····· The Selecter und The Beat (feat. Ranking Roger) gehen 2018 gemeinsam auf Co-Headliner-Tour! ····· Beth Hart & Joe Bonamassa veröffentlichen ihr neues Album Black Coffee am 26. Januar! ····· Lokomotor – neue Single/ Video „Wir sind jetzt“ und Album Wir sind am 26.01.2018 ····· Auf Album Nummer 10 covern Mystic Prophecy sich durch die Popgeschichte ····· Mit der Pest bewerben Nero Doctrine ihr neues Album ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

East Drive & Tamara Lukasheva

Savka I Griska, A Journey To An Eastern European Childhood


Info

Musikrichtung: Eastern Folk/Jazz-Fusion

VÖ: 09.01.2017

(Dreyer Gaido)

Gesamtspielzeit: 49:05

Internet:

http://eastdrive.org/de/CDs/savka-i-griska/
http://goritzki-music.com/

In den Siebzigern war es, dass die polnische Jazz-Zeitschrift Jazz Forum auch in einer deutschen Ausgabe erschien. Dieses eröffnete mir die Tür zum polnischen Jazz ganz weit, sowie die Tatsache, seinerzeit tourende Musiker wie Michal Urbaniak, Tomasz Stanko und andere live erleben zu dürfen.

Gleichzeitig war die Zeitschrift jedoch auch Türöffner für den Jazz im Osten generell, und es gab dort halt eine Menge an Neuland zu entdecken, und noch heute kann man dort weiter forschen und auf hier im Westen relativ unbekannte Künstler stoßen, so wie die Band East Drive, deren Mitglieder aus der Ukraine (Vitaliy Zolotov), Deutschland (Philipp Bardenberg) und Polen (Bodek Janke) stammen. Doch das Trio ist auf Savka I Griska, A Journey To An Eastern European Childhood nicht allein, denn sie werden von etlichen Gästen begleitet, und dabei sind es allesamt Gäste, die das Gesamtbild der Musik entscheidend bereichern und mitbestimmen.

Allen voran ist die im Bandtitel genannte Tamara Lukasheva aus der Ukraine zu nennen, denn als Sängerin steht sie stark im Vordergrund durch ihre Vokalbeiträge auf einzelnen Songs. Diese Platte hat ein Thema, denn diese Reise durch eine osteuropäische Kindheit widmet sich Kinderliedern aus Russland, Polen oder vom Balkan. Zusammen mit den Musikern, mitunter auch noch durch ein Streichquartett unterstützt, wird ein fröhlich-tänzerisches Bild einer Kindheit gemalt, aber nicht nur Freude, sondern auch oft ein Hauch Melancholie kommt hierbei ins Spiel. Eine zentrale Rolle spielt der Gitarrist Vitaliy Zolotov, der mit seinem einfallsreichen Spiel wesentliche Akzente setzt, sowohl auf der elektrischen als auch der akustischen Gitarre. Durch die beiden Mitstreiter des Trios wird eine großartige Dichte erzeugt, die ein sicheres Fundament bildet für die Erweiterung des Trios und die Hinzunahme weiterer Einflüsse im Gesamtkontext.

Außer dem kurzen “Intro“ und den beiden “Interludes“ präsentieren die längeren Songs jeweils verschiedene Ausblicke im weiten Feld des Jazz, auf “Miala Baba Koguta“ durch das Streichquartett um einige klassische Elemente erweitert, aber letztlich durch den Grundrhythmus eher im Bereich Fusion angesiedelt, eine interessante Mischung auf diesem Song, im Übrigen ein polnisches Volkslied. („Die Tante hatte ‚nen Hahn“) “Julitchka“ atmet gar ein wenig keltische Einflüsse und entfernt sich sehr vom Jazzidiom, “Yagodka Malinka“ hingegen erinnert mich sehr an die Ausstrahlung des Mahavishnu Orchestras aus den Siebzigern, nur, dass hier noch ein wenig mehr Slawisches Einzug gehalten hat.

„Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein“, singt Tamara Lukasheva in deutscher Sprache auf “Spiy Moya Radost“, und dazu improvisiert die Band im Hintergrund freie Klangtexturen, wiederum eine sehr ungewöhnliche Kombination, die aufhorchen lässt. Denn man hat dem Jazz oder der Jazz Fusion sehr viel frische Impulse verpassen können, und das ist recht angenehm, festzustellen, dass es noch immer Türen gibt, die es zu öffnen gilt. Mit “Nunaj, Nina, Nena“ präsentiert sich mit fast zehn Minuten der längste Titel der Platte, mit nur ganz wenigen Worten wird hier ein traditionelles Schlaflied aus dem Balkanraum geboten, und im Laufe der Spielzeit entwickelt sich eine aufregende Darstellung von Fusion, nach knapp drei Minuten schleichen sich Rockelemente ein, um dann fließend wieder aufgelöst zu werden, auch hier zeigt der Gitarrist seine hohe Individualität und sein großes Können. In seinem Aufbau kann man diesen Titel sicher auch als Kernstück der Platte ansehen, auch hier wieder einige gelungene Parallelen zum Jazz Rock der Siebziger! Und zum Schluß gibt es mit Sitar- und Tabla-Klängen noch einen kurzen Ausflug nach Indien!

Kurzum, diese Musik sprüht von Ideenreichtum, Einfallsreichtum, Gruppendynamik, solistischen Fähigkeiten, Leidenschaft und Abwechslung! Alle Texte sind übrigens im Booklet abgedruckt, in Originalsprache und Übersetzung(en).



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Intro (1:55)
2 Savka I Griska (4:19)
3 Miala Baba Koguta (6:00)
4 Interlude I (0:40)
5 Julitchka (2:15)
6 Yagodka Malinka (1:43)
7 Oy Hodit Son (3:18)
8 Funtik (2:37)
9 Interlude II (1:09)
10 Spiy Moya Radost (4:39)
11 Nunaj, Nina, Nena (9:55)
12 Jarak (4:18)
13 Solnce Svetit (5:28)

Besetzung

Vitaliy Zolotov (electric and acoustic guitars)
Philipp Bardenberg (electric and acoustic bass guitars)
Bodek Janke (drums, percussion, tabla, flute)
Tamara Lukasheva (vocals)
Alexsej „Losch“ Malakhau (tenor and soprano saxophone)
Clemens Orth (Rhodes, organ)
Teemu Myöhänen (cello)
Zuzana Leharová (violin)
Axel Lindner (violin)
Radek Stawarz (viola)
Elisabeth Coudoux (cello)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger