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Reviews

Gospel-Train

People gonna get better


Info

Musikrichtung: Gospel

VÖ: spätestens 1993

(Shams Records)

Gesamtspielzeit: 44:08

Diese Scheibe ist 25 Jahre alt, oder älter. Das CD-Cover verrät nichts. Aber – wie ich in meiner monatlichen Kolumne berichte – habe ich die CD am 10. Juni 1993 während des Evangelischen Kirchentags auf dem Marienplatz in München erworben. Also muss sie spätestens zu diesem Ereignis erschienen sein.

Weiße Gospelchöre – noch dazu im gemeindlichen Kontext – sind oft nur ein blasser Abklatsch von dem, was man sich von den schwarzen Originalen erhofft. (Das gilt allerdings auch von manch einem schwarzen Gospelchor – wie ich den USA erfahren musste.) Der Gospel-Train macht in diesem Kontext einiges richtig. Seine Wurzeln hat er in einem Schulchor des Gymnasiums in Gars am Inn, der sich 1982 entschloss weiter zu machen, obwohl ein Drittel der SängerInnern nach dem Abitur die Schule verließen. Erst später erweiterte sich der Chor um eine Band. Ein erstes Album war noch nur mit der Klavierbegleitung von Manfred Eisele aufgenommen worden, der den Gospelchor als Mathe- und Chemie-Lehrer 1978 ins Leben gerufen hatte.

Band und Chor sind manchmal etwas brav, liefern den Solisten aber immer wieder eine packende Basis für ihren Gesang. Stücke wie „Jubilation“ und „Po‘ Mourner“ werden so zu Fillern, die aber die Lücken in einem soliden Kontext füllen. „To my Father’s House“ kommt mit Schwung und Punch. „Come on and walk with me” strotzt nur so vor souliger Power und lebendigem Charme, woran nicht zuletzt die gut gesetzten Bläser ihren Anteil haben.

Natürlich haben die Solo-Stimmen eine besondere Verantwortung für das Gelingen. Der werden sie sehr unterschiedlich gerecht. Siglinde Pointers dünne und kraftlose Stimme macht „Someday“ zu einem der Lowlights des Albums. Ähnliches gilt von dem von Manfred Eisele intonierten „Glorious Feeling“.

Ganz anders das eröffnende „How I get over“. Wenn auf dem Bandfoto eine Schwarze zu sehen wäre, wäre ich überzeugt gewesen, dass das Kathrin Nagy gewesen wäre. So muss ich annehmen, dass hier eine Deutsche extrem schwarz röhrt. Auch Manfred Thiel kann’s. Dass „We don’t magnify him“ zu den stärkeren Tracks gehört, ist ihm zu verdanken. Gabi Loidl, die schon einiges zu „To my Father’s House“ beigetragen hatte, verhilft auch dem Call and Response Stück „Operator“ mächtig auf die Sprünge.

Highlights des Albums sind das bereits erwähnte „Come on and walk with me” und vor allem das packende „John the Revelator”, das hartnäckig im Ohr bleibt.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1How I get over 4:26
2 John the Revelator 2:32
3 Jubilation 3:37
4 Po' Mourner 3:13
5 We don't magnify him 3:54
6 Someday 3:57
7 Operator 3:16
8 Come on and walk with me 3:18
9 Glorious Feeling 3:32
10 To my Father's House 3:20
11 Were you there 4:36
12 Oh Child 3:26

Besetzung

Sigi Niedermeier (Dr)
Christian Würtinger (Dr <6,10>)
Franz Dunst (B)
Bernd Bundschu (Orgel, Solo-Gesang <8>)
Alois Landler (Trompete)
Manfred Peteranderl (Trompete)
Bernd Ziegler (Posaune)
Hermann Lehner (Sax)
Manfred Eisele (Klavier, Solo-Gesang <9>)

Markus Thiel (Solo-Gesang <3,5,8,11>)
Kathrin Nagy (Solo-Gesang <1,3>)
Gabi Loidl (Solo-Gesang <7,10>)
Michael Gäßl (Solo-Gesang <2,4>)
Siglinde Pointer (Solo-Gesang <6>)
Beate Bundschu (Solo-Gesang <4>)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger