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Reviews

Phraim

/f.reim/


Info

Musikrichtung: Modern Vocal Jazz

VÖ: 08.02.2019

(QFTF)

Gesamtspielzeit: 57:33

Internet:

http://www.nina-reiter.com/
https://qftf.net/
http://uk-promotion.net/

Phraim existiert seit 2016. Die Band wurde seinerzeit von der Sängerin Nina Reiter ins Leben gerufen, Mitstreiter waren der Pianist Stephan Plecher, der Bassist Marc Mezgolits und der Schlagzeuger Peter Primus Frosch. Phraim = Frame = Rahmen. Nun stellt sich die Frage, ob sich diese Musik innerhalb eines gesteckten Rahmens bewegt oder ob dieser Rahmen gesprengt wird.

Die 1991 in Graz, Österreich, geborene Nina Reiter erhielt mit dreizehn Jahren Gesangsunterricht mit Ausrichtung zum Jazz. Während des späteren Studiums musizierte mit Bands in Österreich und der Schweiz. Sie vervollständigte ihre Ausbildung ständig mit vielen Abschlüssen und lehrt zwischenzeitlich ebenfalls. 2016 kam es zur Veröffentlichung eines Debüt-Albums, “Night, Sleep, Death And The Stars“. Heute lebt Nina in Luzern und ist mit dem österreichischen Schlagzeuger Peter Primus Frosch verheiratet, der ebenfalls bei dieser aktuellen Produktion /f.reim/ mitwirkt.

Die Songs stammen neben einem Klassiker des Great American Songbooks (Gershwin & Gershwin - #1) überwiegend aus dem eigenen Repertoire, und “Nur ein Wort“ stammt von der Band Wir Sind Helden, sowie Gedichte von Sir Thomas Wyatt und James Joyce wurde für das zweite und achte Stück verwendet. Mit Gershwin startet es also, und wer die erste Aufnahme mit Fred Astaire vielleicht kennt, sollte sich rasch von jener üppig orchestrierten Atmosphäre verabschieden. Diese Version ist mit einem Rockrhythmus untermalt, mit elegant swingendem Zusatz. So besitzt der Song eine ganz andere Ausstrahlung, kommt sehr cool und lässig. Gesanglich gibt es außerdem eine Scat-Einlage. Verschiedene Stile sind insofern geschickt miteinander verbunden worden.

Die Ausbildung der Sängerin lässt zunächst eine akademisch ausgerichtete Ausführung ihres Gesanges vermuten. Und so scheint es mir mitunter auch tatsächlich. Beherrschung der Stimme, ohne Frage, laut, leise, schnell, langsam, hoch, tief, die Sprünge gelingen mühelos, doch, ich nehme einmal den kühnen Vergleich zu Ella Fitzgerald. Dessen Modulation, Energie, Emotion und Kraft kann ich bei Nina Reiter nicht spüren. Man muss hier anders ansetzen. Eleganz, Raffinesse und Gewandtheit so mancher amerikanischen Kollegin kann man so nicht erwarten, mitunter bemerke ich Ansätze dieser Art, zum Beispiel beim dritten Song, der Eigenkomposition von Nina, “The Song Of You And Me“. Hier haben sie und die Band eine sehr bewegende Stimmung geschaffen, die tatsächlich einen Hauch alten Jazz‘ hat.

“Nur ein Wort“ ist für mich ein persönlicher Ausfall. Die deutsche Sprache kann grundsätzlich total steif wirken kann im Jazz-Umfeld, hier trifft es tatsächlich nicht zu, weil hier letztlich ein Pop-Song entstanden ist, der auf jeden Fall das Original von Wir Sind Helden in den Schatten stellt, vor allem gesanglich nun endlich hörbar. Insofern mag hier der Bandname bezüglich des Rahmens passen, weil man den Jazzrahmen sprengte. Ansonsten bleibt die Stimmung für mich allerdings weitestgehend in einem fest strukturierten Rahmen. Manchmal scheint ein Ausbruch avisiert, bei “Descent“ ist es der wortlose Gesang, der jedoch nicht die Intensität aufweist, als zusätzliches Instrument dazustehen. Gut ist es dann, wenn sich das Solo von Dominic Landolf mit der Bass-Klarinette einschleicht, dieser Instrumentalpart zählt für mich zu den schönsten Momenten der Platte. Treibenden Swing erleben wir mit “Sexual Redemption“, dann folgt ein Song, der für mich einen Höhepunkt der CD darstellt, das ist das ganz spartanisch arrangierte “I Am Plant“, wiederum mit Landolf, der Nina Reiter, die hier eine hervorragend emotionale Gesangsleistung vorbringt, gar mit bluesigem Anstrich, einfühlsam begleitet. Die Beiden allein schaffen eine betörende Atmosphäre! Reiter erinnert mich hier stark an die Kollegin Karin Krog hinsichtlich ihres Ausdrucks. “Winds Of May“, der Maienwind bläst durch das Akkordeon, und noch einmal mit Landolf. Ja, gut und gern hätte dieser Mann auf jedem Stück mitspielen sollen, denn durch den Sound der Bass-Klarinette erfährt die Musik eine große Dichte und gewinnt an Fülle.

Noch einmal ein wenig avantgardistisch, mit “Contact“, dass im Laufe des Songs einen rockenden Fusion-Pfad aufnimmt, und mit swingender Stimmung („Schön warst Du da“) endet diese Platte, die rundum Spielfreude ausstrahlt. Einzige Kritikpunkte, subjektiver Art, ist der für mich gelegentlich akademisch wirkende, aber grundsätzlich technisch einwandfreie Gesang, dem ein wenig Schrägheit und Geschmeidigkeit sicher gut getan hätte und die vielen Scat-Einlagen, die für mich im Gesamtkontext nicht immer passend sind.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 They Can’t Take That Away
2 The Story Of Anne Boleyn
3 The Song Of You And Me
4 Nur ein Wort
5 Descent
6 Sexual Redemption
7 I Am Plant
8 Winds Of May
9 Contact
10 Schön warst Du da

Besetzung

Nina Reiter (vocals)
Stephan Plecher (piano, accordion, backing vocals – #4, 5)
Marc Mezgolits (bass guitar)
Peter Primus Frosch (drums)
Domenic Landolf (bass clarinet - #5, 7, 8)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger