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Reviews

Beyond The Black

Heart Of The Hurricane


Info

Musikrichtung: Symphonic Metal

VÖ: 31.08.2018

(Airforce1 / Universal)

Gesamtspielzeit: 64:56

Internet:

http://www.beyondtheblack.de

Kollege Rainer konnte mit Songs Of Love And Death und Lost In Forever, den beiden Erstlingswerken von Beyond The Black, nur wenig anfangen, und auch beim hier tippenden Rezensenten hinterließen sie eher Ratlosigkeit als Begeisterung, wie auf www.crossover-netzwerk.de nachzulesen ist – vor allem gaben sie keinen Aufschluß darüber, was die Band Beyond The Black denn nun wirklich kann, da bis auf Jennifer Habens Leadvocals beide Platten nahezu komplett von Studiomusikern eingespielt und die Songs von zwei Produzenten(teams) komponiert wurden. Mit dem Drittling Heart Of The Hurricane soll nun offenbar alles anders werden. Zunächst verließen bis auf Jennifer alle der live als Beyond The Black aufgetretenen Musiker die Formation, woraufhin die Sängerin ein neues Sextett zusammenstellte, von dem Keyboarder Jonas Roßner allerdings schon wieder von Bord gegangen ist und offenbar nicht ersetzt wurde. Die Neuen lieferten der Sängerin nach deren Aussage in mehreren Interviews u.a. bei Stormbringer.at und im Rock Hard gleich 30 Songideen innerhalb von nur ein paar Wochen – offenbar bestand zumindest der Wille, diesmal etwas Eigenständigeres zu erschaffen. Nur war der Atem dann doch kürzer als gedacht: Von den 15 Songs, die die vorliegende Edition von Heart Of The Hurricane aufweist, wurden gerade mal fünf von einem der neuen Instrumentalisten zumindest mitgeschrieben, sagen zumindest die Credits im Booklet, während das Gros wieder mal entweder von den Bandvätern Hardy Krech/Mark Nissen/Hannes Braun oder von Sascha Paeth erledigt wurde und, wenn schon mal kreative Beiträge der Instrumentalisten eingeflossen sind, das stärker bei den Paeth-Produktionen als bei denen des genannten Trios der Fall war. Nun haben sich Beyond The Black allerdings schon mit den ersten beiden Alben gewissermaßen als der Durchschnitt bzw. die Quersumme (letztgenanntes Attribut klingt positiver, als es gemeint ist) des Symphonic Metals positioniert, und so war nicht zu erwarten, dass das dritte Album, selbst in der neuen Konstellation, da entscheidend ausbrechen würde. Das passiert denn auch nicht, und Heart Of The Hurricane wird auch seinen Stückwerkcharakter, den schon die ersten beiden Alben aufwiesen, nicht los, wie schon im Opener „Hysteria“ (kein Def-Leppard-Cover) deutlich wird, wo dem solide vor sich hin rockenden Grundgerüst ein wenig passendes hochenergetisches Gitarrensolo eingepflanzt wurde, das seinen Fremdkörpereindruck auch nach etlichen Durchläufen nicht abzulegen imstande ist. Sicher, es finden sich durchaus interessante Ideen auf der Scheibe, und das von Bassist Stefan Herkenhoff im Alleingang geschriebene „Song For The Godless“ sticht sogar etwas aus der Masse hervor, wobei das in diesem Falle aber eher an den mittelalterlichen Anklängen liegen mag, die man ideenseitig eher von Gitarrist Tobias Lodes erwartet hätte, der von Winterstorm kommt, wo die Nummer durchaus gut ins Portfolio gepaßt hätte. Dieser schleppenden Hymne allerdings gleich noch das noch schleppendere „Escape From The Earth“ nachzustellen spricht gegen ein Gefühl für albuminterne Dynamik, selbst wenn diese im Zeitalter des Einzelsongdownloads vielleicht nicht mehr die Bedeutung von einstmals haben mag. Da lobt man sich den darauf folgenden relativ fetten Orchestermetal von „Beneath A Blackened Sky“, eine kompositorische Coproduktion von Herkenhoff mit Paeth, die trotz der recht zurückhaltenden Strophen wieder etwas Zug ins Geschehen bringt, hier schon quasi das Highlight des Albums markiert und wohl nicht zufällig in der Mitte der strukturell zu vermutenden, jedoch bisher nirgendwo als solche nachweisbaren 13-Song-Normaledition plaziert wurde. Bäume reißen Beyond The Black freilich auch mit dieser Nummer nicht aus – bei Nightwish wäre das allenfalls eine Single-B-Seite geworden, und wo Tuomas Holopainen regelmäßig kreative Tornados evoziert (auch wenn der eine oder andere doch schon verfrüht in sich zusammenfällt, wie man auf Endless Forms Most Beautiful feststellen mußte), reicht es auch auf Heart Of The Hurricane nur zu einem relativ lauen Lüftchen, wenngleich der eine oder andere Refrain in puncto Eingängigkeit zweifellos hohe Punktzahlen einfährt, etwa gleich der im erwähnten Opener „Hysteria“ oder auch der in „Fairytale Of Doom“. Was sich Krech/Nissen/Braun dann aber in „My God Is Dead“ erlauben, ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten, so stark ist die „Inspiration“ des markanten Klavierthemas durch Evanescences „My Immortal“ ausgefallen, immerhin einem der größten Hits des Genres, in dem sich auch Beyond The Black bewegen. Das ist ungefähr so, als würde eine Melodic-Rock-Truppe die Keyboardfanfare von Europes finalem Countdown „adaptieren“, und auch wenn sich „My God Is Dead“ zumindest partiell noch in andere Richtungen bewegt, klappt einem die Kinnlade hier durchaus nicht vor Staunen über einen gelungenen Song (er ist freilich nicht schlecht und der rabiate männliche Gesangseinwurf durchaus gelungen) herunter. Paeths Ballade „Breeze“ läßt im Refrain auch akustische Vorbilder im Hirn des Hörers vorüberziehen, aber zumindest nicht so, dass man mit einem Griff in seine Tonträgersammlung das „Original“ hervorziehen kann, und das halbakustische Intromotiv von „Scream For Me“ ist auch alles andere als neu. Vor eigenständiger Kreativität sprüht also auch Heart Of The Hurricane wie schon seine beiden Vorgänger nicht.
Was aus dem Booklet diesmal nicht eindeutig hervorgeht, ist, wer auf der Platte denn nun spielt. Da zwar die Gastmusiker genannt sind, bei der Auflistung der Songs indes nur die Komponisten, nicht aber die Einspieler aufgezählt werden (das war auf den beiden Vorgängeralben noch anders), könnte es also sein, dass die neue Besetzung tatsächlich selber am Werk war, wobei dann nur unklar bleibt, ob Keyboarder Roßner noch beteiligt war oder alle Tastenarbeit von den Gästen Corvin Bahn, Michael Rodenberg und Stefan Schrupp erledigt wurde. Über seinen eigenen Schatten aber ist sowieso keiner gesprungen, denn zumindest Teile des Materials werden mit den gleichen Orchestertürmen zugestellt, die man u.a. von der weitgehend mißglückten Exit-Eden-Scheibe Rhapsodies In Black (auch eine Paeth-Produktion – siehe Review auf diesen Seiten) kennt, wobei zumindest hier und da auch eine etwas luftigere Herangehensweise zum Tragen kommt und beispielsweise das Klavier in „Freedom“ eine durchaus nicht zu verachtende Symbiose mit den hier weit runtergestimmten Gitarren einzugehen in der Lage ist. Dass es rein technisch an der Qualität der reichlichen Stunde Musik nichts zu deuteln gibt, davon war natürlich auch diesmal auszugehen, und Haben selbst macht mit ihrer Stimme auch eine durchaus ordentliche Figur, rückt diesmal noch einen Deut dichter an eine hypothetische weniger nasale Version von Anette Olzon heran und paßt sich dem Niveau des Albums ziemlich geschickt an: Heart Of The Hurricane ist wie schon die beiden Vorgänger purer Durchschnitt – ohne Unfallgefahr durchhörbar, aber über große Strecken weit davon entfernt, irgendeine Art von Begeisterung erzeugen zu können. An diesem Urteil ändern auch die beiden Bonustracks nichts, die auf der vorliegenden Edition nach der den regulären Teil abschließenden Ballade „Breeze“ stehen, wobei das Intro von „Echo From The Past“ den Hörer programmgemäß wieder mal zum Grübeln bringt, wo er das Motiv schon mal gehört hat – ob man den geradezu offensiv naturalistischen Effekt im Refrain mag oder übertrieben findet, bleibt wie üblich eine individuelle Entscheidung. „Parade“ wirkt abschließend wie in Melodic Rock (hier kein Metal!) übersetzter Pop und macht damit das Grundkonzept Beyond The Blacks ein weiteres Mal deutlich. Aber mal unabhängig davon, ob man dieses gut findet oder nicht: RB Leipzig kommt auch aus der Retorte, bringt aber regelmäßig Spitzenleistungen auf den Rasen, während Beyond The Black dazu bisher (noch?) nicht in der Lage waren, auch auf dem dritten Album nicht. Das vierte, Hørizøns betitelte ist unlängst auch bereits erschienen, aber noch nicht beim Rezensenten gelandet, so dass er zu eventuellen Weiterentwicklungen noch nichts sagen kann. Wer Heart Of The Hurricane unbedingt haben möchte (was nur dann zu empfehlen ist, wenn man entweder alle Genrehighlights schon im Schrank hat oder aber sonst gar keine Platten des Genres – im letzteren Fall sind Beyond The Black natürlich das Beste, was man besitzt), kann auch Ausschau nach der nochmals voluminöseren Black Edition halten, die unsympathischerweise Monate nach dem regulären Release veröffentlicht wurde, um der Anhängerschaft, die das Album gleich nach Erscheinen gekauft hat, das Geld ein weiteres Mal aus der Tasche zu ziehen – und überhaupt wirkt die Titulierung der 15-Track-Version als 13-Track-Version plus zwei Bonustracks unehrlich, wenn es gar keine 13-Track-Version ohne „Echo From The Past“ und „Parade“ geben sollte.



Roland Ludwig

Trackliste

1Hysteria4:37
2Heart Of The Hurricane3:39
3Through The Mirror3:34
4Million Lightyears4:42
5Song For The Godless5:09
6Escape From The Earth3:08
7Beneath A Blackened Sky5:07
8Fairytale Of Doom4:43
9My God Is Dead5:01
10Dear Death4:09
11Scream For Me4:04
12Freedom3:44
13Breeze3:51
14Echo From The Past5:31
15Parade3:41

Besetzung

Jennifer Haben (Voc)
Christian Hermsdörfer (Git)
Tobias Lodes (Git)
Stefan Herkenhoff (B)
Kai Tschierschky (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger