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Reviews

Rhapsody Of Fire

The Eighth Mountain


Info

Musikrichtung: Symphonic Metal

VÖ: 22.02.2019

(AFM / Soulfood)

Gesamtspielzeit: 64:39

Internet:

http://www.rhapsodyoffire.com

Während der nach der Bandspaltung von Luca Turilli geführte Teil Rhapsodys immer mal den Projektnamen wechselte, herrscht beim von Alex Staropoli geführten Teil diesbezüglich Kontinuität, auch wenn außer dem Keyboarder selbst mittlerweile keine „Altmitglieder“ mehr an Bord sind. Er hatte sich mit Turilli geeinigt, dass er den Namen Rhapsody Of Fire weiterführen wird, und das tut er auch jetzt noch und zieht sein Ding konsequent durch: Das, wofür Rhapsody einstmals bekannt geworden sind, das findet man auch auf The Eighth Mountain wieder, wobei einschränkend zu bemerken ist, dass es sich um die gehärtete Variante handelt, die Rhapsody weiland ab Album Numero 3, Dawn Of Victory, pflegten. Ausgedehnte kammermusikalische Passagen gibt es also auch beim Besteigen des achten Berges kaum mal zu hören, wenngleich das Nationale Sinfonieorchester Bulgariens natürlich nach wie vor einen Berg Orchesterschnee über den Kompositionen ausschüttet – es ist aber eben kein lockerer Pulverschnee mit lieblich tanzenden Flocken, sondern nicht selten ein Lawinenbrett mit entsprechendem Dramatikfaktor, was sich ins Gesamtbild bestens einpaßt: The Eighth Mountain transportiert musikalisch eine Großportion Energie, und auch in Songs wie „White Wizard“, wo das Intro noch die Möglichkeit einer entspannteren Herangehensweise beinhaltet, wendet sich das Blatt relativ schnell, wobei nicht nur in diesem Song das Drumming von Manu Lotter auffällt. Der junge Schlagwerker entfaltet einen enormen Zug zum Tor, tritt die Doublebass in vielen Nummern oft und gern durch und steht im Gesamtmix oft auch noch relativ weit vorn, was manchem Hörer möglicherweise weniger schmecken und eher nach Überrepräsentiertheit riechen wird. Offenbar gehört das allerdings zum Konzept, denn in „White Wizard“ ergibt sich ein Klangbild, wo der Drummer etwas weiter in den Hintergrund gemischt ist, aber trotzdem für den vorwärtspreschenden Gesamteindruck eine maßgebliche Rolle spielt. Zurücknehmen kann sich Lotter allerdings auch, wofür „Warrior Heart“ ein prima Beispiel abgibt – in den Strophen eine der seltenen Kammermusikpassagen auffahrend, wo mit Staropolis Bruder Manuel ein alter Bekannter an der Flöte auftaucht, geht der Drummer im Refrain fast beschwingt zu Werke und weiß das dort vorgegebene Taktschema gestalterisch exzellent zu nutzen, während der Solopart diesbezüglich etwas geradlinigeres Spiel erfordert. Nur die Cembalofreunde müssen tapfer sein, denn das von Manuel Tomadin bediente Instrument steht klanglich doch relativ weit im Abseits. Solange aber genügend andere Glanzlichter gesetzt werden, kann man das natürlich verschmerzen – und diesbezüglich geizt Chefkomponist Staropoli durchaus nicht mit guten Ideen, wenngleich er strenggenommen nichts aufbietet, was man nicht schon auf einem der zahlreichen Vorgängeralben gehört hätte. Aber das muß er durchaus nicht, solange er die Qualität zumindest weitgehend halten kann, und das gelingt ihm durchaus, wenn man berücksichtigt, dass man eben nicht jedes Mal einen Hit wie „Emerald Sword“ schreiben kann. Diesbezüglich bietet The Eighth Mountain nämlich in der Tat kein Äquivalent, und wenn man der Scheibe etwas vorwerfen kann, ist es der Umstand, dass der eine oder andere Refrain in der Tat noch ein wenig griffiger hätte ausfallen können, wenngleich etwa derjenige von „March Against The Tyrant“ zumindest an Enthusiasmus kaum zu überbieten ist und von den beiden Epen der Scheibe dieses damit zum stärkeren macht. Wäre das andere, „Tales Of A Hero’s Fate“, um das hintere Drittel gekürzt worden, so wäre die Lage nicht ganz so klar gewesen – aber kurioserweise verläßt Staropoli im hinteren Drittel das sonst bei ihm durchaus gut ausgeprägte Gespür für Dramaturgie. Hier kommt nämlich Christopher Lee als Erzähler zum Einsatz, der die Grundkonstellation der mit diesem Album beginnenden neuen Saga erklärt – und das tut er leider in einer Weise, der man sein Alter unvorteilhaft anhört. Selbst das, was als dramatischer Höhepunkt gedacht ist, kommt eher mau aus den Boxen, und musikalisch läßt Staropoli die Nummer und damit die ganze Scheibe danach einfach ausplätschern. Man wundert sich sowieso, dass diese Grundkonstellation erst im letzten Song der Scheibe eingeführt wird – der Käufer der CD hat gegenüber dem Downloader zumindest den kleinen Vorteil, dass ihm im Booklet gleich zu Beginn der zentrale Charakter Kreel vorgestellt wird, wonach zumindest klar ist, dass der sieben heroische Taten vollbringen muß, wozu freilich nicht die Besteigung des achten Berges gehört, denn dieser hat laut Cover eine Höhle in der Bergflanke, aus der Licht dringt, wo dann offenbar die nächste Aufgabe auf den zweifelnden Helden wartet, der indes erstmal zusehen muß, dass ihn der bedrohlich über dem Höhleneingang hängende Gletscher nicht verschüttet. Über wie viele Alben sich die Saga erstrecken soll, verrät das Booklet nicht, aber es wird genug Zeit bleiben, sich ausgiebig durch das Gewühl der Feinde zu holzen, steht zu vermuten.
Betrachtet man die zwölf Songs als Ganzes, fällt auf, dass der Härteeindruck nicht auf hohe Geschwindigkeit zurückzuführen ist – die ratternde Doublebass täuscht darüber hinweg, dass die Snare-Schlagzahl über weite Strecken unterhalb der Speedgrenze anzusiedeln ist, und nach den beiden Openern „Seven Heroic Deeds“ und „Master Of Peace“ wird das Bild noch ein gutes Stück vielschichtiger. Zwar trifft Roby De Micheli im Intro von „Clash Of Times“ einen so klassischen Italometal-Ton, wie nur irgendeine Gitarre nach Italometal klingen kann, aber auch diese Nummer geht über treibendes Midtempo nicht hinaus. Neben der bereits erwähnten Halbballade „Warrior Heart“ gibt es mit „The Wind, The Rain And The Moon“ auch noch eine fast pure Ballade auf der Scheibe, die erst in der letzten Minute dann doch noch einen harten Part auffährt, aber auch in dieser Version durchaus überzeugen kann, zumal Giacomo Voli sich hier erstaunlicherweise gar nicht so sehr umstellen muß, um eine adäquate Gesangsleistung auf die Beine zu stellen – er singt im ruhigen Part und im harten Einschub ziemlich ähnlich, und es paßt beide Male. Noch ein Kuriosum: In „Tales Of A Hero’s Fate“ singt die ersten Strophen ein Black-Metal-Kreischer, und so detailverliebt das Booklet auch ausgefallen ist, es findet sich nirgendwo eine Information, wer hier zu hören ist, so dass als einziger logischer Schluß bleibt, dass auch diese Passagen von Voli stammen, der ansonsten von Haus aus eine klassische hohe italometalkompatible Stimme ins Feld führt, allerdings keine Sirene, sondern etwas drunter bleibend, auch wenn er hier und da andeutet, dass er durchaus noch größere Höhen erreichen könnte, wenn’s drauf ankommt. Er ist übrigens auch in beide Chöre involviert: Sieben Herren bilden den Epic Choir, drei Damen und fünf Herren den Opera Choir, und beide kommen oft und gern zum Einsatz, ohne aber das ganze Material zuzukleistern – da hat Staropoli ein gutes Händchen für die Dosierung, und überhaupt weiß er wie bereits erwähnt auch mit interessanten Details zu punkten. Das geht schon in „Seven Heroic Deeds“ los, wo er mit einer Hammondorgel feine Akzente setzt, und endet mit der großen Dramatik in „Tales Of A Hero’s Fate“ von Minute 5 bis Minute 8, also bevor Lee einsetzt. Klar, wenn man Material von Christopher Lee hat, will man das auch nutzen – aber hier taugt das Material halt nicht ganz so viel wie erhofft, und der Chor danach verpufft in seiner Wirkung auch. So ergibt sich ein seltsames Bild – aber vielleicht findet sich eine Erklärung auf dem Folgealbum. Derweil paßt The Eighth Mountain so gut in jede Italometalsammlung wie nahezu jedes andere Album der Rhapsody-Bandfamilie auch, und zur Detailverliebtheit macht sich noch ein abschließendes Wort notwendig: Rhapsody Of Fire hatten ja eine Zeitlang eine Geschäftsbeziehung mit Manowar, und in dieser Phase hat Staropoli offenbar gelernt, dass es wichtig ist, im Booklet wirklich JEDEN zu erwähnen, der irgendwas mit der Produktion des Albums zu tun hatte – so schafft man sich Freunde und macht seine Wertschätzung kund. Dementsprechend findet man in der Dankesliste dann auch die Bürgermeisterin des Fleckens Polle im Weserbergland und Heinz Heil von der Laienspielgruppe Polle e.V. – ob Heil im Booklet als freundlich grinsender „White Wizard“ zu sehen ist? Auszuschließen wär’s durchaus nicht. Und wenn wir schon bei Optikfragen sind: Für den Drummer war auf dem Bandfoto offenbar keine Lederjacke mehr übrig (vielleicht wurde er auch nachträglich hineinmontiert), und Staropoli sieht immer mehr aus wie die italienische Antwort auf Arija-Chefdenker Wladimir Cholstinin. Solange sich auch die Musik qualitativ auf Augenhöhe bewegt, soll dem Anhänger anspruchsvollen Metals das freilich durchaus recht sein.



Roland Ludwig

Trackliste

1Abyss Of Pain0:48
2Seven Heroic Deeds4:47
3Master Of Peace5:31
4Rain Of Fury4:09
5White Wizard4:56
6Warrior Heart4:29
7The Courage To Forgive4:54
8March Against The Tyrant9:22
9Clash Of Times4:41
10The Legend Goes On4:33
11The Wind, The Rain And The Moon5:22
12Tales Of A Hero’s Fate10:47

Besetzung

Giacomo Voli (Voc)
Roby De Micheli (Git)
Alex Staropoli (Keys)
Alessandro Sala (B)
Manu Lotter (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger