····· Doppelplatin für AC/DC  ····· Neuer german Thrash aus Thüringen mit Spydory ····· Die Merseburger Death-Metaller Overlord auferstehen in Höllen-Zimmern ····· Roskilde 2024 ausverkauft - Freiwillige haben noch die Chance zur Teilnahme ····· Me first and the Gimme Gimmes kommen mit neuem Live-Album auf Tour ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Lee Ann Womack

Greatest Hits


Info

Musikrichtung: Country / New Country

VÖ: 18.05.2004

(MCA Nashville)

Gesamtspielzeit: 51:31

Internet:

http://www.leeannwomack.com

Lee Ann Womack ist seit sieben Jahren im Geschäft mit der Countrymusik und hat es in dieser Zeit auf fünf Alben gebracht. So ist es durchaus an der Zeit, ein "Greatest Hits"-Album auf den Markt zu bringen, zum einen, um zwei bisher unveröffentlichte Songs zu präsentieren - ein inzwischen leider beliebt gewordenes Spielchen der Plattenfirmen -, zum anderen aber auch, um den Countryfans, die bisher keines ihrer Alben im CD-Regal stehen hatten, den Einstieg zu erleichtern.

Im Einzelnen:

Bereits bei den ersten Tönen der CD, die dem Titel "Never again, again" entstammen, ist man der Ansicht, dass es wohl die Countrygirls sind, die den Spagat zwischen New Country und den so genannten "Roots" am besten und saubersten hinbekommen, da die Herren der Schöpfung immer gerne auf männlich harte Gitarrenklänge zurückgreifen, während die Mädels anscheinend denken: Hier ist ein Song, also hauche ich ihm Leben ein, und das alles ohne großes Theater. Ein leicht schleppender Rhythmus, eine jammernde Pedal-Steel und eine Stimme, der man alles Herzeleid getrost abnimmt, empfangen den Hörer mit dem Traditionsbewusstsein einer Dolly Parton. Enttäuschte Liebe war schon immer ein guter Aufhänger und warum sollte es bei diesem zeitlos schönen Song anders sein.

"You´ve got to talk to me" kommt zwar mit einem markanteren Grundrhythmus daher, behält jedoch die ruhigere Gangart bei. Das ruhige Genre scheint das richtige Terrain für Mrs. Womack zu sein, denn hier kommt ihre zarte Stimme optimal zum Einsatz, obwohl man sie auch aus der kraftvollen New Country-Ecke kennt. Bei "The fool", ihrem ersten Hit aus dem Jahre 1997, unterhält sie sich mit der Ex ihres Partners, der den Absprung anscheinend noch immer nicht geschafft hat. Eine Ballade, die neben einem gefühlvollen Text auch über die perfekte musikalische Umsetzung verfügt. Nicht umsonst hatte sie damit ihre erste Nr. 1 in den Charts. "A little past Little Rock" (übrigens die Heimatstadt von Ex-Präsident Clinton) passt ebenfalls in dies Schema und rundet den ersten Teil der CD zum "mit einem Glas Wein vor dem Kamin zu hörenden" Album ab.

Abschied nehmen muss man bei "Now you see me, now you don´t", aber nicht nur textlich, sondern auch von der ruhigen Gangart, denn die zweifache Mutter gibt etwas mehr Gas. Dabei hat man ständig das Gefühl, Countrylady Dolly Parton hätte diesen Song eingesungen, so viel Ähnlichkeit haben die beiden Stimmen in einigen Passagen. Und wo die Hörer das Träumen sowieso bereits eingestellt haben, wird gleich noch ein poppiger Song nachgelegt. "I´ll think of the reason later" ist ein richtiger Gute-Laune-Song und ein gelungener Konterpunkt zu dem sanften Beginn des Albums. Mit "I hope you dance" serviert Lee Ann Womack nicht nur eine wunderschöne Ballade, abgerundet durch Streicher und Backgroundchor, sondern hat mit diesem Titel auch den Iren Ronan Keating derart beeindruckt, dass dieser den Song vor kurzem als neue Single herausbrachte. Natürlich wird von den Medien kein Wort darüber verloren, dass es sich um einen Countrysong handelt, aber das kennt man ja schon zur Genüge. Rodney Crowell trug zu ihrem Album "I hope you dance" und auch zu dieser Compilation den Song "Ashes by now" bei, der über einen punchigeren Groove verfügt und insgesamt ein wenig härter produziert wurde.

Dass Lee Ann Womack sich jedoch bei Balladen besonders auszeichnet, beweist sie wieder bei "Why they call it falling", wo sie über Höhen und Tiefen der Liebe berichtet. Wer sollte dies besser können als diese Frau mit ihrer zarten Stimme? "Something worth leaving behind" war nicht nur der Titel eines ihrer Alben, sondern ist auch ein Song mit philosophischem Background, denn jeder sollte in seinem Leben etwas (gemacht) haben, das sich lohnt zurückgelassen zu werden. Die "Mendocino county line" wird von Lee Ann im Duett mit dem allgegenwärtigen Willie Nelson besungen und wurde nach seiner Veröffentlichung mit vielen hochdotierten Awards geehrt. Leider kann man einem Duett mit "Old Willie" keinen Seltenheitswert zuerkennen, denn es gibt kaum einen Countrystar in den USA, der nicht mit dem langhaarigen "Outlaw" das Aufnahmestudio teilen durfte. Bei "Does my ring burn your finger" werden Bluegrasstöne angeschlagen, die sehr gut auf dies Album passen, um die musikalischen Roots der Sängerin zu untermauern.

Die neuen Songs, die das Album auch für die langjährigen Womack-Fans attraktiv machen sollen, sind "The wrong girl" und "Time for me to go". Beim "falschen Mädchen" ist Lee Ann der Ansicht, ihr Angebeteter hätte sein Gefühle auf die falsche Frau konzentriert, denn sie wäre diesbezüglich die erste Wahl. Ein netter Midtempo-Song mit modernen Stilelementen wie E-Gitarre und Hammond-Orgel. "Time for me to go" ist allein schon vom Titel her für die Position des letzten Songs auf dem Album prädestiniert. Und den gelungenen Schlusspunkt unter diese CD kann nur eine herzzerreißende Ballade setzen, und so ist es auch. Traditionelle und zurückhaltende Instrumentierung lassen die Hörer ein letztes Mal dahinschmelzen, wenn Lee Ann ihre sanfte Stimme erklingen lässt.

Fazit:

Die Frauen in der Countryszene sind anscheinend diejenigen, die sich der Ursprünge ihrer Musik am stärksten bewusst sind. Und Lee Ann Womack gehört hierbei zu den aktuellen Vorzeigeobjekten, denn wenn sie Balladen haucht oder mal wie Dolly Parton klingt, weiß jede(r), dass hier jemand authentisch seine Musik abarbeitet. Die Uptempo-Songs, die sie ebenfalls in ihren ersten fünf Alben produziert hat, zeugen aber auch von der temperamentvollen Lady, die sich auf diesem Greatest Hits-Album jedoch fast ausschließlich verhalten zeigte.

Diese CD sollte die Sammlung jedes Countryfreundes bereichern, denn wenn der Kamin die kalten Füße wärmt, sollte sich zum inneren Aufwärmen und Träumen dies Album im Player drehen, denn dann kommen die großen Gefühle! Viel Spaß dabei!



Lothar Heising

Trackliste

1Never again, again 3:44
2You´ve got to talk to me 3:38
3The fool 3:32
4A little past Little Rock 3:44
5Now you see me, now you don´t 2:39
6I´ll think of a reason later 3:37
7I hope you dance 4:54
8Ashes by now 4:31
9Why they call it falling 3:35
10Something worth leaving behind 3:48
11Mendocino county line 4:32
12Does my ring burn your finger 3:27
13The wrong girl 3:00
14Time for me to go 2:50
Zurück zum Review-Archiv
 


So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger