dahintreiben. Man wird nicht "gestört" durch das Typische, sondern mit hineingenommen in eine Welt von Ruhe und emotionaler Beschaulichkeit, es wirkt eine Art unendlicher Weite, als Beispiel nehme ich hierzu ganz besonders das isländische Volkslied "Fagurt er í Fjörðum ", dass mich tatsächlich in eine isländische Zauberwelt zu entführen scheint.

Und dann "Background Music" von Warne Marsh, das genauso kommt, wie ich es erwartet habe. Nun fehlte eigentlich nur noch Lennie Tristano, um diesen coolen Sound zu vervollständigen, ein wahres Paradestück Westcoast Jazz, Made In Germany. Darüber hinaus verspüre ich ein wenig der Musik von Lee Konitz, ganz besonders von dessen Album "Motion" und noch besonderer meine ich davon den Song "All Of Me".

Eine Ballade ("Mutual Consent") und ein schnelleres Stück ("Happy") beenden diese hervorragende Produktion und hinterlassen mich so, wie es der letzte Songtitel signalisiert.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Fimmtán (3:52)
2 Clinomania (4:57)
3 Not awake yet (6:08)
4 Wolf Girl (5:00)
5 Tulpa (5:23)
6 Fagurt er í Fjörðum (4:38)
7 Background Music (5:20)
8 Mutual consent (4:23)
9 Happy (5:15)

Besetzung

Stefan Karl Schmid (tenor saxophone)
David Helm (bass)
Thomas Sauerborn (drums)
Bastian Stein (trumpet - #2, 6, 9)
Shannon Barnett (trombone - #5)
Pablo Held (piano - #3, 8)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger