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Reviews

Atle Nymo

Solo For Trio


Info

Musikrichtung: Avantgarde Jazz

VÖ: 15.11.2019

(Losen Records)

Gesamtspielzeit: 39:24

Internet:

http://www.atlenymo.com/
http://www.losenrecords.no/
https://www.in-akustik.de/de/

Der Jazzmusiker Atle Nymo (Jahrgang 1977) ist Norweger und spielt Saxofon und Klarinette. Stationen seines musikalischen Weges waren unter anderem die Bodø Big Band, das Håvard Stubøs Quintett North und Ole Morten Vågans Band Motif. Ebenfalls mit seinem Bruder Frode arbeitete er zusammen, und im Trondheim Jazzorkester.

Solo For Trio ist das erste Album von Atle Nymo unter seinem eigenen Namen. Erklingt der erste Song, “Balance“, dann muss man unweigerlich an diesen typisch nordischen Sound à la Jan Garbarek denken, und grundsätzlich auch an Produktionen des Labels ECM. Mit Mats Eilertsen und Michaela Antalová stehen ihm Bassist und Schlagzeugerin zur Seite, einen ganz individuellen Sound zu schaffen. Dabei halten sich die Beiden sehr zurück als Rhythmiker, sondern wirken zumeist wesentlicher als Klanggestalter. Nur präsenter wird es in dieser Hinsicht erst mit dem dritten Track, “Round Shape“ ist nicht mehr so ruhig fließend wie die ersten beiden Titel, sondern freier in der Gestaltung, für Einige wohl schon Free Jazz. Nymo spielt hier auch einen kratzigen und rauen Ton, so wie es Kollege Garbarek auch einst im Trio mit Arild Andersen und Edward Vesala auf der Platte “Triptykon“ vorstellte. Der Vergleich ist durchaus heranzuziehen hinsichtlich der Ausgestaltung.

Fast 20 Sekunden Stille scheinen “For Atle And Mats“ einzuleiten, doch man muss den Volumenregler nur etwas höher drehen, um die fein ziselierten Momente von Bass und Schlagzeug wahrzunehmen. Sehr geheimnisvoll, mystisch, absolut „nordisch“, Kälte, Weite der Landschaft, so wirkt dieser Song wie ein Soundtrack zu einer einsamen Landschaft, faszinierend, wie hier musiziert wird. Alle drei Musiker/innen schaffen ein einzigartiges Klangbild voller Zärtlichkeit, Zartheit und Wucht zugleich.

Auch skurril anmutende Songs gibt es, so zum Beispiel ist es “Klikk“, dass einer alten Dampflok gleich über imaginäre Schienen zu rollen scheint, mit einem plötzlichen Temposchub, das Gefährt scheint außer Kontrolle zu geraten, und neben den Schienen weiter zu fahren. Wieder etwas für „Free Jazz-Hasser“, ohne dass es tatsächlich Free Jazz wäre, man nutzt ganz einfach die freie Art von Strukturgestaltung inklusive Improvisation. Aber – zum Schluss ist man wieder auf der Spur und der Zug hält.

“Solo For Trio“, das Titelstück, das im Übrigen zusammen mit dem ersten Song die einzige Live-Aufnahme des Albums vorstellt, aufgenommen am 4.11.2016 in der “The Norwegian Academy Of Music“, ist auch einer der freier gestalteten Songs des Albums. Zur Beschreibung der Musik fällt mir noch der Begriff „Improvisation als Struktur“ ein, eben, ohne dass bekannte Muster der Jazzgeschichte berührt werden, sondern die Musik aus dem Augenblick zu entstehen und zu erwachsen scheint. Im Ausdruck ist es eigentlich typisch europäisch, oder besser – typisch skandinavisch. Weite, Melancholie, verträumtes Innehalten, Sprungbrett für abschweifende Gedanken, ein „Sich-Fallen-Lassen“ in eine Traumwelt geheimnisvollen Ausmaßes, einfach schön, für Alle, die es genauso einzuschätzen wissen.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Balance (5:50)
2 Chapter 1 (2:30)
3 Round Shape (5:44)
4 For Atle And Mats (5:30)
5 Chapter 2 (1:52)
6 Klikk (3:59)
7 Solo For Trio (6:29)
8 Chapter 3 (1:07)
9 Nightwalk (6:19)

Besetzung

Atle Nymo (tenor sax, bass clarinet)
Mats Eilertsen (bass)
Michaela Antalová (drums)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger