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Reviews

Klaus Lage

Mit meinen Augen live


Info

Musikrichtung: Deutsch Rock

VÖ: 1986

(EMI Electrola)

Gesamtspielzeit: 59:25

Anfang der 80er öffnete die Neue Deutsche Welle die Fenster für deutschsprachige Rockmusik weit. Davon profitierten auch Bands, die eigentlich nichts mit der Neuen Deutschen Welle zu tun hatten – von der Spider Murphy Gang über Klaus Lage bis hin zu BAP. Während die rock’n’rolligen Spider Murphys eher in einer Ecke mit Truck Stop und einer Art Peter Kraus revisted einsortiert wurden, konnten BAP zu echten Rockern, wie Marius Müller-Westernhagen und Udo Lindenberg aufschließen und sie gar in den Schatten stellen.

Klaus Lage blieb irgendwie in der Luft hängen – und wurde trotz großer Hits in keiner Szene so richtig akzeptiert. Zu viel Rock für die Altherrenriege, zu wenig schräg für die NDW, zu bieder für die Rocker. Was Hans Scheibner in der Liedermacher-Szene war, war Klaus Lage in der Deutsch-Rock-Szene.

Spätestens mit diesem Live-Album hatte er eigentlich bewiesen, was er konnte. Der Einstieg ist dramaturgisch klug gewählt. Noch ruhig erzählt Lage davon, wie er sich vor einem Konzert fühlt. Man spürt förmlich, wie das Adrenalin in den Adern steigt. Der Vulkan ist bereit auszubrechen. „Fang neu an“ ist wie die Startphase eines Formel 1 Rennens, wenn die Boliden dem Startwagen mit gedrosselten Motoren folgen und die Piloten darauf warten, dass er ausschert, die Startflagge sich senkt und sie sich endlich auf die Piste stürzen dürfen.

Bereits in diesem Song zeigt Klaus Lage wie detailliert er beobachtet und wie gekonnte er seine Beobachtungen in Worte kleidet. Egal ob er in „Schweissperlen“ mit nur leicht kaschierter Eifersucht einer verflossenen Liebe nachtrauert, die individuellen Folgen kapitalistischen Profitstrebens in „Monopoli“ lebendig werden lässt oder die Fahrt durch die DDR nach Westberlin beschreibt („Transit“), man kann unmittelbar nachfühlen, was man selber schon erlebt hat, aber nie so in Worte fassen könnte.

In der politisch aufgeheizten Zeit der 80er Jahre gehörte Lage sicher nicht zu den revolutionären Vorkämpfern. Seine Kritik am Kapitalismus und an Fremdenfeindlichkeit war brav und bürgerlich, wirkte daher gerade im Kontext der anderen, sehr Alltägliches thematisierenden Texte aber umso authentischer.

Lage selber zeigt sich dabei als völlig überzeugender Shouter, der von der Ballade über den Blues bis hin zur Stadionhymne und dem krachenden Rocker alles ohne jeden Ausfall völlig authentisch interpretieren kann. Seine Band präsentiert sich tight und klar und lässt keinerlei Tendenzen erkennen, zur Schlager Backing Band zu mutieren. Klasse Performance.

Dazu kommen packende Refrains und perfekt zur Musik passende Vocallines, die vom Publikum in vielen Fällen bis zum letzten Jota mitgesungen werden.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Fang neu an 6:30
2Transit 3:30
3Tante Lu 4:22
41000 und 1 Nacht (Zoom!) 4:27
5Schweissperlen 5:37
6Faust auf Faust (Schimanski) 5:43
7Mit meinen Augen 3:42
8Monopoli 3:08
9Istanbul 3:32
10Komm, halt mich fest 4:06
11Taxi 5:11
12Mercedes Benz 3:03
13Ich hab dich lieb 4:09

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger