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Reviews

Bill Evans

Empathy plus Dave Pike – Pike’s Peak


Info

Musikrichtung: Jazz

VÖ: 16.11.2018(1962)

StateOfArt (Verve/Epic)

Gesamtspielzeit: 77:35

Internet:

https://www.billevanswebpages.com/
https://www.in-akustik.de/

Auf dem Cover wird es bereits verraten, hier spielen neben Bill Evans noch Shelly Manne und Monty Budwig. Empathy, so der Titel dieses Albums, das am 20.August 1962 in New York eingespielt wurde. Empathie – die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen, das ist ein guter Titel für eine Platte, für Musik von drei Musikern, die miteinander etwas Gemeinsames schaffen wollen.

Bill Evans, der Jazzpianist und Komponist, lebte von 1929 bis 1980 und war eine der interessantesten Personen der Jazzgeschichte, so wirkte er recht einflussreich und stilbildend mit seinem lyrischen und oft in sich gekehrt wirkendem Spiel. Bekannt wurde er auch dadurch, dass er seine meisten Platten im Trio einspielte, stets mit hervorragenden Mitmusikern, die über die Funktion reiner Begleiter hinaus stets prägend mitwirkten. So waren das in seinem ersten Trioformat Scott LaFaro und Paul Motian und auf dieser Platte sind das Monty Budwig und Shelly Manne. Dieses führte gleichzeitig auch zur ersten Aufnahme für das neue Plattenlabel Verve.

Auffällig ist, dass relativ viele Fremdkompositionen Verwendung fanden, unter anderem sogar aus einem artfremden Genre, “Danny Boy“. Nicht ein einziger Song stammte von Evans. Die Interpretationen der Titel wirken völlig leicht und locker, entspannt und voller Engagement aller Drei. Vor allem ist es Shelly Manne, der wichtige Impulse im Zusammenspiel gab und Evans mitunter anzutreiben scheint. Ganz besonders kommt das gute Zusammenspiel aller Drei zum Tragen beim längsten Stück der Platte, das ist “With A Song In My Heart“ von Rodgers/Hart, original ein typischer Musical-Song. Für Freunde des Piano-Trios und vor allem jener von Evans ist dieses Album ein zwingend Erforderliches, für alle anderen gilt es, auf Entdeckungsreise zu gehen, um einen Zugang zu finden zu einem der faszinierendsten Pianisten der Jazzgeschichte, der cool, swingend, lyrisch und gleichzeitig mit einer klassisch inspirierten Spielweise glänzte.

Und Bill Evans ist auch zu finden auf den restlichen Songs dieser CD. Warum nun gerade diese als Boni gewählt wurden, erschließt sich mir nicht, bleibt die einzige Gemeinsamkeit doch die Beteiligung des Pianisten. Sowohl die Aufnahmedaten als auch die sonstige Besetzung haben wenig gemein. So umfassen die Stücke 7- 11 eine komplette LP des US-amerikanischen Vibrafonisten Dave Pike. Auch dieser Musiker ist bereits verstorben und lebte von 1938 bis 2015. Später wurde er in Europa recht bekannt durch das mit dem Gitarristen Volker Kriegel gegründete Dave Pike Set, mit dem er auf MPS einige Alben einspielte. Doch hier, bei er Aufnahme zu Pike’s Peak, lebte er noch in den USA, und dort, in New York, wurde dieses Album im Februar 1962 eingespielt. Es ist des Musikers zweites Album und zeigt Bill Evans als Begleiter, ein Begleiter, der bereits “Kind Of Blue“ von Miles Davis entscheidend mitgeprägt hatte.

Und auch hier, bei Pike’s Peak, bringt er seine persönliche Note ein und unterstützt den Vibrafonisten tatkräftig bei der Entstehung dieser Platte. Die Musik ist energisch swingend und Pike stellt seinen ganz persönlich geprägten Stil vor, mit mitunter bluesgetränkter Stimmung, sich dabei mit der Stimme unterstützend, in etwa singt er so mit, wie man es später auch vom Pianisten Keith Jarrett kannte. Neben zwei Balladen wirkt die Musik sehr kraftvoll und treibend und wirkt äußerst frisch und locker. Mit Sicherheit ein Tipp für die Erkundung des frühen Dave Pike.

Der diese Platte abschließende Bonus-Titel wurde am 27.Januar 1961 in New York aufgenommen und ist eine gefühlvolle Ballade, wirkt jedoch im Gesamtkontext der CD ein wenig fehl am Platze. Sei’s drum, als positiv sehe ich letztlich auch die Vorstellung einer bisher nicht so sehr bekannten Platte, nämlich jener von Dave Pike.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 The Washington Twist (6:28)
2 Danny Boy (3:44)
3 Let's Go Back To The Waltz (4:34)
4 With A Song In My Heart (9:15)
5 Goodbye (5:14)
6 I Believe In You (5:53)
7 Why Not (6:54)
8 In A Sentimental Mood (6:39)
9 Vierd Blues (6:05)
10 Bésame Mucho (6:59)
11 Wild Is The Wind (9:36)
12 Goodbye (6:14)

Besetzung

Bill Evans – Empathy (#1-6)

Bill Evans - piano
Monty Budwig - bass
Shelly Manne – drums

Dave Pike – Pike’s Peak (#7-11)

Dave Pike (vibes)
Bill Evans (piano)
Herbie Lewis (bass)
Walter Perkins (drums)

Plus:

Cannonball Adderley (alto sax - #12)
Bill Evans (piano - #12)
Percy Heath (bass - #12)
Connie Kay (drums - #12)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger