····· Die US-Ikonen Styx melden sich mit neuem Album zurück  ····· Die Augsburger Hard Rocker Full Device stehen jetzt bei Boersma-Records unter Vertrag ····· Asia feiern ihre Reunion im Jahre 2006 mit einer 5-CD-Box ····· Grave Digger-Projekt Hellryder zeigt Behind-the-Secenes-Video ····· Erneut wird ein Mindpatrol-Album von einem kompletten SF-Roman begleitet ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Lambert, M. - Couperin, F. - Charpentier, M.-A. u.a. (Christie, W.)

Bien que l'amour ... (Airs sérieux et à boire)


Info

Musikrichtung: Barock Ensemble

VÖ: 15.04.2016

(Harmonia Mundi / Harmonia Mundi / 2 CD / DDD / 2014 / Best. Nr. HAF 8905276)

Gesamtspielzeit: 80:05

VIELVERSPRECHENDER AUFTAKT

Es ist ein bisschen wie eine Heimkehr in die alte Heimat: Mit dem Album Bien que l'amour ... (Airs sérieux et à boire) kommen William Christie und Les Arts Florissants nach über 20 Jahren zu ihrem ersten Label Harmonia Mundi zurück, wo sie sich von 1979 bis 1994 als führendes Ensemble vor allem für das französische Repertoire des 17. und 18. Jahrhundert einen weithin bekannten Namen gemacht haben.
Nach einer erfolgreichen und produktiven Zeit bei Erato, die mit der mutwilligen Zerschlagung des renommierten Labels durch Warner Music endete, waren die "blühenden Künste" vorrübergehend bei Virgin Classics untergekommen und dann unter verschiedenen Anbietern vor allem auf DVD-Mitschnitte von Bühnenproduktionen ausgewichen - bis zur Gründung einer eigenen aufwändig gestalteten CD-Edition, die bereits von Harmonia Mundi vertrieben wurde.
Nach fünf selbständigen Produktionen legt man die Herstellung und den Vertrieb jetzt wieder gänzlich in die erfahrenen Hände von Harmonia Mundi, einem Label, dass die großen Umbrüche und das Klassiklabelsterben der 2000er Jahre Dank der behaupteten Selbständigkeit, innovativer Ideen und der sorgsamen, nicht nur kommerziellen Pflege von Interpreten und Repertoire besser als mancher Major überstanden hat. (Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass inzwischen auch Virgin Classics, als Anhängsel der EMI Classics, zusammen mit dem Mutterkonzern von Warner Music geschluckt wurde und dann als das neue alte Erato-Label seine Auferstehung feiern durfte ... glücklicherweise sind die bedeutenden Aufnahmen von Les Arts Florissants trotz aller Fusionen und Reanimationen weiterhin nahezu vollständig erhältlich.)

Mit Bien que l'amour ..., einer Sammlung "ernster" und "burlesker" französischer Airs des 17. Jahrhundert steht bei der jüngsten Labelpremiere gleich auch Kernrepertoire auf dem Programm. Mit einem Ensemble erlesener Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalisten, die nicht zuletzt aus diversen Förderprogrammen von Les Arts Florissants wie dem "Jardin des Voix" hervorgegangen sind, widmet sich William Christie exquisiten Kleinodien französischer vokaler Kammermusik, die die (meist unerfüllte) Liebe und die sinnlichen Freuden des Lebens und nicht zuletzt den Humor zum Thema haben.
Die Achsen des Programms bilden Sets mit Airs von Micheal Lambert, dem Meister dieser Gattung, die von Kabinettstückchen François Couperins, Marc-Antoine Charpentiers und weniger bekannten Komponisten flankiert werden.
Bereits Anfang der 1980er Jahre hatte Christie eine erste Lambert-Aufnahme vorgelegt. Der direkte Vergleich zeigt bereits äußerlich die interpretatorische Entwicklung. Nicht nur die Tempi sind jetzt insgesamt flotter. Der Ausdruck im Ganzen ist merklich pointierter, dramatischer und stärker auf die unmittelbare szenische Wirkung hin entwickelt. Man hört, dass der Produktion ein halbszenisches Live-Programm vorangegangen ist. Auch die Instrumentalisten haben sich emanzipiert, agieren auf Augenhöhe mit den fünf vorzüglichen Sängerinnen und Sängern, die die erforderliche Mischung aus höfischer Noblesse und vitaler, italienisch befeuerter Musizierfreude aufs Beste verkörpern. Das Ergreifende und Melancholische wie das Komödiantische und Verspielte stehen diesen Künstlern gleichermaßen zu Gebote, werden mit individuellen Timbres inszeniert - aber immer so, dass am Ende ein wohlbalancierter Gesamtklang vor den Ohren der Hörenden entsteht. Auch Charpentiers parodistischen Intermedien zu Molières "Mariage forcé" bleiben ein kunstvolles Spiel, selbst da, wo dieses im wahrsten Sinne Katzenmusik hervorbringt.
Fernab von akademischer Glätte und übertriebenen Effekten entsteht so der typische, über die Jahre ausgereifte und verfeinerte Klang von Les Arts Florissants.

Zum Neueinstieg des Ensembles bei Harmonia Mundi wurde bereits eine Reihe vergriffener Produktionen wieder aufgelegt: Oratorien von Luigi Rossi, geistliche Konzert von Etienne Moulinié, Kantaten von Monteclair und Campra, Rameaus "Pygmalion" und natürlich jenes Werk, von dem das Ensemble seinen Namen entliehen hat: "Les Arts Florissants" von M. A. Charpentier.
Es steht zu hoffen, dass es jetzt kontinuierlich voran geht mit weiteren herausragenden Einspielungen: Der 3. Teil der Monteverdi-Madrigal-Trilogie steht noch aus und wird wohl noch 2016 veröffentlicht. 2015 feierte das Ensemble große Erfolge mit Rameaus Oper "Platée", kürzlich in New York mit André Campras "Les Fêtes vénitiennes".
Man darf gespannt sein, was davon bei Harmonia Mundi erscheinen wird.



Georg Henkel

Trackliste

Lambert: D'un feu secret je me sens consumer; Le repos, l'ombre, le silence; Ah! Qui voudra desormais s'engager; Il faut mourir plutot que de changer; Iris n'est plus, mon Iris m'est ravie; Bien que l'Amour fasse toute ma peine; Chantez, petits oiseaux dans la saison nouvelle; Pour vos beaux yeux, Iris, mon amour est extreme; Que d'Amants separes languissent nuit et jour; Jugez de ma douleur en ces tristes adieux; Il est vrai, l'amour est charmant; Tout l'Univers obeit a l'Amour
F. Couperin: Epitaphe d'un paresseux: Jean s'en alla comme il etait venu; Les Pelerines
Barre: Quand une ame est bien atteinte
Charpentier: Intermedes nouveaux du Mariage force; Ayant bu du vin clairet; Aupres du feu; Beaux petits yeux d'ecarlate
D'Ambruys: Le doux silence de nos bois

Besetzung

Emmanuelle de Negri: Sopran
Anna Reinhold: Mezzo-Sopran
Cyril Auvity: Tenor
Marc Mauillon: Bariton
Lisandro Abadie: Bass

Florende Malgoire & Tami Troman: Violine
Myriam Rignol: Gambe
Thomas Dunford: Theorbe

William Christi: Cembalo und Leitung

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger