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Reviews

Jimi Hendrix

Both Sides Of The Sky


Info

Musikrichtung: Rock

VÖ: 09.03.2018

(Sony Music)

Gesamtspielzeit: 65:46

Internet:

http://www.jimihendrix.com/
http://www.legacy-club.de
http://www.sonymusic.de
http://www.promo-team.de/

Und es geht weiter, die Ausschlachtung der Musik von Jimi Hendrix. Einen Vorteil hat es ja, seitdem die Familie seit etwa 1996/7 wieder die Finger auf den Rechten und der Veröffentlichungspolitik hat. Waren davor Platten erschienen, die man lieber nicht hätte pressen sollen, so hält sich der „Schaden“ seit Jahren in Grenzen. Fakt ist nun einmal, dass Jimi offiziell vier Platten und eine Kompilation zu Lebzeiten veröffentlichte und noch mit seinem Wirken zusammenhängend “Cry Of Love“ und “Rainbow Bridge“, und so legten verschiedene Rechteinhaber immer mehr an Stoff vor, Musik, die mitunter sehr schlimm war, oder eine mehr als miserable Soundqualität aufwiesen.

Anscheinend wohl die letzten Winkel werden mittlerweile durchstöbert und im Rahmen einer Trilogie, nach “Valleys Of Neptune“ und “People, Hell And Angels“ ist es nun der abschließende Teil, Both Sides Of The Sky, der sich zur Beurteilung stellt. Geboten werden dreizehn Songs, Studioaufnahmen, die zwischen Januar 1968 und Februar 1970 entstanden sind. Hauptaugenmerk wird dabei auf das Trio mit Billy Cox und Buddy Miles gelegt, also der Band Of Gypsys. Persönlich erfreut mich das, sah ich seinerzeit doch eine Entwicklung mit diesen beiden Musikern, die Hendrix in eine andere Richtung hätte führen können. Noch vor der Zeit, als die legendäre Live-Platte der drei Musiker erschien, sind ihre ersten gemeinsamen Songs eingespielt worden, hier ist es gleich der erste Titel, “Mannish Boy“ von Muddy Waters, entstanden am 22.April 1969. Der Blues wird hier bereits mit der gewissen Art Soul und Groove angereichert, wohl auch dank Buddy Miles. Und so gewinnen auch alte Titel wie “Lover Man“ oder “Stepping Stone“ durch die Neuinterpretation in dieser Besetzung.

Zu den weiteren ungewöhnlichen Songs zählt “$20 Fine“, dass Hendrix zusammen mit Stephen Stills aufnahm, als dieser den Gitarristen in die New Yorker Record Plant Studios einlud, Stills spielt hier Orgel und singt. Das ist also mehr ein typischer Stills-Song, und die Zusammenarbeit ist ebenfalls mit dem am gleichen Termin, am 30.September 1969, eingespielten “Woodstock“ dokumentiert, hier spielt Jimi Bass. Ferner gibt es ein Gastspiel von Johnny Winter, der am 7.Mai 1969 im Studio auftauchte. Johnny ließ sich gar nicht beirren und spielte seinen Stremel, als wäre er allein mit der Rhythmussektion im Studio, man kann sich an seinem typischen Slidespiel erfreuen, hier fällt mir auf, dass Hendrix nicht unbedingt ein passionierter Blues-Sänger war, da vermisse ich etwas. Und Johnny verweist ihn hier als Gitarristen eh‘ in die Statistenrolle, denn des Meisters Solo kann mich nicht mitreißen. Gleich mit “Georgia Blues“ gibt es die nächste Blues-Nummer, und glücklicherweise überlässt Jimi die Vokals seinem Mitstreiter aus alten Zeiten, Lonnie Youngblood, der auch ein hinreißendes Saxofonsolo hinlegt! Jimi spielt hier den Blues jedoch wieder sehr beherzt, im Gegensatz zum Track mit Johnny.

“Send My Love To Linda“ eröffnet mit spanisch anmutenden Gitarrenklängen, Billy und Buddy sind auch hier mit von der Partie, doch der Drummer setzt erst bei 2:17 ein, und dann ziehen die Drei beherzt vom Leder, voller Groove und Spielfreude. Etwa zwei Minuten später wird ausgeblendet, mich interessiert, wie lange dieser Jam wohl tatsächlich noch weiterging. So, zum Schluss vielleicht noch eine Widmung an Hendrix‘ Vorfahren, war doch seine Großmutter väterlicherseits zu einem Viertel eine Cherokee-Indianerin, und so dann auch der Titel, “Cherokee Mist“. Der Protagonist spielt auf diesem Song neben der E-Gitarre noch Sitar, das rein instrumentale Stück wird ansonsten nur von Buddy Miles unterstützt, der die Kriegstrommeln rührt. Diese ungewöhnliche, mehr dahinplätschernde Session endet nach sieben Minuten.

Zu den für mich negativen Beiträgen der Platte zählen “Power Of Soul“, ein Song, den ich grundsätzlich sehr liebe, doch hier stimmt etwas nicht. So fehlt zunächst der Text, außer “Yeah Yeah“ kann man nichts weiter vernehmen, bis dann ab etwa 2:30 doch noch gesungen wird, insgesamt klingt der Song unfertig, wie ein Vorabversuch, ein Warmspielen. Dann ist es “Jungle“, es wirkt wie ein Fragment, ein Instrumentalstück auf der Suche nach dem Wohin, und zu guter Letzt “Sweet Angel, auch instrumental, und Hendrix spielt auch Vibrafon, klar, später wurde daraus das wunderschöne “Angel“, hier also auch nur ein Warmspielen, ein Basic Track.

Schlussendlich betrachtet stelle ich fest, dann man oft die Freude am gemeinsamen Spiel bemerkt, möglicherweise waren die meisten Aufnahmen auch von dem Druck befreit, dass sie auf einem Tonträger Platz finden sollten. Vielleicht sollte man noch einmal separat eine oder mehrere Platten mit allen Aufnahmen, die nur Hendrix, Cox und Miles zusammen aufnahmen, dann wäre der Gesamteindruck ein einheitlicher, auf Both Sides Of The Sky wirkt es trotz der interessanten Einzelbeiträge dann doch eher zusammengewürfelt, wie auch auf den beiden Vorgängern. Nun bin ich gespannt, ob sich weitere Aufnahmen irgendwo befinden, die dokumentieren, wie sich Hendrix noch mehr in die Richtung Jazz Rock entwickeln wollte. Nachzutragen ist noch, dass die Klangqualität aller Songs einwandfrei ist, war doch erneut der alte Toningenieur Eddie Kramer beteiligt.

Das letzte Wort möchte ich der Schwester des Gitarristen überlassen:
„Mit Both Sides of the Sky zeigen wir, dass wir uns Jimis Erbe verpflichtet fühlen und auch weiterhin qualitativ hochwertige Veröffentlichungen für seine Fans verfügbar machen wollen. Vor langer Zeit haben Jimi und ich uns versprochen, immer aufeinander aufzupassen. Indem ich mich um sein Werk kümmere, löse ich dieses Versprechen ein. Jimis kreativer Nachlass soll in Ehren gehalten werden und die Entschlossenheit, mit der wir dieses Ziel verfolgen, ist in den vergangenen 30 Jahren immer größer geworden.”



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Mannish Boy*
2 Lover Man*
3 Hear My Train A Comin’*
4 Stepping Stone*
5 $ 20 Fine*
6 Power Of Soul^
7 Jungle*
8 Things I Used to Do
9 Georgia Blues
10 Sweet Angel*
11 Woodstock*
12 Send My Love To Linda*
13 Cherokee Mist*

*Previously unreleased
^Previously unavailable extended version

Besetzung

Jimi Hendrix (vocals, guitar, vibraphone #10, bass - #10, 11, sitar - #13)
Billy Cox (bass - #1, 2, 4, 6, 8, 12, backing vocals - #6)
Buddy Miles (drums - #1, 2, 4, 6, 7, 11, 12, backing vocals - #6)
Noel Redding (bass - #3)
Mitch Mitchell (drums - #3, 5, 10, 13)
Stephen Stills (vocals, organ - #5, 11)
Duane Hitchings (piano - #5)
Johnny Winter (guitar - #8)
Dallas Taylor (drums - #8)
Lonnie Youngblood (vocals, saxophone - #9)
Jimmy Mayes (drums - #9)
Hank Anderson (bass - #9)
John Winfield (organ - #9)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger