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Reviews

Genesis

Three Sides live


Info

Musikrichtung: Progressive / Art Pop

VÖ: 01.06.1982

(Vertigo)

Gesamtspielzeit: 89:19

Three Sides live ist aufgrund meiner Monatskolumne auf dem Review-Stapel gelandet. Es liegt also jetzt im Januar 2014 keine aktuelle Neuveröffentlichung als Anlass vor. Ich bespreche die Scheibe auf Basis der Doppel-CD, die ich vor 25 Jahren, im Januar 1989 erworben habe. Die Ausstattung ist mehr als bescheiden. Es gibt mit Sicherheit neuere Editionen (Ich habe da jetzt nicht nachrecherchiert.), die dann bei entsprechender Ausstattung Punktaufschläge verdienen.

Das Album setzt die beiden vorhergehenden Live-Scheiben quasi voraus. Die Zeit vor der Seconds out wird absolut stiefmütterlich behandelt – zum einen mit dem bereits auf Seconds out enthaltenen „Afterglow“; zum anderen mit dem Longtrack „In the Cage“, dem einzigen Stück aus der Peter Gabriel Ära.

Aber auch bei den drei Studioscheiben, die bereits in der Trio-Besetzung eingespielt wurden, wird noch einmal gesiebt. Das fantastische, von einem besonders warmen Sound geprägte Album …and then there were three ist nur mit dem wohl unverzichtbaren Megahit „Follow you follow me“ vertreten. Den Löwenanteil teilen sich Abacab, das soundtechnisch fast schon als Phil Collins Solo-Album gelten kann, und das weichere, oft eher an Tony Banks Solowerke gemahnende Duke, das zu einer Zeit aufgenommen wurde, als Phil Collins sich bereits als überaus erfolgreicher Solo-Künstler etabliert hatte.

Insbesondere diese beiden Scheiben gelten bei vielen Kritikern als der Anfang vom Ende von Genesis. Und auch wenn ich diese vernichtende Kritik nicht teile und beide Alben sehr schätze, stelle ich fest, dass Three Sides live eine emotionale Steigerung um 100% erfährt, wenn am Ende der ursprünglich zweiten LP-Seite „Follow you, follow me“ erklingt.

„Turn it on agian“ ist eine fantastische Prog-Pop-Crossover-Nummer, „Abacab” und vor allem „Dodo” waren damals absolut innovativ und gefallen mit ihrer Rhythmik und ihren Soundspielereien auch heute noch. „Duchess“ und das Refrain-starke „Me and Sarah Jane“ schmeicheln Ohr und Seele. Und dennoch bleiben sie „im Rahmen“, während „Follow you, follow me“ und das auf der dritten LP-Seite folgende Prog-Feuerwerk „In the Cage“ überlebensgroße Nummern sind, die mit dazu beigetragen haben, das Genesis das geworden sind, für das sie heute in der Rockgeschichte stehen.

Der Name des Albums Three Sides live ergab sich daraus, dass außerhalb Großbritanniens die 4. LP Seite fünf bis dato unveröffentlichte Studio-Tracks enthielt, von denen vor allem die ersten drei überzeugen können. Der Sound ist klar 80er Jahre und nähert sich durchaus der Ästhetik der Phil Collins Solo-Scheiben an. Besonders deutlich wird das bei „Paperlate“ mit seinem etwas simplen, aber effektiven Refrain. Dafür sind nicht zuletzt die Bläsersätze veratnwortlich, die auch ab dem zweiten Soloalbum immer häufiger eingesetzt wurden.

Für sich gesehen ist Three Sides live ein völlig überzeugendes Genesis-Album. Was ich im Kontext der Bandgeschichte sehr bedauere ist, dass durch die hier stattfindende Konzentration auf nur zwei Alben …and then there were three, eines der besten und vor allem eigenständigsten Alben der Bandgeschichte, auf den Live-Scheiben der Band praktisch nicht stattfindet.



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Turn it on again 5:23
2 Dodo 7:20
3 Abacab 8:43
4 Behind the Lines 5:24
5 Duchess 6:38
6 Me and Sarah Jane 5:52
7 Follow you follow me 4:44

CD 2
1 Misunderstanding 4:05
2 In the Cage 11:52
3 Afterglow 5:02
4 Paperlate (studio) 3:14
5 You might recall (studio) 5:27
6 Me and Virgil (studio) 6:17
7 Evidence of Autumn (studio) 4:57
8 Open Door (studio) 4:04

Besetzung

Tony Banks (Keys, Voc)
Phil Collins (Dr, Perc, Voc)
Mike Rutherford (B, Git, Voc)

Gäste:
Daryl Stuermer (B, Git)
Chester Thompson (Dr, Perc)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger