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Reviews

Rossi, L. (Pluhar, Ch.)

La Lyra d'Orfeo & Arpa Davidica


Info

Musikrichtung: Barock Ensemble

VÖ: 05.11.2019

(Erato Warner Classics / 3 CD / AD 2005-2018 / DDD / Best. Nr. 0190295372309)

Gesamtspielzeit: 159:30

SIGNOR ROSSIS SONG-BOOK

Luigi Rossi ist kein ganz unbekannter Komponist mehr. Schon in den 1980er und 90er Jahren haben sich Les Arts Florissants, das Ensemble Tragicomedia oder die CapellAntiqua seiner angenommen und gezeigt, was für herrliche Musik dieser Meister des italienischen Frühbarock komponiert hat. Immerhin verdanken wir ihm eine der ersten Opern für den französischen Hof: "L'Orfeo" - lange noch vor Lully und in italienischer Sprache! Dazu kommen rund 300 Kantaten und geistliche Werke, vor allem kurze Oratorien im Stil Giacomo Carrissimis.

Trotzdem ist die Rossi-Diskographie nicht gerade umfangreich und man musste lange warten, bis jetzt diese luxuriös gestaltete 3CD-Ausgabe von L'Arpeggiata mit weltlichen Kantaten und Auszügen aus seinen Opern erschienen ist. Dabei ist die erste CD dieser Edition, La Lyra d'Orfeo, schon vor vierzehn Jahren eingespielt worden, konnte wegen langwieriger Rechtsstreitigkeiten aber erst jetzt erscheinen - und das bedurfte, so die Ensembleleiterin Christina Pluhar, einer tieferen Heilung durch und mit Musik. Deshalb hat sie mit einer inzwischen nahezu gänzlich neuen Ensemblebesetzung zwei weitere CDs unter dem Titel Arpa Davidica aufgenommen.

Die beiden legendären Musiker Orpheus und König David sind wahrlich passende Paten für das Projekt. Wobei dieses Rossi-Song-Book durchweg ein Fest der hohen Stimmen ist: Im ersten Teil bestreitet Veronique Gens, damals auf der Höhe ihrer Kunst, mit reich schattierter Mezzostimme den Reigen aus Ariosi und Arien. Auf der zweiten und dritten CD geben sich die führenden Countertenöre ihrer Generation, Jakub Jozef Orlinski, Philippe Jaroussky und Valer Sabadus, sowie die Sängerinnen Celine Scheen und Giuseppina Bridelli ein Stelldichein der schönen Stimmen. Alle zusammen lassen diese Blütenlese aus dem Garten des Signore Rossi und einiger seiner Zeitgenossen in sinnlichen, temperamentvollen und mitunter atemberaubend virtuosen musikalischen Farben leuchten.

Rossi, der auch Lautenist und Sänger war, konnte gleichermaßen raffiniert wie zugänglich, harmonisch komplex wie melodisch gewandt komponieren. Dabei bedarf sein vor allem in Handschriften oft nur skizzenhaft vorliegendes Material einer historisch fundierten Einrichtung. Dies betrifft vor allem die Gestaltung der Bassstimme und die instrumentale Kolorierung.
Nur gelegentlich sind die Instrumente angegeben, dann aber zeigt sich ein erstaunlich differenziertes Bild. Die Aufführung ist, wie meistens bei L'Arpeggiata, ebenso kundig wie stilsicher geschehen, dieses mal auch ohne moderne Zutaten, die bei den raum- und epochequerenden Konzeptalben des Ensembles in den vergangenen Jahren häufiger einmal hinzugefügt wurden. Dafür gibt es ein reiches barockes Instrumentarium, das neben einer Fülle an Streich- und Zupfinstrumenten gelegentlich auch einen Zink und beim ersten Album auch Schlagzeug ins Spiel bringt. Insbesondere die wechselnden Kombinationen aus Harfen, Theorben, Gitrarren und Lauten lassen die Musik in den unterschiedlichsten Stimmungen und Schattierungen funkeln und umspielen die sinnlichen Vokalparts.
Rossis Musik verbindet im Dienste von Textausdeutung und Affekt stufenlos rezitativische, ariose und mehr arienhafte Elemente. Das verleiht seiner Musik ein reich gestaltetes Profil. Man hört im wahrsten Sinne barocke Theatermusik, spontan und leidenschaftlich. Die schematische Da-Capo-Arie des 18. Jahrhunderts gibt es da allenfalls in Ansätzen, allerdings bis auf vernachlässigbare Ausnahmen auch keine Duos oder gar Ensembles (die man auf den anderen Aufnahmen hören kann). Besonders einprägsam sind neben den oft gespannt-dramatischen monologischen Rezitativen die über einen ostinaten Bass komponierten Stücke. Hier gleitet der Vokalpart in oft weitschwingenden Bögen über der eingängig pulsierenden Basspartie dahin.
Nach so viel betörender barocker Klanges- und Sangeskünste verklingt das Programm angemessen melancholisch mit der Passacallia des Luigi Rossi, von spiritus rector Christina Pluhar solistisch auf der Harfe gespielt.

Auch aufnahmetechnisch und ausstattungsmäßig ist dies ein starkes Plädojer für den römischen Meister!



Georg Henkel

Trackliste

CD 1 La Lyra d'Orfeo 53:53
CD 2 Arpa Davidica 50:24
CD 3 Arpa Davidica 55:09

Besetzung

Giuseppina Bridelli
Veronique Gens
Philippe Jaroussky
Jakub Jozef Orlinski
Valer Sabadus
Celine Scheen

L'Arpeggiata

Christina Pluhar, Theorbe, Harfe und Leitung

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger