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Reviews

Uriah Heep

Sea of Light


Info

Musikrichtung: Progressiver Hard Rock

VÖ: 01.04.1995

(Steamhammer / SPV)

Gesamtspielzeit: 61:16

Internet:

http://www.uriah-heep.com

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Die 30(!) Jahre zwischen 1978 und 2008 waren für Uriah Heep schwierige Jahre, in denen die britische Rock-Legende zumindest was neues Material anbelangte, kaum einen (erfolgreichen) Fuß auf den Boden bekam. Nach dem halbgaren Fallen Angel (1978) kam der Ausfall Conquest (1980) und die Band zerbrach fast vollständig. Immerhin – im Gegensatz zu fast allen anderen Bands, die bereits bei der Geburt des Hard Rocks mit am Start waren (Sabbath, Purple, Zeppelin) – haben sich Uriah Heep nie aufgelöst. Eine neue (kurzlebige) Besetzung lieferte 1982 und 83 zwei recht metallische Alben ab, die zumindest in Deutschland fast in die Top 50 kamen. Danach war für 25 Jahre praktisch Schicht im Schacht.

Erstaunlicherweise konstituierte sich genau zu Beginn dieser Phase die langlebigste Besetzung, die Uriah Heep je haben sollte. 22 Jahre lang von 1986 bis 2008 gab es nicht einen einzigen Besetzungswechsel, allerdings veröffentlichte diese Besetzung nur vier neue Studio-Alben. Die gestandenen Recken - Gründungsmitglied Mick Box, die Rückkehrer Lee Kerslake (seit Album Nummer 4 von 1972 bis 1978 Schlagzeuger) und Trevor Bolder (am Bass von 1977 bis 1980) -, sowie die 86er Neuzugänge Phil Lanzon und Bernie Shaw führten die Band im Wesentlichen als Nachlassverwalter weiter, die das Material der ersten Hälfte der 70er Jahre aufführten.

Zwei der vier Studioalben dieser Jahre werden allerdings weitgehend unterschätzt und bieten deutlich mehr, als sie tatsächlich erreicht haben. (Die Schweiz hat das begriffen. Dort sind eben diese beiden Alben unter die Top 30 gekommen.) Da wäre zum einen Raging Silence (1989), das Studio-Debüt dieser Formation, und vor allem das vor genau 25 Jahren erschienene Sea of Light. Bereits das Artwork war ein Ausrufezeichen. Nach den Erfolgsalben Demons and Wizards (1972) und The Magician’s Birthday (1973) (Top 10 in Deutschland, #5 bzw. #7) und Return to Fantasy (1975; das einzige Top 10 Album, das Heep in ihrer Heimat England je feiern konnten, #7) wurde zum vierten Mal Roger Dean mit dem Artwork betraut. Und bei aller Eigenständigkeit des Bildes sind die Parallelen insbesondere zu Demons and Wizards und The Magician’s Birthday kaum zu übersehen.

Und das Album hätte es verdient an Demons and Wizards anzuknüpfen. Ausfälle gibt es keine. Die Länge, die man eventuell empfinden kann, wäre in den 70ern möglicherweise vermieden worden, weil man sich damals auf gut 40 Minuten hätte beschränken müssen. Was fehlt ist ein packender Rock’n’Roller a la „Easy Livin“.

Mit Balladen kann Sea of Light dafür deutlich punkten. Da gibt es die Single-Auskopplung „Dream on“, die mit viel Akustik-Gitarren arbeitet, das softe „Spirit of Freedom“, das das Positive in der Welt feiert, und vor allem „Mistress of all Time“, eine Ballade mit Gänsehautbeginn, die die „Mistress“ mit den Gitarren und Oboen oder Klarinetten – wohl aus Lanzons Zauberkiste - zum weiblichen Pendant des 72er Wizards macht.

Heep sind und bleiben aber primär eine Rock-Band, die auf Dramatik und Progressivität setzt. Groovig, rau und etwas düster kommt die Bolder-Komposition „Fear of Falling“, die wie fast alle Tracks von der Power-Gitarre Mick Box‘ vorangetrieben wird. Mächtiger, melodisch ausgebauter Hard Rock begrüßt den Hörer gleich zu Beginn, wenn „Against the Odds“ Worte gegen destruktive Gewalt findet.
Immer wieder zeigen Heep, wie seit ihrer ersten LP, inhaltlich Flagge. Mit dramatischer Epik wendet sich „Universal Wheels“ gegen Krieg und Umweltverschmutzung. Da fällt dann die doch sehr flache Religionskritik (auch das kein Einzelfall bei Heep) bei dem geil groovenden „Sweet Sugar“ nicht so ins Gewicht.

Der progressive Charakter ist bei Sea of Light wieder so deutlich, wie seit Firefly (1977) nicht mehr. Da wäre „Love in Silence“, das virtuos zwischen weichen Mitfühlpassagen, kraftvollen Akustik-Gitarren und orgiastischer Orgelpower wechselt. „Fires of Hell“ scheint mit Dudelsäcken (Lanzon?) zu arbeiten und die Keyboards im eher weichen „Logical Progression“ erinnern an die von Yes auf Going for the One eingesetzte Kirchenorgel.

Fazit: Eigentlich hätten Heep den Erfolg, der ihnen 2008 mit (und seit!) dem quasi Neustart Wake the Sleeper gelungen ist, bereits für Sea of Light verdient.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Against the Odds 6:13
2Sweet Sugar 4:43
3Time of Revelation 4:02
4Mistress of all Time 5:34
5Universal Wheels 5:39
6Fear of Falling 4:39
7Spirit of Freedom 4:15
8Logical Progression 6:13
9Love in Silence 6:48
10Words in the Distance 4:46
11Fires of Hell (your only Son) 3:57
12Dream on 4:27

Besetzung

Mick Box (Git, Voc)
Lee Kerslake (Dr, Voc)
Trevor Bolder (B, Voc)
Phil Lanzon (Keys, Voc)
Bernie Shaw (Lead Voc)

Gäste:
Piet Sielck (Ad. Keys)
Rolf Kohler (Ad. Back Voc)
Pete Beckett (Ad. Back Voc)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger