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Reviews

De Cabezón, A. u. a. (Croci, M. – Mascardi, E.)

Milano Spagnola. Para tecla y vihuela


Info

Musikrichtung: Renaissance Kammermusik

VÖ: 02.102.2020

(Arcana / Note 1 / CD / DDD 2020 / Best. Nr. A481)

Gesamtspielzeit: 61:21

ORPHEUS' GITARRE

Orpheus, der antike Sänger und Sohn des Apoll, wurde in einem Gedicht von Luis Milán zum Erfinder der Vihuela erklärt. Für dieses der Gitarre ähnelnde Instrument komponierten Milán und andere spanische Renaissance-Komponisten wie Antonio de Cabezon, Enriquez de Valderrabano oder Pietro Paolo Borrono ein umfangreiches Repertoire. Die Vihuela avancierte zum Instrument des goldenen Zeitalters in Spanien. Mit ihrem klaren, feintimbrierten und nuancierten Klang eignet sie sich besonders für die reich gestaltete Polyphonie der alten Meister. Sie war das Instrument der Profis und Virtuosen und gehörte in die höfische Sphäre, wo sie in Königen wie Philipp II. treue Anhänger hatte.

Das Instrument wurde aber nicht nur solistisch gespielt; Vihuela-Kompositionen wurden gerne auch für Cembalo (oder Orgel) transkribiert und beide Instrumente traten auch in Duoformationen auf, wobei das Zusammenspiel von Klangfarben, Virtuosität und improvisierten kontrapunktischen Imitationen die Zuhörenden begeisterten.

Evangelina Mascardi (Vihuela) und Maurizio Croci (Cembalo & Orgel) bilden auf dieser Aufnahme ein solches Duo und präsentieren eine Querschnitt mit fantasievollen, zum Teil sehr virtuosen Solo- und Duo-Versionen aus der Feder der berühmtesten Vihuela-Komponisten, unter denen der auch von Philipp II. besonders geschätzte Antonio de Cabezon noch einmal besonders herausragt. Ausgangspunkt ist häufig religiöse Vokalmusik, die für Vihuela bearbeitet wurden.
Verschwenderisch mit Ornamenten ausgestattete Variationen über marianische Gesänge finden sich auf dieser Aufnahme daher ebenso wie Bearbeitungen von Tänzen, Liedern oder auch ein kleines Tongemälde über eine Schlacht von Hermann Mattias Werrecore.

Das bietet Material für eine abwechslungsreiches einstündiges Konzert, in dem man die selbstverständliche und mühelose Gestaltung von Mascardi und Croci auf den historischen Instrumenten (bzw. deren Nachbauten) bewundern kann. Eine angenehm räumliche Akustik bringt die unaufdringlichen Qualitäten der Instrumente sehr schön zur Geltung. Rhythmische Geschmeidigkeit und filigrane Artikulation lassen die oft fingerbrecherisch verschlungenen musikalischen Linien tanzen und glitzern – was zunächst ein akademisches Spezialistenprogramm zu sein scheint, entpuppt sich nach und nach als Sammlung origineller Kompositionen und erlesener Klangfarbenspiele mit breitem Ausdrucksspektrum.



Georg Henkel

Trackliste

Hermann Mattias Werrecore (1500-1574), Antonio de Cabezon (1500-1566), Enriquez de Valderrabano (1500-1557), Luys Milan (1500-1561), Pietro Paolo Borrono (1490-1563), Alonso Mudarra (1510-1580), Francesco Canova da Milano (1497-1543)

Besetzung

Evangelina Mascardi (Vihuela), Maurizio Croci (Cembalo & Orgel)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger