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Reviews

Konstantin Wecker

Wut und Zärtlichkeit; live


Info

Musikrichtung: Liedermacher

VÖ: 22.02.2013

(Sturm & Klang / Alive)

Gesamtspielzeit: 110:10

Internet:

http://www.wecker.de

Anderthalb Jahre nach dem Album Wut und Zärtlichkeit legt Konstatin Wecker ein Live-Album unter dem gleichen Titel vor. Der Titel geht okay. Bis auf drei Stücke ist das ganze Studio-Album auch auf der Live-Scheibe vertreten. Interessanter Weise fehlen genau die drei Titel, die auf dem Studio-Album ganz am Ende standen – nach dem Titel, der nun auch das Finale des Konzertmitschnitts ist.

Der deutlichste Unterschied zwischen Studio- und Live-Album besteht in Weckers Versuch literarischer zu werden – mit eigenen Texten, Vertonung von Brecht und Kästner und der Rezitation eines Benn-Gedichts. Gut tut das dem Album nicht. Richtiggehend lächerlich wird es, wenn bei „Vom Schwimmen in Seen und Flüssen“ plötzlich verschämt „Walk on the wild Side“ zitiert wird.
Wecker führt sich hier selber vor, als etwas was er nicht ist. Er ist ein Raubein, ein Polterer, ein Schelm, ein linker Wutbürger. Das kann er von Holzschnitt bis Florett. Das Dichten sollte er lassen. Dass sein Album mit Brecht-Interpretationen in den Regalen liegen blieb, wie er in der Ansage zu „Oh die unerhörten Möglichkeiten“ verrät, versteht man. Dass es in den Feuilletons gelobt wurde, verrät möglicherweise eher etwas über die Feuilletonisten.

Wecker packt den Hörer, wenn er aufdreht, wenn ein Mann und ein Flügel eine ganze Rockband ersetzt. Neben den Stücken, die schon in der Review zum Studioalbum herausgestellt wurden, begeistern „Frieden im Land“, „Sag Nein!“ und nicht zuletzt „Die weiße Rose“, die, wie es in der Ansage heißt, wegen der skandalösen Verquickung von Staat und Rechtsextrem im Rahmen der so genannten NSU-Morde, wieder ausgegraben wurde.

Den Vortrag von „St. Adelheim“, einem bayerischen Reggae, in dem Gefangene über ihr Schicksal klagen, hätte Wecker sich besser verkniffen – gerade weil er deutlich macht, dass das Stück autobiographische Züge hat. Wenn jemand, der wegen Drogendelikten einfahren musste, einen derartigen Song auf einem Album präsentiert, das ansonsten immer wieder deutlich politisch sein will, hat das mehr als ein Geschmäckle. Das für ihn untypisch verlegene Lachen während der Ansage spricht Bände.



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Wut und Zärtlichkeit (3:56)
2 Absurdistan (3:50)
3 Begrüßung (0:39)
4 Die Kanzlerin (4:11)
5 Fliegen mit Dir (4:17)
6 Ansage (0:41)
7 Oh die unerhörten Möglichkeiten (3:55)
8 Ansage (0:46)
9 Bleib nicht liegen (4:53)
10 Frieden im Land (3:37)
11 Wenn unsere Brüder kommen (2:55)
12 Es gibt nichts Gutes (2:58)
13 Präposthum (3:32)
14 Sage Nein! (4:45)

CD 2
1 Vom Schwimmen in Seen und Flüssen (7:44)
2 Damen von der Kö (3:14)
3 Ansprache an Millionäre (5:20)
4 Schwanengesang (4:18)
5 Weil ich Dich liebe (3:46)
6 St. Adelheim (4:35)
7 Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen (2:38)
8 Weltenbrand (6:58)
9 Der Virus (3:31)
10 Empört Euch (6:07)
11 Was keiner wagt (3:27)
12 Die weiße Rose (4:33)
13 Buonanotte Fiorellino (9:02)

Besetzung

Konstantin Wecker (Flügel, Voc)
Jo Barnikel (Keys, B, Kornett, Udu, Akkordeon, Back Voc)
Nils Tuxen (Git, El. Sitar, Dobro, Ukelele, B, Mundharmonika, Back Voc)
Fischer (Git, B, Dr, Perc, Back Voc)
Tim Neuhaus (Git, Dr, Perc, Back Voc)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger