····· Das Multitalent Constance Hauman kommt erneut solo  ····· Ted Russell Kamp stellt seine neue CD vor…. ····· Neues Tribut Album mit Musik von Gary Moore ····· Exilia veröffentlichen Single als Vorgeschmack auf das kommende Album ····· ALS kranker Jason Becker veröffentlicht neues Album Triumphant Hearts am 07. Dezember! ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Uriah Heep

Live at Koko


Info

Musikrichtung: Progressive Heavy Rock

VÖ: 20.02.2015

(Frontiers / Soulfood)

Gesamtspielzeit: 88:00

Internet:

http://www.uriah-heep.com

Mittlerweile ist es technisch kein großes Ding mehr Konzerte mitzuschneiden und Live-Alben zu veröffentlichen. Immer mehr Bands dokumentieren praktisch jede Tour mit einer Live-Platte. Wenn man die official Bootlegs dazu nimmt, gehören Uriah Heep zu den Bands, die das auf die Spitze treiben. Aber selbst, wenn man nur die regulären Veröffentlichungen betrachtet, kann man das gut und gern als zu viel des Guten bezeichnen.
Nach Live in Armenia, das 2011 vor der Veröffentlichung von Into the Wild noch stark von dem grandiosen Comeback-Album Wake the Sleeper geprägt war, erscheint nun bereits erneut eine Doppel-Live-CD, die deutlich nach Into the Wild in London eingespielt wurde.

Dennoch macht Live at the Koko Sinn – nicht nur, weil so die erste Phase mit dem neuen Bassisten Dave Rimmer dokumentiert wird, sondern vor allem wegen des Programms. Into the Wild ist mit drei Stücken vertreten. Damit ist es zwar das am häufigsten vertretene Album, aber die geringe Anzahl dokumentiert seine verblassende Aktualität ebenso, wie zwei Stücke des zum Zeitpunkt des Konzertes noch gar nicht veröffentlichten Nachfolgers Outsider.

Spannend wird Live at Koko, weil die geringe Präsenz der aktuellen Alben nicht dazu benutzt wird, endlich(?) mal wieder(!) alte Klassiker in Massen aufzuführen. Immer wieder wird – zu Recht – von der Auferstehung Heeps mit dem 2008er Album Wake the Sleeper gesprochen, dem Album, das dem ersten Besetzungswechsel nach einer 22-jährigen Phase im gleichen Line up folgte. Dabei wird gerne vergessen, dass es 1995 bereits einmal einen beachtenswerten Neustart gegeben hat. Sea of Light hatte 1995 schon rein äußerlich mit dem von Roger Dean gestalteten Album an die Hochphase Heeps in den frühen 70ern angeknüpft und ein Dezenium beendet, in dem Heep wenig mehr waren als eine Cover-Band ihrer selbst.

Live at Koko setzt einen starken Focus auf die 20 Jahre seit Sea of Light. Sämtliche Alben aus dieser Zeit werden berücksichtigt und stellen zusammen knapp die Hälfte des gebotenen Materials. Die andere Hälfte stammt aus den ersten fünf Jahren (und sechs Alben) der Bandgeschichte. Die 20 Jahre dazwischen sind komplett ausgeklammert – einzige Ausnahme: das wilde „Free’n’easy“ vom 76er Album Innocent Victim im Zugabenblock. „Free’n’easy“ ist damit auch die einzige Nummer, die im Original nicht vom Gründungssänger David Byron, oder dem aktuellen Sänger Bernie Shaw eingesungen wurde.
(In diesem Kontext darf darauf hingewiesen werden, dass es für die Zukunft mehr als wünschenswert wäre, insbesondere die Zeit von Pete Goalby, aber auch die von John Sloman, wieder einmal aufzugreifen. Hier gibt es etliche Songs, die der aktuellen, recht metallischen Heepy Besetzung Steilvorlagen geben dürften. Die Zeit von John Lawton, der „Free’n’easy“ eingesungen hatte, wurde ja immer wieder mal in den Playlists berücksichtigt.)

Von der Stimmung her kann Live at Koko nicht ganz mit früheren Live-Alben wie Live in Europe 79 oder Spellbinder mithalten, weiß das Heep-Material aber gut zu präsentieren. Vor allem zu Beginn beim Opener „Against all Odds“ und dem Klassiker „Traveller in Time“ schwächelt Bernie Shaw dramatisch. Die beiden folgenden Uralt-Songs beheben dieses Mako allerdings spielend und erinnern daran, dass wir es hier mit einem der besten, wichtigsten und innovativsten Gründungsväter des Hard Rock zu tun haben (der in meiner Wahrnehmung immer VOR Led Zeppelin und Black Sabbath und mindestens gleichauf mit Deep Purple rangiert).

Wie wenig die alten Herren, die zügig auf das 50. Bandjubiläum zugehen, gealtert sind, zeigt das als eigener Titel herausgehobene Gitarrensolo „Box Wah“, bei dem man nun wahrlich nicht glaubt, dass der Gitarrist sich bereits deutlich in der zweiten Hälfte der 60er befindet.

Insgesamt bestätigt Live at Koko den Eindruck der letzten Jahre, dass Uriah Heep sehr deutliche eine Band ist, die auf die Zukunft ausgerichtet ist und ihr Verfallsdatum noch lange nicht erreicht hat.



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Against all Odds (6:00)
2 Overload (6:10)
3 Travelller in Time (3:17)
4 Sunrise (5:21)
5 Stealin (5:59)
6 I'm ready (4:30)
7 Between two Worlds (6:25)
8 Can't take that away (5:05)
9 One Minute (5:11)
10 Nail on the Head (5:09)

CD 2
11 Into the Wild (4:30)
12 Gypsy (4:49)
13 Look at yourself (4:33)
14 Box Wah (3:49)
15 July Morning (12:19)
16 Lady in Black (6:48)
17 Free and easy (2:35)
18 Easy Living (3:38)

Besetzung

Mick Box (Git)
Philip Lanzon (Keys)
Bernie Shaw (Voc)
Russell Gilbrook (Dr)
Dave Rimmer (B)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger