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Reviews

Five Iron Frenzy

Cheeses...


Info

Musikrichtung: Ska-Core

VÖ: 22.04.2003

(5 Minute Walk Records / Forefront / Gerth Medien)

Gesamtspielzeit: 38:48

"Jesus of Nazareth" und "Cheeses of Nazareth" sind nicht nur phonetisch kaum zu unterscheiden (jedenfalls, wenn man beides englisch ausspricht), sie haben auch fast die selbe Aufgabe. Glaubt ihr nicht? Man muss nur berücksichtigen, dass das erste Nazareth, PA in Palästina und das zweite Nazareth, PA in Pennsylvania liegt. Jesus ist in Nazareth (Palästina) auf die Welt gekommen, um die Seelen der Menschen vor der ewigen Verdammnis zu retten. Cheeses aus Nazareth (Pennsylvania) ist auf die Welt gekommen, um liegen gebliebene Stücke der Five iron Frenzy vor dem Schicksal des ewigen Vergessens zu bewahren.

So enthält Cheeses vor allem Demos, Single-B-Seiten und Live-Takes. Das ist bei Jesus anders. Er ist sozusagen DIE ultimative A-Seite der Weltgeschichte. Das dürften die Five iron Frenzy allerdings ähnlich sehen. Auch wenn auf dieser "Resteverwertung" die Mission - anders als auf den regulären Alben - etwas kurz kommt. Dafür beweisen die Amis, dass Christ-Sein und den Kopf voller Blödsinn haben kein unauflöslicher Widerspruch sein muss.

Zu Beginn geht das Ganze noch recht zivilisiert zu. Wir werden mit einem Reigen fröhlicher Pop-Punk-Ska-Stücke begrüßt, die zum Teil sogar recht ernsthafte Texte haben, z.B. die Reflektion über das Leben eines Punks in "Marty". "Fistful of Sand" greift dann sogar in die Klezmer-Kiste; die Dropkick Murphys auf Jiddisch sozusagen. "Mind for Reason", ein ganz früher FIF-Song, und "Burn" sind Ska Core Stücke, die auch die Mighty mighty Bosstones kaum besser hinbekommen hätten.

Pure Werbung sind die dazwischen plazierten drei Demos, denn sie machen massiv Spaß auf das Album Upbeats and Beatdowns, auf dem sie in überarbeiteter Form erschienen sind. "Never ask us to play this" scheint mit "Problems" von den Sex Pistols im Hinterkopf geschrieben worden zu sein. Die "Ballade" "When I see her Face" ist offensichtlich nicht ganz so ernst gemeint. 44 Sekunden reichen für das große Gefühl einfach nicht - zumal das Ende nach einer Mischung aus altem Pferd und alter Pumpe klingt.

Das schräge Loblied auf Gott ("Praise the Lord") und die witzige Abrechnung mit der veganen Straight-Edge-Szene ("Omnivores for Mediocrity") sind dann schon richtige Ausnahmen in der nun folgenden Sammlung oft nur sekundenlanger Tracks, die wohl am besten mit höheren Promillewerten gehört werden sollten. Das gilt vor allem für Thea und ihr singendes Telegram - einen massiv überdehnten Gag. Zu recht fragen die FIF im folgenden Track "How's about some Milk". "Screams in the Night" überrascht als halbwegs sinniger Track in der zweiten CD-Hälfte, relativiert sich allerdings durch den völlig sinnfreien Text.

Zu erwähnen bliebe noch der Dreiteiler "Abraham Lincoln Beard", der so etwas wie ein Hommage an die Residents darstellen könnte, und daher stillistisch natürlich völlig aus dem Rahmen fällt. Zum Abschluss macht man sich noch ein wenig über Country- ("Cew Water") und Metal-Fans lustig ("Metal rules!").

Jede andere CD hätte von mir Abzüge in der B-Note bekommen, wenn sie am Ende nach einer Leerpause von zweieinhalb Minuten nur noch tierisches Gebrülle erklingen lässt. Aber zu dieser CD passt das wie Arsch auf Deckel. Sicher ist Cheeses primär als Kuriositätenkabinett für FIF-Fans gedacht, die den Backkatalog der Band schon im Schrank haben, aber auch andere Punk/Ska-Fans mit Humor sollten dem Teil was abgewinnen können.



Norbret von Fransecky

Trackliste

1Kamikaze2:57
2Rhubarb Pie3:36
3Marty4:15
4Fistful of Sand4:10
5Four Kids in Memphis0:34
6Mind for Treason2:18
7Cool enough for you3:42
83rd World Think Tank3:35
9Old West2:53
10Burn3:34
11Left3:41
12Never ask us to play this0:35
13Dog Food2:08
14When I see her Face0:50

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger