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Reviews

Emmy The Great

April


Info

Musikrichtung: Alternative Pop

VÖ: 09.10.2020

(Bella Union)

Gesamtspielzeit: 38:21

Internet:

https://www.emmythegreat.com/
https://bellaunion.com/
https://store.pias.com/

Gleich vorweg - das ist sehr seltsam, was mir zu Ohren kommt im ersten Song, " Mid-Autumn ".Emmy The Great? Das ist die 1983 in Hong Kong geborene Emma-Lee Moss, ihre Mutter ist Chinesin, ihr Vater Engländer.

Darum singt sie den ersten Song wohl auch in Chinesisch, was es bedeutet, weiss ich nicht, weil auch der Text in chinesischen Schriftzeichen abgedruckt ist. Ansonsten geht es in Englisch weiter, gelegentlich werden chinesische Passagen eingestreut.

Musikalisch interessierte sich die Protagonistin früh für Band wie The Lemonheads, Weezer oder The Smashing Pumpkins. Einige erste Demos erschienen 2006 mit der Folge des Debüt-Albums im Jahre 2009. Und nun liegt die aktuelle Platte vor, mit dem Titel April, die vierte Solo-Platte. Wie es zur Entstehung kam, kann Emmy gern selbst beschreiben: " My story begins with the moon. In September 2017, I travelled to Hong Kong from New York, where I’d lived for three years, for the Mid-Autumn festival. I was planning to visit my parents and take some time off to write my fourth album. I arrived in time for the full moon - Chang-E’s moon - at a time of year when the heat breaks and the city seems alive with possibility."

Gehen wir also davon aus, das die Erlebnisse in der Heimat zur Prägung der Musik führten. So sollen unter anderem auch Spaziergänge in der Stadt unter dem Einfluss des Vollmonds dazu geführt haben, dass die dabei entstandenen Gefühle und Gedanken Einzug hielten in Text und Musik. In zehn Songs werden Geschichten erzählt, relativ minimalistisch interpretiert, mit einer Ausprägung zwischen Alternative Pop, einem Hauch Singer/Songwriter, und das alles gekleidet in recht harmonische Melodien, teilweise mit hohem Wiedererkennungswert, ab und an angereichert mit chinesischen Motiven, wie zum Beispiel bei "Chang-E".

Songs wie das sehr harmonische und im Ausdruck angenehm watteweiche "A Window/O'Keeffe" sind sehr schöne Beispiele dafür, wie man zeitgenössische Pop-Klänge auch durchdacht, hochwertig und niveauvoll gestalten kann. Von der Komposition über das Arrangement bis zur Ausführung ist dieses einer der schönsten Songs des Albums. "Okinawa/Bud" ist ein ebenfalls sehr interessanter Song, sehr ungewöhnlich und exzeptionell durch seine Instrumentierung, Vibrafonklänge, darüber schwebende Streiche, Passagen ohne Rhythmus, die einfach nur eine ruhige Stimmung ausstrahlen.

So ist jedes einzelne Stück eine Besonderheit für sich, mit Raum für Entdeckungen, sehr sorgfältig ist hier gearbeitet worden, um diese oft schwebende Stimmung zu erreichen und zu erhalten. Dass dabei elektronische Elemente unterstützen, wirkt nicht unbedingt störend, sondern hier durchaus als Gegenpart und Unterstützung anderer Elemente, so dass jede einzelne Zutat ihre besondere Gewichtung bei der Schaffung dieses ungewöhnlichen Sounds unter Beweis stellt.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Mid-Autumn
2 Writer
3 Dandelion / Liminal
4 Chang-E
5 A window / O'Keeffe
6 Okinawa / Ubud
7 Your hallucinations
8 Mary
9 Hollywood Rd. / April
10 Heart sutra

Besetzung

Emma-Lee Moss (vocals)
featuring:
Dani Markham, Jeffrey Fettig, David Lizmi, Margot, Maeve Higgins, Mona Chalahi, Larisa Hill, Grey McMurray, Cat Martino, Maia Friedman, Jo Lampert, Eric Biondo, Will Epstein, Clarice Jensen, Tom Rogerson, Rupert Wu

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger