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Reviews

Feldman, M. (Knoop, M. - Orazbayeva, A.)

For John Cage


Info

Musikrichtung: Neue Musik Kammermusik

VÖ: 01.07.2018

(All That Dust CD / AD 2015 / DDD / Best. Nr. ATD 1)

Gesamtspielzeit: 74:12

KÜHLENDE KLANG-EROTIK

Das junge englische Label All That Dust wurde vom Pianisten Mark Knoop, der Sopranistin Juliet Fraser sowie dem Komponisten Newton Armstrong gegründet. ATD hat sich auf neue Musik spezialisiert und finanziert seine Aufnahmen unter anderem über Crowdfunding. Die Aufnahmen werden zum Teil auf CD veröffentlicht, in jedem Fall aber als Downloads in unterschiedlicher Auflösung (beim CD-Kauf inklusive).

Als Nr. 1 erschien jüngst Morton Feldmans 70minütiger Klangteppich For John Cage aus dem Jahr 1982 mit Mark Knoop (Klavier) und Aisha Orazbayeva (Violine). Ein sehr gelungener Start für das ambitionierte Projekt! Insbesondere bei den aktuellen hochsommerlichen Temperaturen nimmt bei steigender Quecksibersäule das Vermögen des Ohres zur Klang- und Notenaufnahme kontiniuierlich ab. Zu heiße und schnelle Sounds führen schnell zur Überhitzung der Anklangsnerven. Da kommen Feldmans weiträumig und mit viel Stille disponierte Pattern-Kontemplationen gerade recht, denn die Stille zwischen den Klängen wirkt wie eine Kühlung.

Und was es zu hören gibt, ist ausgesprochen transparent, schwebend, luzide - Klangsubstanz ohne jede Schwere; die Virtuosität ist ganz nach innen gerichtet und fern aller äußerlichen Artisterei. Subtile rhythmische Verschiebungen und Variationen sorgen dafür, dass die Musik sich wie ein großes Mobile im weiten und zugleich intimen Aufnahme-Raum entfaltet. Kleine melodische und harmonsiche Zellen folgen aufeinander, werden immer wieder neu disponiert, orchestriert, ausgehört. Dies allem geschieht nach einem angesichts der Dauer des Stücks nur schwer zu verfolgenden "Plan", so dass "For John Cage" wie die meisten von Feldmans späten Werken irgendwo zwischen klar gegliedeter "Form" und schierem "Maßstab" angesiedelt ist. Eine Struktur ergibt sich, wenn überhaupt, aus dem kompositorischen Prozess', ist für diesen aber keine Voraussetzung.

Feldman hat das Stück seinem Freund und Kollegen John Cage gewidmet: Es war Cage, der Feldman ermutigte, seinen ganz eigenen, nicht-akademischen Weg als Komponist zu gehen. In beider Werk steht der Klang im Vordergrund, anders als in der traditionellen "klassischen" (oder auch "neuen") Musik, die den Klang lediglich benutzt, um kompositorische Ideen darzustellen. Für Cage war Feldmans vornehmlich sehr leise, ruhige Musik zunächst Ausdruck einer heroischen Haltung. Später dann empfand er sie angesichts ihrer unverhohlenen, wenngleich abstrakten Schönheit und Sinnlichkeit eher als erotisch. (Nach Feldmans Tod 1987 entstanden mit Cage 40 Number-Pieces interessanterweise Werke, die den wohlklingenden harmonischen Aspekt aus Feldmans Musik integrieren.)
Auch "For John Cage" ist sicherlich von einer großen unmittelbaren sinnlichen Wirkung, wobei der zart-leuchtende Klavierklang in einen spannungsvollen Kontrast zu den schärfer konturierten Linien der mit Dämpfer zu spielenden Violine tritt. Wie die übrigen Werke Feldmans ist sie aber zugleich zart, zerbrechlich, von anonymer Traurigkeit erfüllt. Es dürfte nur wenig Musik geben, die sich so verletzlich und, gleichsam aus großer Ferne, klagend gibt.

In ihrer Interpretation gelingt es Knoop und Orazbayeva, diese Ausdrucksdimension mit der kühlen, grafisch-abstrakten Klangdimension der Musik zu vermitteln. Für über 70 Minuten ist man auch als Hörender hochkonzentriert und berührt und folgt dem sich langsam entfaltenden musikalischen Pattern-Gewebe, bis die Musik mitten in der Bewegung abbricht - als sie nie dagewesen.



Georg Henkel

Besetzung

Mark Knoop, Klavier
Aisha Orazbayeva, Violine

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger