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Reviews

Schmelzer, J. H. – Biber, H. I. F. v. – Bach, J. M. u. a. (Guillon – Café Zimmermann)

Lamento


Info

Musikrichtung: Barock Ensemble

VÖ: 04.09.2020

(Alpha Classics / Note1 / CD / DDD 2019/ Best. Nr. ALPHA626)

Gesamtspielzeit: 69:06

LAMENTO-VARIATIONEN

Die Musikgeschichte ist voller bewegender Klagegesänge, die sich leicht unter dem Titel dieser CD bündeln ließen. Doch die Hoch-Zeit der Lamento-Kompositionen ist gewiss das melancholische, kriegs- und krisengeschüttelte 17. Jahrhundert. Diese Epoche hat zahllose Werke dieser Art hervorgebracht, zunächst als Solo-Gesänge in der Oper (Monteverdis „Lamento di Arianna“ mit seinen schmerzhaften chromatischen Fortschreitungen ist sozusagen das Urbild), später auch als reine Instrumentalkomposition. Insbesondere die geistliche Musik dieser Zeit ist voller Lamenti über die Gottesferne, Sterblichkeit und Sündenverfallenheit des Menschen.

Aus verschiedenen Beispielen für dieses Genre haben der Altist Damien Guillon und das Ensemble Café Zimmermann ein Programm zusammengestellt, das Stücke so unterschiedlicher Komponisten wie Johann Heinrich Schmelzer, Heinrich Ignaz Franz von Biber, Johann Michael bzw. Johann Christoph Bach, von Johann Jakob Froberger und Christoph Bernhard enthält. Dabei mischen sich auch weltliche und geistliche Musik, instrumentale und vokale Kompositionen in solistischer und Ensemblebesetzung.

Die Stücke der österreichischen Meister Biber und Schmelzer enthalten instrumentale Lamenti in teilweise humoristischen Kontexten; so hat Schmelzer mit seiner „Serenata a cinque“ ein Genrebild über den Fasching komponiert – und das Lamento beklagt eben das Ende der ausgelassenen Narrenzeit. Musikalisch ist diese Serenata schlicht und einfach ganz herrliche Musik, gewürzt durch derbe volksmusikalische Momente. Das wird von der kleinen Café-Zimmermannschen-Instrumentalbesetzung wohlakzentuiert und virtuos dargeboten, wobei insbesondere der delikate, an ein Gambenconsort erinnernde „Obertonlüster“ bei den Streichern gefällt (Violinen, Viola, Cello, Kontrabass). Auch die Suite Nr. 3 aus Bibers „Mensa Sonora“ wird mit ebensolchem kontrastreichem, verbindlichen Klangsinn dargeboten: Diese „Tafelmusik“ macht Appetit auf mehr aus dieser berühmten Sammlung!

Da sind die herberen, wenngleich affektvoll barocken Lamento-Kantaten aus der Ahnengalerie J. S. Bachs oder von Christoph Bernhard ungleich „protestantischer“: Geistliche Musik, die zudem durch die Altus-Stimme von Damien Guillons eine ganz eigene Farbe bekommt; Guillon führt seine Stimme schlank, intoniert klar und farbschön, ist dabei trotz der lyrischen Grundhaltung dem eher strengeren britischen Countertenor-Stimmideal verpflichtet – das passende Organ für derartige musikalische Predigten, bei denen das verkündigende Wort und die religiöse Ergriffenheit der Zuhörenden im Zentrum stehen. Dies prägt auch die Biber zugeschriebene lateinische Motette „O Dulcis Jesu“, deren Anrufungen des geliebten „süßen Jesus“ aus der Tradition mystischer Erotik kommen und die bei Guillon doch stets schwärmerische Andachtsmusik einer „keuschen Seele“ bleibt.

Die Organistin Céline Frisch tritt solistisch mit einer ausdrucksvollen, lamento-durchwirkten Toccata von Froberger hervor, ein anschließendes Ricercar des gleichen Komponisten erklingt in einer Bearbeitung für Streicher.

Beschlossen wird das Programm, das jenseits seiner programmatischen Assoziationen vor allem durch die Qualität der ausgewählten Musik und ihre gelungene Darbietung überzeugt, durch ein Stück für Solo-Violine von Biber: dem Finale seines Rosenkranz-Sonaten-Zyklus. Ein ruhiger, vom Konzertmeister Pablo Valetti nach innen musizierter meditativer Ausklang, in dem alle chromatischen Lamento-Spannungen gelöst sind.



Georg Henkel

Trackliste

J. H. Schmelzer: Serenata a 5; Lamento sopra la Morte Ferdinandi III
H. I. F. Biber: O Dulcis Jesu; Mensa Sonora (Pars III); Passacaglia aus Rosenkranzsonaten
J. M. Bach: Ach, wie sehnlich wart ich der Zeit
J. C. Bach: Ach, dass ich Wassers gnug hätte
J. J. Froberger: Toccata II (Libro 2); Ricercar I (Libro 4)
Chr. Bernhard: Was betrübst du dich

Besetzung

Damien Guillon, Altus

Café Zimmermann
Pablo Valetti, Konzertmeister

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger