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Reviews

Myrath

Shehili


Info

Musikrichtung: Oriental Metal

VÖ: 03.05.2019

(e.a.r. music)

Gesamtspielzeit: 47:31

Internet:

https://www.myrath.com/
https://networking-media.de/
https://www.ear-music.net/

“Orient Metal“? Oder, wie der Sticker auf der CD verlauten lässt: “Blazing Desert Metal“? Dann liest man noch einen Auszug aus dem “Legacy Magazine“, der wie folgt lautet: “…bringing a breath of fresh air into the world“.

Nun, Vorschusslorbeeren, auf die ich grundsätzlich nichts gebe. Also – rein mit dem Silberling und die Ohren gespitzt! Myrath, das ist keine neue Band, denn die aus Tunesien stammende Gruppe veröffentlicht mit Shehili bereits ihren fünften Longplayer. Hinsichtlich der Herkunft der Musiker ist mit arabischen Elementen zu rechnen. Und so ist es auch, auf der Basis von Metal wird deutlich, dass der arabisch inspirierte Anteil ein recht hoher ist. Gerade dieser Umstand bewirkt wohl, dass sich die Band einen sehr individuellen Status erarbeitet hat. Das ist kein „Allerwelts-Metal“, das ist auch nicht einfach Metal mit einigen Arabesken, hier ist es offensichtlich gelungen, zwei Stilelemente auf besondere Weise zu verschmelzen.

Dabei bleibt es im Kern westlich, denn die Basis ist halt Rock und nicht Folk. Nur ist der nicht-westlich orientierte Anteil recht hoch, so dass die Musik stets davon durchflutet ist, und es ist nicht überraschend, wenn plötzlich die Rocker außen vor bleiben und nur folkloristisch interpretiert wird, wenngleich auch nur für kurze Passagen. Somit bleibt die Musik voller Überraschungen und wirkt sehr lebendig und kulturell vielschichtig.

Und die positive Verschmelzung von Kulturen ist darüber hinaus auch noch ein Anliegen der Band, so wollen die Musiker eigener Aussage zufolge der Jugend ihres Landes eine Alternative zu den Hassparolen islamistischer Fundamentalisten aufzuzeigen, um mit Kultur und Musik Menschen zu verändern. Sänger Zaher Zorgati ist ein kraftvoller Shouter und auch die Instrumentalisten der Band spielen auf hohem Niveau, wenngleich sie sich auch nicht qualitativ von anderen Metal-Bands nach oben abheben. Alles ist druckvoll gespielt, und es ist letztlich der exotische Bonus der arabischen Einflüsse, der diese Musik so besonders gestaltet, so sind neben Englisch auch einige Songs in der Heimatsprache gesungen.

Darüber hinaus sind die Hooklines gelungen, die Musik ist sehr eingängig und von starken Harmonien durchzogen. Der Sound ist sehr dicht geraten, kein Drummer, der nach vorn hinaus alles zu- und zer-trommelt, keine Keyboards, die permanent zukleistern, und die Gitarre von Malek Ben Arbia gestaltet sehr gruppendienlich und nicht ausschließlich solo-orientiert. Und wenn dann die Streicher des tunesischen Staatsorchesters hinzukommen, dann kann die Musik auch schon einmal einen Gänsehautcharakter entwickeln. Oft sind es kleine Nuancen, die auch aufmerksam machen, wie die schöne Piano-Einleitung auf “Stardust“ zum Beispiel.

Oder “Mersal“, ein packenden Duett des Sängers mit dem Tenor Lotfi Bouchnak, das offenbart auch einen der vielen besonderen Momente der Platte, die sich noch einmal eindrucksvoll verabschieden mit dem Titelsong zum Schluss.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Asl (Intro)
2 Born To Survive
3 You’ve Lost Yourself
4 Dance
5 Wicked Dice
6 Monster In My Closet
7 Lili Twil
8 No Holding Back
9 Stardust
10 Mersal
11 Darkness Arise
12 Shehili

Besetzung

Zaher Zorgati (lead vocals)
Malek Ben Arbia (guitars)
Anis Jouini (bass)
Elyes Bouchoucha (keyboards, vocals)
Morgan Berthet (drums)
Kevin Codert (piano, additional guitars)
Lotfi Bouchnak (lead singer -#10)
Tunisian Symphony Orchestra
Mehdi Ayachi (vocals - #1)
Pierre Danel (acoustic guitar)
Mohamed Gharbi (violin)
Bechir Gharbi (violin)
Hamza Obba (violin)
Riadh Ben Amor (violin)
Mohammed Lassoued (alto)
Samir Sghaier (alto)
Skander Ben Abid (clarinet)
Koutaiba Rahali (nay & gasba)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger