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Reviews

Deep Purple

Infinite


Info

Musikrichtung: Hard / Classic Rock

VÖ: 07.04.2017

(earMUSIC / Edel)

Gesamtspielzeit: 45:43

Internet:

http://www.deeppurple-infinite.com

Deep Purple sind eine meiner Favoritenbands, mein erstes Konzert fand 1994 in Augsburg statt. Die Hauptband waren Deep Purple, die Vorband Uriah Heep. Seitdem hat mich die Band immer wieder aufs Neue fasziniert, langweilig wird es mit denen garantiert nicht. Seit 50 Jahren gibt es diese Rock-Institution mittlerweile schon. Eine Tatsache, die sie selbst wohl so noch gar nicht richtig realisiert haben. Warum auch? Die Musik die sie machen ist zeitlos und klingt so frisch, als hätten sie sich soeben gegründet. Trotzdem geht es ab Mai 2017 auf große Abschiedstour mit dem Titel „The Long Goodbye Tour“. Was enthält nun das neue Album?

Mit einem an Dio zu Magica-Zeiten klingenden düsteren Intro beginnt die neue Scheibe. Ian Gillan spricht mit verzerrter Stimme, was sich ziemlich cool anhört. Richtig groovy startet „Time For Bedlam“. Ich finde den Song klasse. Alle Purple-Trademarks sind von Anfang an da. Don Airey brilliert mit einer fabelhaften Hammond-Orgel, wie man es von ihm seit Jahren gewohnt ist. Für Purple-Verhältnisse ist der Text fast ein bisschen gruselig geraten. Gillan singt in einer für ihn mittlerweile perfekten, tieferen Tonlage, die ihn hervorragend aussehen lässt.

„Hip Boots“ ist etwas langsamer als der Vorgänger, aber nicht weniger fetzig. Sehr beeindruckend auch hier das Zusammenspiel der fabelhaften Musiker. Wenn man sich auf Bass, Schlagzeug und Hammond konzentriert, wird einem aufs Neue klar, welche grandiosen Instrumentalisten hier am Start sind. Und Steve Morse schwebt über allem mit einem meisterhaften Solo - einfach irre. „All I Got Is You“ ist mit einer sehr harmonischen Gesangslinie ausgestattet. Und der Refrain ist super, der Text grandios. Hier hat sich Gillan wieder mal selber übertroffen. Der Song klingt so lässig, dass man fast Angst bekommt. Für mich definitiv einer der besten auf der Scheibe. Ein fast tanzbarer Song mit „One Night In Vegas“ geglückt, der auch wieder mit einer tollen Gillan-Story daherkommt. Und immer wieder Steve Morse - der Typ ist einfach abgefahren. Wie er sich mit Airey die Solos teilt und sich die beiden die Bälle gegenseitig zuspielen, ist phantastisch.

Langsam und bedrohlich quillt „Get Me Outta Here“ aus den Boxen. Und wieder sägt die Hammond. So was hört man heutzutage in dieser Intensität nicht mehr, keine Frage. Wobei der Song für mich im Vergleich zu den anderen eher sperrig ist. „The Surprising“ erinnert mich am Anfang ein bisschen an die Serie „Akte X“. Recht seltsam klingt dann auch der Text. Hier hat man es gleich mit dem Beelzebub zu tun bekommen, der dann musikalisch auch fein in Szene gesetzt wird. Sehr melodisch tönt „Johnny’s Band“ mit Querverweisen an den Song „Louie Louie“. Sehr schwungvoll und ein richtiger Ohrwurm. „On Top Of A World“ ist ein guter Song, fällt jedoch im Vergleich zum Rest ein wenig ab. „Birds Of Prey“ erinnert am Anfang ein bisschen an „Tom Sawyer” von Rush. Nach ein paar Sekunden hat sich diese Ähnlichkeit jedoch sofort wieder erledigt. Steve Morse hebt in Kombination mit Don Airey auch hier wieder zu einer Art Höhenflug-Solo ab, was hervorragend zu dem Stück passt.

Deep Purple und Produzent Bob Ezrin ist ein lässiges, frisch klingendes und sehr kurzweiliges Album gelungen das mit jedem Durchlauf besser wird. Soundtechnisch gibt es erwartungsgemäß nichts auszusetzen. Das Album klingt sehr transparent und druckvoll. Es ist ein Genuss, sich den Silberling rein zu ziehen. So spielfreudig, so arschcool haben Deep Purple für mich schon lange nicht mehr auf CD geklungen. Hier wirkt nichts gezwungen oder konstruiert, hier wird einfach drauflos gespielt. Gibt es was Schöneres?

Warum dann nur 19 Punkte? Na ja, bei einem Abschiedsalbum hätte man sich vielleicht etwas mehr Songs aus dem Kreuz leiern können. Und dass sie am Schluss noch „Roadhouse Blues“ von den Doors covern, hätte für mich nicht wirklich sein müssen. Die Version ist durchaus gelungen - aber braucht’s das? Für mich ist dies trotzdem der gelungene Abschluss einer phantastischen und beispiellosen Karriere mit etlichen Höhen und Tiefen. Respekt Jungs - und danke für alle tollen Songs, die ihr der Rockwelt geschenkt habt!



Stefan Graßl

Trackliste

1Time For Bedlam
2Hip Boots
3All I Got Is You
4One Night In Vegas
5Get Me Outta Here
6The Surprising
7Johnny’s Band
8On Top Of The World
9Birds Of Prey
10Roadhouse Blues

Besetzung

Ian Gillan: Vocals
Roger Glover: Bass
Steve Morse: Guitars
Don Airey: Hammond Organ, Keyboards
Ian Paice: Drums

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger