····· Neues Live-Album beleuchtet eine bislang unberücksichtigte Phase in der Karriere von Rory Gallagher ····· Metal Mit ohne Strom - ein verspäteter Aprilscherz? ····· Der frühere Sänger der Smiths, Morrissey, legt ein neues Album vor… ····· Doro überreicht den Wacken-Machern den Lifetime Achievement Award ····· Staatsoper Unter den Linden hält an Auftritten von Plácido Domingo fest ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Hermann Lammers Meyer

What Comes Next


Info

Musikrichtung: Country

VÖ: 10.01.2020

(Desert Kid Records)

Gesamtspielzeit: 44:24

Internet:

http://www.hermannlammersmeyer.de/index.html

Country-Musik wird immer langweiliger, der Begriff Country wird zunehmend für Musik benutzt, die eigentlich keine Country-Musik mehr ist. Nach jahrelanger Beherrschung der Nashville-Szene und dem daraus resultierenden Mainstream, Musik, die von vielen Interpreten immer mehr gleich klang, weil die gleichen Studiomusiker beteiligt waren. Und neuerdings, New Country, oder wie auch immer, schlägt mittlerweile dem Fass den Boden aus. Einerseits gibt es in jedem Genre Veränderungen und Erweiterungen, aber wenn nun neuerdings auch gerapt wird und Synthies Einzug halten, und das auf der Basis simpler Rockmusik, dann ist man doch geneigt, sich von der Country-Szene entsetzt abzuwenden.

Aber – um es einmal mit einem (abgewandelten) Zitat aus Asterix zu untermauern: “Ein von unbeugsamen Emsländern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ Ja, Hermann Lammers Meyer (Jahrgang 1952) aus Aschendorf hält noch immer dagegen, Country, wie er im Bilderbuch steht, das ist noch immer sein Metier, allerdings auch auf seine spezielle Art der Zubereitung. Ein kräftiger historischer Untergrund, ein dicker Schuss Outlaw-Szene, ein bisschen Bakersfield dabei, Honky Tonk-Feeling, dazu immer noch den Geist Gram Parsons‘ beschwörend, so kann Country auch heute noch, und zeitgemäß klingen, ohne Muff angesetzt zu haben.

What Comes Next heißt es nun. Und damit es auch noch den dicken Hauch Authentizität ausmacht, wurde die Musik in San Antonio, Texas, eingespielt. Und erneut ist diese Musik von Beginn an fesselnd mit all‘ ihrer Intimität und Wärme im Ausdruck. Und erneut ist für mich Gram Parsons allgegenwärtig, sein Geist spukt durch die vierzehn Songs. Dabei ist es auch Hermanns sanfte Stimme, wie stets mit diesem dezent brüchig und zerbrechlich wirkenden Ausdruck so sympathisch wirkend, die einen Großteil dieser Stimmung ausmacht. Und so ist es erneut gelungen, eine sehr individuell ausgerichtete Platte zu schaffen, eingespielt von tollen Musikern des Genres, die ihr Handwerk verstehen, egal, ob die Musik in Richtung Bakersfield strebt, Honky Tonk-Atmosphäre durch den Raum schwebt oder ein feiner Walzer zum Schunkeln animiert.

Herrlich ist es, dieser traditionellen Art von Country-Musik zu lauschen, eine Stimmung, die vor allem dann so richtig zu Herzen geht, wenn der Sound der Pedal Steel erklingt. Und auch Fans der Outlaws werden natürlich bedient, Country-Rock der Siebziger schimmert auch stets durch, eine gelungene und wunderschöne Mischung ist das, und von viel Leidenschaft und Herzblut geprägt. Die Pedal Steel Guitar wird im Übrigen auf der Platte von keinem Geringeren als Jay Dee Maness (unter anderem Aufnahmen mit Buck Owens, Gram Parsons, The Byrds), gespielt, mit ihm wollte Hermann schon immer gern zusammenarbeiten, zumal er bereits lange ein Fan von ihm ist. Und so hat er der Legende diese Parts sicher gern überlassen.

Gastbeiträge gibt es von Norma Jean, Jennifer Felan, Johnny Bush und Randy Floyd, die zusammen mit Hermann vier Songs gemeinsam singen, das bringt noch eine weitere Nuance von Authentizität in die Stimmung. Ein wichtiger Eckpfeiler ist auch der Gitarrist Redd Volkaert, einst in Diensten von Merle Haggard. Schnell wird klar, dass die Musik eine sehr familiäre Stimmung ausstrahlt, das Ganze wirkt wie aus einem Guss und ist ein Lichtblick bei den aktuellen Veröffentlichungen im Country-Bereich. Wunderbar nahtlos reihen sich zwei Kompositionen aus dem Pop-Bereich ein, zum Einen “Don’t Pass Me By“ der Beatles, geschrieben von Ringo Starr, und zum Anderen das von Maurice Gibb (BeeGees) komponierte “Hold Her In Your Hand“, beides nun im schicken Country-Gewand. Zudem ist zu bemerken, dass sieben Eigenkompositionen zeigen, wie sehr der Protagonist mit dieser Musik verwachsen ist, sind sie doch absolut authentisch. (#2-4, 7, 11-13)

So gibt es keinen einzigen Hänger in der Titelreihenfolge, alles passt einheitlich zusammen, so dass man ein wenig traurig ist, wenn man mit der feinfühligen Ballade “Don’t We All Have The Right“ von Roger Miller verabschiedet wird, so richtig schöne Country-Melancholie noch einmal, ja, das ist so richtig gemütlich!



Wolfgang Giese

Trackliste

1 What Comes Next
2 Whoo M’am Thanks Again
3 Austin Forever (Hand Me A Beer)
4 Country Music
5 Your Angel Steps Out Of Heaven Each Night
6 Don‘t Pass Me By
7 Will You Please Ask God
8 Pretty Thing
9 Tear Talk
10 Hold Her In Your Hand
11 We Live Country
12 All These Miles
13 Pretty Miss Honky Tonk
14 Don’t We All Have The Right

Besetzung

Hermann Lammers Meyer (guitar, vocals)
Jay Dee Maness (pedal steel guitar)
Ron Knuth (fiddles)
Rolf Sieker (banjo)
Redd Volkaert (electric guitar)
Floyd Domino (piano)
Weyman McBride (acoustic guitar)
Lynn Daniel (bass)
Jim Loesberg (drums)
Bill Green (vocals)
Jennifer Felan (vocals - #7)
Johnny Bush (vocals - #4)
Pretty Miss Norma Jean (vocals - #5)
Randy Floyd (vocals - #11)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger