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Reviews

The String Theory

The Los Angeles Suite


Info

Musikrichtung: Neoclassic/Ambient/Pop-Fusion

VÖ: 25.09.2020

(Project C)

Gesamtspielzeit: 39:23

Internet:

https://wearethestringtheory.org/
https://networking-media.de/
https://www.projec.tc/

String Theory - was kann man sich darunter vorstellen? Nun, es handelt sich um ein internationales Kollektiv von Künstlern, im Jahre 2006 gegründet. Erste wichtige Projekte waren zwischen 2006 und 2008 "The Berlin String Theory" und zwischen 2009 und 2011 "The Göteborg String Theory". Ein Livealbum gibt es mittlerweile auch, "Live In Europe".

Entstanden ist das Projekt in Berlin, entwickelt von PC Nackt und Chérie, unter anderem in Zusammenarbeit mit diversen Komponisten wie Ben Lauber oder Nils Tegen. Man wollte etwas Musikalisches schaffen, dass sich ausserhalb üblicher Grenzen und Genres bewegte, inklusive verschiedener Experimente. So wurde seinerzeit bereits mit einem Streichquartett gearbeitet, dass elektrische Gitarren und Computer ersetzen sollte bei der Gestaltung der Musik. Die Anzahl beteiligter Musiker/innen stieg ständig und so sind auch auf The Los Angeles Suite reichliche vorhanden, darunter viele Vokalisten/innen, Streicher, Bläser, Perkussionisten und Keyboards und Gitarren, insgesamt sollen es sechzig an der Zahl sein.

So ist eine einzigartige Verbindung geschaffen worden, die sich, grob gesehen, zwischen Orchestermusik und Popmusik bewegt, aber eben nicht in einem Umfeld, dass man diesbezüglich vielleicht erwarten mag. So hatte ich zum Beispiel eine stärkere Ausrichtung zu einer üppigen Orchestrierung erwartet, doch allein dadurch, dass bis auf einen Song Vokalbeiträge durch verschiedene Interpreten (siehe Trackliste) geboten werden, halten sich die Arrangements struktuell meistens eher in einem festen Rahmen, so dass man eher an Pop-Musik denken sollte.

Neun Songs auf fast vierzig Minuten verteilt, ergeben somit eher kurze Beiträge. Die Bezeichnung der Platte als Los Angeles Suite kann ich eigentlich nicht teilen durch diesen Umstand, dass aus meiner Sicht neun Einzelbeiträge nicht für das Gesamtbild einer Suite stehen. Anders wäre es, wenn stets eine unmittelbare Verbindung zwischen den Stücken wäre oder eine Art Übergang dazwischen, eben, um sie zu verbinden zu einer Suite.

Nun, das ist letztlich nur eine Feststellung, keine Wertung hinsichtlich der gebotenen Musik. Denn diese ist isoliert zu betrachten. Durch die ausgeklügelten Arrangements eines jeden Songs steht die Qualität der Musik, sofern man sie nun in die Schublade Pop einsortiert, weit über dem ansonsten niedrigen Niveau von Songs, wie sie heute in einschlägigen Charts vertreten sind. Leider wird man somit solche absolut nicht oberflächliche Musik kaum dort antreffen, und somit wiederum wird man sicher ein anderes Zielpublikum erreichen müssen.

Und dieses Publikum sollte bereit sein, vorurteilslos an diese Musik heranzugehen, sich einfach einmal hinzugeben und einwirken lassen. Gleich der Eröffnungstitel, "Jealous Days", gesungen von Jens Kuross, ist eine Herausforderung. Noch nach dreissig Sekunden meint man, man hätte den Lautstärkeregler vergessen, hochzupegeln, denn wie aus absoluter Stille heraus baut sich hier etwas auf, Streicherklänge, Piano, Flüstern im Hintergrund, und der Gesang setzt bei 1:36 ein. Irgendwie hat sich eine schwelende Atmosphäre ergeben, sehr zurückgenommen und auf etwas wartend, nur das Piano ist klar und eindeutig in Aktion. Und diese vibrierende Stimmung bleibt bis zum Schluss.

"California Lover", gesungen von einer sehr gut agierenden Shana Halligan, ist präsenter, diesen Song könnte ich mir auch gut von Kate Bush gesungen vorstellen. Die Streicherarrangements und tief versteckte Perkussion bestimmen die Atmosphäre, die durchaus eine Menge Mystik in sich birgt. Der geschickt eingesetzte Chor trägt das Übrige dazu bei. Dieser Song sollte sofort in die Charts und ganz nach oben schnellen, denn das ist für mich wahre Pop-Musik mit einem sehr hohen Grad von Individualität und mit Niveau!

Verschiedene andere Ausprägungen individueller Art durchziehen schliesslich die ganze Platte, sei es der verstärkte Einsatz von Elektronik im Verbund mit Rap (#3), Assoziationen zur Filmmusik mit dem Charme längst vergangener Tage, inklusive leicht frivol angehauchten Gesangs (#4), noch einmal von stakkatohaften Streichern begleitete Elektronik, ganz im Sinne des Boleros (#5), oder ein Ausflug in eine Art Märchenwald mit "No One Believes A Ghost", ja, auch dieser Song zählt zu meinen Favoriten, allein diese schwirrende Stimmung der Streicher, kombiniert mit den vielen Stimmen, das ist fantastisch und betörend.

Nach den einzigen Instrumental, "Stars And Hypes", das könnte man glatt als Werbespot einsetzen für ein leicht verrücktes Produkt, werden wir verabschiedet mit einem Hinweis auf eine Mondlandung (#8), die entsprechend ein wenig "spacy" dargestellt wird und das aus meiner Sicht schrägste Stück der Platte ist, sehr unbequem und mehr experimentell und weniger zugänglich geprägt, sowie mit "Remember (Suite No.1)", das ein wenig orchestraler inszeniert ist, aber auch recht strukturlos dahinfliesst, Morgan Sorne singt dazu mit hoher Stimme, ohne jedoch im Vergleich zum Arrangement ergänzende wichtige Akzente zu setzen. Wäre die ganze Platte als echte Suite angelegt, so wäre dieser letzte Song durchaus als letzter Akt in dieser Art brauchbar, als Einzelsong kann er mich so nicht überzeugen.

Als Fazit komme ich nicht umhin, festzustellen, dass mit The Los Angeles Suite etwas Besonderes geschaffen wurde, dass in seiner Gesamtheit etwas Einzigartiges darstellt. Eigentlich benötigt man Zeit, das Gehörte zu verarbeiten und sollte sich noch einige weitere Durchgänge gönnen. Nun, mir sind letztlich die beiden von mir hervorgehobenen Einzelsongs geblieben, die für mich aus der Fülle herausragen. Schliesslich kann man das Ganze auch als eine Anhäufung sogenannter Soundscapes verstehen, Soundscapes, die durch bestimmte angereicherte Elemente auch einmal diesen Rahmen sprengen und durch Einsatz von Elementen der Popularmusik den Weg aus der Tiefe an die Oberfläche wagen. Kurzum, es ist beeindruckend!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Jealous Days (feat. Jens Kuross)
2 California Lover (feat. Shana Halligan)
3 Abundance (Suite No. 4) (feat. Zaire Black)
4 Hollywood Calling (feat. Addie Hamilton)
5 RoBolero (feat. Robot Koch)
6 No On Believes A Ghost (feat. vöx)
7 Stars And Hypes
8 Moon Landing (feat. Grayson)
9 Remember (Suite No. 1) (feat. Morgan Sorne)

Besetzung

Numerous different musicians

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger