·····  Little Steven feiert seine Comeback-Tour mit einem 3-CD Live-Set ····· Manfred "Sandstrahlmanne" Deiner verstorben ····· In der ersten Juli-Hälfte steht die Sciarrino-Oper Ti vedo, ti sento, mi perdo fünf Mal auf dem Programm der Staatsoper Unter den Linden ····· Ian Gillan und seine allererste Band sind wieder vereint ····· Die Aschaffenburger Metal Combo Enemy inside unterschreibt bei ROAR ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

De Lalande, M.R. (Dumestre, V.)

Majesté (Grand Motet für den Sonnenkönig)


Info

Musikrichtung: Barock Geistliche Musik

VÖ: 06.04.2018

(Alpha / CD / DDD / 2017 / Best. Nr. Alpha 968)

Gesamtspielzeit: 74:32

MIT GRANDEUR

Die französische Musik des 17. Jahrhunderts hat eine gewisse Grandeur, die sie von der Musik des übrigen Europas unterscheidet. Eindrucksvoll nachhören kann man das auf dieser Aufnahme mit Grand Motets für die Versailler Hofgottesdienste, die Michel-Richard De Lalande komponiert hat. Eine vergleichsweise große Chor- und Orchesterbesetzung sowie ein tiefer Stimmton sorgen für ein festlich-opulentes Klangbild, das freilich immer noch genügend Spielräume für die Entfaltung von Virtuosität lässt.
Die Musik erklang bei der täglichen Stillmesse, der der König bewohnte. Während der Priester am Altar unhörbar für die Anwesenden die Messe las, musizierte die königliche Kapelle unter anderem ein Grand Motet für Chor, Solisten und Orchester. Im Wechsel von instrumentalen Sinfonien, Solo-, Ensemble- und Tuttipartien wirken diese Werke wie eine Mischung aus Kantate und Oratorium: eine andächtig-dramatische Begleitmusik für das liturgische Theatrum Sacrum - überwältigend und erhebend gleichermaßen.

De Lalande war ohne Zweifel ein Meister dieser Gattung. Durch seine neuartigen instrumentalen Kombinationen vor allem bei den Holzbläsern und eine großartiges Gespür für architektonische Formen und musikalische Kontraste wusste er sie ganz im Sinne Ludwig XIV. zu gestalten: als Verherrlichung Gottes und seines Stellvertreters auf Erden, des Königs. Auch ohne den politisch-sakralen Überbau vermag De Lalandes Musik heute noch zu berühren und zu fesseln, denn sie klingt nie einfach nur prächtig oder bloß monumental. Der Komponist verstand es, seine Musik mit Lebendigkeit, Verbindlichtkeit und Emotionalität zu erfüllen und das Große mit dem Intimen zu verbinden.

Das Ensemble Le Poème Harmonique unter der Leitung von Vincent Dumestre musiziert, ja zelebriert drei dieser Grand Motet ganz im Sinne des Albumtitels Majesté: Erhaben, feierlich und hymnisch, aber eben auch tänzerisch und lyrisch. Die unterschiedlichen Stimmungen und Affekte der einzelnen Abschnitte werden mit Sinn für den größeren musikdramatischen Zusammenhang dargeboten. Die pompösen Momente werden ebenso ausgekostet wie die zahlreichen innigen, ja besinnlichen Abschnitte.
In allen Belangen überzeugen die wohltimbrierten Solisten ebenso wie der agile Chor (das Ensemble edes) und das Orchester. Allen gemeinsam ist der Sinn für artikulatorische Klarheit und obertönige Klangmischungen, die der Musik bei aller Eleganz eine gewisse archaisierende Rauigkeit verleiht. Daran haben sicher auch die Originalinstrumente ihren Anteil.
Vor allem im letzten und umfänglichsten Teil des Programms, De Lalandes Te Deum, kommt dieser Charakter heraus. Der Aplomb, mit dem Dumestre die Musik anheben lässt, ist mitreißend. Die hohen Sopranino-Bliockflöten rücken die pauken- und trompetenbewehrte Eingangssinfonie nicht von ungefähr in die Nähe von Militärmusik: Das Te Deum war ein Staatsmusik par exellence und insbesondere De Lalandes Vertonung erfreute sich bis weit ins 18. Jahrhundert großer Beliebtheit. Der Komponist hat sein Werk freilich auch immer wieder überarbeitet und dabei aktuelle musikalische Entwicklungen berücksichtigt.
So klingt manches hier schon wie eine Vorahnung von Rameau, während die beiden anderen Grand Motets aus De Lalandes früher Schaffenphase stammen - was ihrer Wirkung keinen Abbruch tut. Auch hier werden bereits Fundamente für die Orchesterkunst des 18. Jahrhundert gelegt.

Auf aufnahmetechnisch wird die prächtige Wirkung dieser Musik durch ein räumliches, gut abgemischtes Klangbild mit weiter Dynamik bestens unterstützt. Dazu kommt eine gute Textverständlichkeit auch in großen Chorabschnitten.



Georg Henkel

Trackliste

01-08 Deitatis Majestatem
09-12 Ecce nunc Benedicite
12-29 Te Deum

Besetzung

Emmanuelle de Negri, Dagmar Saskova: Sopran
Sean Clayton: Hoher Tenor
Cyril Auvity: Tenor
Andre Morsch: Bass

Ensemble Aedes

Le Poème Harmonique

Vincent Dumestre: Leitung

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger