····· Thin Lizzy Abschiedskonzert wird wieder veröffentlicht ····· Aus 1 wurden 3 – Lucifer’s Friend Gitarrist Peter Hesslein macht den Night Drive zur Trilogie ····· Der Wiener Prog-Gitarrist Florian Hamela debütiert vorerst digital ····· Fortress under Siege haben die Tore des Labels Rock of Angels Records erfolgreich belagert ····· Uriah Heep canceln Tour-Dates in Skandinavien ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Die fantastischen Vier

4 gewinnt


Info

Musikrichtung: HipHop

VÖ: 28.08.1992

(Columbia / Sony)

Gesamtspielzeit: 61:23

Fröhlicher HipHop erklingt auf einer CD, deren Artwork mit Elementen eines Strategiespiels gestaltet ist, das wir gerne auf Jugendfreizeiten gespielt haben. Dazu ein auf den ersten Hör garantiert alkoholfreier Kindertext: „Gib mir Deinen Saft; ich geb Dir meinen“. Aber nix ist mit Kinderzimmer. „Es geht hier um den Austausch von Körperflüssigkeiten.“ heißt es ein paar Zeilen weiter – und somit ganz prosaisch um Sex. Und das zugleich auf eine äußerst explizite, wie extrem humorvolle Weise. Mit diesem Song haben Die fantastischen Vier meine sorgfältig aufgebaute und gepflegte Verteidigungsmauer gegen die Ton-Seuche namens HipHop endgültig und nachhaltig zum Einsturz gebracht.

Das macht mich noch nicht zum HipHop Fan. Der Großteil des Genres geht mir weiter am Arsch vorbei. Aber Die fantastischen Vier sind anderes. Da gibt es keine Dauerbeats, über die im immer selben Stakkato gerappt wird. Da wird nicht auf reine Synthiesounds gesetzt. Und da wird nicht asozial durch die Welt geprollt.

Die Stuttgarter haben ein gutes Melodiegefühl, sind auch musikalisch abwechslungsreich und scheuen auch echte Instrumente nicht. Legt man die CD ein, fragt man sich erst mal einige Sekunden lang, ob man nicht eventuell irgendeinen Hendryx-Epigonen im Schacht versenkt hat. Nach den ersten sechs Songs hat man äußerst gewinnenden Hip-Pop hinter sich, u.a. die zweite Single „Die da!?!“, die noch Wesentlich erfolgreicher als „Saft“ war. Der Text hat schon fast Kabarett-Niveau. „Hört Euch den hier an“ ist ein Plädoyer für Toleranz.

Inhaltlich vielleicht die stärkste Nummer des Albums ist „Individuell aber schnell“. Sie befasst sich mit der sexuellen Reizüberflutung und der Tatsache, dass bereits Kindern expliziteste Porno-Darstellungen ohne große Probleme zur Verfügung stehen, verbunden mit der Frage, was das für die persönliche Entwicklung bedeutet.

Es gibt auch Songs, die sind einfach nur skurril („Es wird Regen geben“) oder letztlich Fun-Schwachsinn („Dicker Pulli“). Aber auch da wird der fröhliche Humor der Vier deutlich und die Stücke bleiben dennoch sympathisch. Und wenn bei „Hip Hop Musik“ auch noch soulige Sounds ins Spiel gebracht werden, ist auch der böswilligste Kritiker versöhnt.

In meinen Ohren eines der besten HipHop Alben, die es je gegeben hat, wobei ich meine relativ geringe Kenntnis des Genres gerne zugestehe.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Vier gewinnt 3:52
2Die da !?! 4:11
3Hört Euch den hier an 1:32
4Saft 4:36
5Dicker Pulli 1:40
6Na gut 3:03
7Einen noch 0:32
8Es wird Regen geben 3:35
9Nenn ihn Präsident 2:12
10Plattenspieler 1:18
11Hip Hop Musik 4:38
12Laß die Sonne rein 4:09
13Thomas und die Fraun 3:14
14Nonixnarretz 0:40
15Jaaa 3:35
16Reich 1:30
17Individuell aber schnell 3:52
18Arschloch13:11

Besetzung

DJ Hausmarke (Michael Beck)
Thomas D (Thomas Dürr)
And.Ypsilon (Andreas Rieke)
Smudo (Michael Bernd Schmidt)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger