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Reviews

Weather Report

The Legendary Live Tapes: 1978-1981


Info

Musikrichtung: Jazz Rock / Fusion

VÖ: 20.11.2015

(Sony Legacy)

Gesamtspielzeit: 246:43

Internet:

http://www.legacyrecordings.com/
http://weatherreportmusic.com/band/
http://www.promo-team.de/

“Schuld“ war Miles Davis.
Als eine fast unerschöpfliche Quelle von Talenten brachten seine zahlreichen Formationen im Laufe seines Schaffens stets neue Musiker ans Tageslicht und sorgten dafür, dass sich daraus stets neue und aufregende Neuschöpfungen entwickelten. So auch im Falle von Weather Report.
Deren erste Besetzung bestand aus Joe Zawinul, Wayne Shorter, Miroslav Vitouš, Alphonse Mouzon und Airto Moreira.

Bei Davis waren Einige zu unterschiedlichen Zeiten, Zawinul seit 1969 mit dem Album “In A Silent Way“, wobei die Komposition des Titeltracks auch von ihm stammt, Shorter von 1964 bis 1970, Vitouš spielte nur kurz für einige Liveauftritte, 1967, mit dem Trompeter zusammen, Mouzon allerdings erst später, auf dem Soundtrack “Dingo“, das war 1990, und Moreira seit dem 1969er Album “Bitches Brew“, und bis 1975 dann immer wieder.
Zawinul und Shorter trafen sich seit 1959 immer wieder und waren letztlich die Haupt-Initiatoren für die 1970 erfolgte Gründung von Weather Report, Miroslav Vitouš spielte hierbei allerdings auch eine wichtige Rolle.
Doch bereits das zweite Album brachte einen Besetzungswechsel, und nur noch Zawinul, Shorter und Vitouš blieben übrig, letzterer war allerdings beim dritten Studioalbum auch nicht mehr anwesend.

The Legendary Live Tapes:1978-1981, so der Titel dieser 4-CD-Kollektion unveröffentlichter Livetitel, das bedeutet wiederum, dass sich die bis Besetzung zu jener Zeit abermals öfter verändert hatte, allerdings über die hier berücksichtigte Zeitspanne konstant blieb. Während dieser Zeit entstanden drei Studio-Alben in dieser Formation, “Mr.Gone“ (1978), “Night Passage“ (1980) und “Weather Report“ (1982.). Und das waren natürlich auch „“The Jaco Years“, bediente doch der großartige Musiker in dieser Zeit den Bass und bestimmte den Sound der Band wesentlich, auch durch einige seiner Kompositionen. Zawinul stand dem Bassisten, als er ihn kennen lernte, recht zögerlich entgegen, doch wurden sie später sehr gute Freunde.

Eine Besonderheit von Weather Report war, dass man, nicht wie bei den meisten Jazz-Rock/Fusion-Bands, wesentlichen Augenmerk auf die Verwendung einer Gitarre legte, sondern waren es die Keyboards und das Saxofon, und auch Jaco mit seinem exquisiten Stil, alles Elemente, die diese Fusion-Band seinerzeit so besonders machte.
Zusammengestellt wurden die Aufnahmen für diese Kollektion durch den Schlagzeuger Peter Erskine und Tony Zawinul, einem Sohn von Joe. Zumeist handelt es sich um Soundboard-Kassetten, aufgenommen vom langjährigen Sound Engineer Brian Risner, und einige gute Tapes, vom Publikum aufgenommen, wurden verwendet. Der Sound ist einwandfrei, der Livecharakter bleibt gewahrt.
Die Aufnahmen stammen zumeist aus Japan und teilweise aus den USA, aber auch Stücke eines Londoner Konzerts sind dabei. Persönlich gefallen mir die Quartett-Aufnahmen aus 1978 besser, zwei Jahre später klingt die Band für mich bereits abgeklärter und weniger entdeckungsfreudig. Doch letztlich kann man mit dem Gesamtergebnis mehr als zufrieden sein.

Warum man nun die Aufnahmen auf der Kollektion nicht chronologisch geordnet hat, verwundert mich ein wenig. Sowohl die zweite und die vierte CD decken das Jahr 1978 ab und die anderen beiden CDs widmen sich den Jahren 1980 und 1981. Schade finde ich auch das abrupte Ende des Bass-Solos am Schluss der ersten Platte, so tröste ich mich mit der ohnehin aus meiner Sicht besseren Version aus 1978.
Als Highlights empfinde ich “Brown Street“ auf CD 1, und auch die Version “Badia/Boogie Waltz“ ist exzellent. Die zweite CD startet ganz ungewohnt, mit einem Duett zwischen Zawinul am Piano und Shorter am Saxofon. Und es endet mit einer beeindruckenden Version von “Gibraltar“ mit über zwanzig Minuten Spielzeit, dieser Song bildet die ganze Bandbreite der Vielseitigkeit und Virtuosität der Band ab. Und diese äußerte sich generell in einem ganz persönlich und individuell gestalteten Umfeld zwischen Jazz und teils freien Jazzanteilen über Elemente aus Funk und Rock hin zu elektronischen Experimenten, hauptsächlich durch Zawinul.

Auf CD 3 begeistert mich das mit folkloristischen Elementen angereicherte “Madagascar“, recht irre ist “Rockin‘ In Rhythm, von Duke Ellington, so, wie sich Jazzelemente mit dem Saxofon mit schrägen Keyboard-Klängen auf intergalaktische Weise paaren.
Schon als ich es las, freute ich mich auf “Black Market“, auf CD 4 in einer feinen langen Version dargeboten, und verdammt gut. Die vierte CD ist ohnehin meine liebste dieser Kollektion und mit einer furiosen Version von “Directions“ fühle ich mich mehr als angemessen und zufriedengestellt verabschiedet. Eine großartige Veröffentlichung!
Als gelungen empfinde ich, dass sich einzelne Titel nicht wiederholen und ich somit den Eindruck eines einzigen Konzerts über eine Dauer von etwa vier Stunden habe.



Wolfgang Giese

Trackliste

CD 1 – The Quintet: 1980 + 1981
1 8:30 (2:19)
2 Sightseeing (7:34)
3 Brown Street (11:17)
4 The Orphan (1:51)
5 Forlorn (4:11)
6 Three Views of A Secret (7:33)
7 Badia/Boogie Waltz (10:58)
8 Wayne Solo (7:34)
9 Jaco Solo (Osaka 1980) (7:59)

CD 2 – The Quartet: 1978
1 Joe and Wayne Duet (8:40)
2 Birdland (6:18)
3 Peter's Solo [“Drum Solo“] (4:43
4 A Remark You Made (7:34)
5 Continuum/River People (12:22)
6 Gibraltar (21:08)

CD 3 – The Quintet: 1980 + 1981
1 Fast City (8:38)
2 Madagascar (17:44)
3 Night Passage (10:07)
4 Dream Clock (9:37)
5 Rockin' In Rhythm (4:21)
6 Port of Entry (12:35)

CD 4 – The Quartet: 1978
1 Elegant People (9:18)
2 Scarlet Women (11:53)
3 Black Market (13:14)
4 Jaco Solo (Osaka 1978) (8:19)
5 Teen Town (8:59)
6 Peter's Drum Solo (3:59)
7 Directions (6:50)

Besetzung

Joe Zawinul (keyboards, acoustic piano)
Wayne Shorter (saxophones)
Jaco Pastorius (electric bass)
Peter Erskine (drums)
Robert Thomas, Jr. (hand drums, percussion - CD 1, 3 only)
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