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Reviews

Guano Apes

Proud like a God XX


Info

Musikrichtung: Crossover / Rock

VÖ: 06.10.2017

(RCA / Sony)

Gesamtspielzeit: 28:21

Manchmal denkt man zu schnell. Als ich den Titel Proud like a God XX las, dachte ich sofort an einen Remix oder ein Remaster des fast schon legendären Guano Apes Debüts 20 Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinen. Damit hätte sich die Veröffentlichung ja auch gut in das allgemeine Umfeld einsortiert. Man hat ja langsam das Gefühl es werden mehr Alben neu veröffentlicht, als dass neue Alben veröffentlicht werden. (Und oft ist das ja auch gut so; Die früher-war-alles-besser-Fraktion der Red.)

Als mir mein CD-Player dann eine Gesamtspielzeit von weniger als einer halben Stunde anzeigte, war erst mal Stutzen angesagt. (Die 1997er Version kommt auf über 50 Minuten.) Früher gab’s mal Snippet-Promo-CDs, auf der jedes Stück nur kurz angespielt wurde, aber solche Schweinereien habe ich längere Zeit nicht mehr erlebt.

Die Lösung sieht so aus. Proud like a God XX enthält drei Cover-Versionen und sechs der zwölf Songs des ursprünglichen Albums in neuen Versionen. Die Cover sind im Original Stücke von Depeche Mode, Eminem und ein Duett von Pat Metheny und David Bowie. Dass nun gerade der größte Guano Apes-Hit „Lord of the Boards“ fehlt, lässt sich wohl damit erklären, dass der speziell für die Snowboardweltmeisterschaft geschriebene Song auf der Erstauflage des Albums noch nicht vertreten war. Vielleicht waren die Dünger-Affen sich auch bewusst, dass sie das Stück mit einer neuen Version kaum toppen können.

Das gelingt allerdings auch sonst kaum. Die 2017er Versionen schwanken zwischen Überanstrengung und Belanglosigkeit. Da helfen auch die Cover nicht weiter. Interessanter Weise schießt hier der Eminem-Song den Vogel ab. „This is not America“ ist zwar das stärkere Stück, stinkt aber in der Guano Apes-Version so massiv gegen Bowie/Metheny ab, dass man schnell zur Skip-Taste greift. Stolz wie ein Gott zu sein, kann eben dazu verführen sich mit echten Göttern messen zu wollen. (Was dann passiert kann man z.B. in der Geschichte vom Turmbau zu Babel (Gen 11, 1-9) nachlesen.)

„Lose yourself“ ist dagegen in der Guano Apes-Version eine passable Rock-Pop-Nummer. Die Depeche Mode Nummer „Precious“ gehört als angestrengter Langweiler dagegen zu den Low Lights des Albums.

Damit gehört das Eminem-Cover „Lose yourself“ zu den Stücken, die für das Album sprechen, neben dem klaren Highlight, dem krachenden „Open your Eyes“, das das Album eröffnet, dem zwar etwas überschrienen Crossover Punk „Crossing the Deadline“ und „Suzie“ mit ihrem fast hard corigem Shouting.

Wer braucht dieses extrem kurze Album unbedingt? Wahrscheinlich vor allem Bowie-, Metheny-, Depeche Mode-, Eminem- und Guano Apes-Allessammler.

Der denkende Rest sucht lieber das Original-Album im Second Hand Laden.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Open your Eyes (2017 Version) 3:04
2 Lose yourself 2:51
3 Rain (2017 Version) 4:29
4 Crossing the Deadline (2017 Version) 2:35
5 This is not America 2:41
6 Never born (2017 Version) 2:56
7 Precious 3:47
8 Suzie (2017 Version) 2:46
9 Get busy (2017 Version) 3:11

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger