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Reviews

The Alan Parsons Project

Tales of Mystery and Imagination - Edgar Allen Poe


Info

Musikrichtung: Progressive

VÖ: 13.10.1987 (1976)

(Mercury / Polygram)

Gesamtspielzeit: 42:43

Der Hintergrund

1976 trat ein Mann an die Öffentlichkeit, der bereits an einigen der grandiosesten Alben der Rockgeschichte beteiligt war. Dennoch kannten seinen Namen bis dahin nur die, die sich die Mühe machen auch das Kleingedruckte im LP-Beiblatt zu lesen. Als bei der EMI angestellter Tontechniker hatte Alan Parsons nicht nur Alben der Beatles, der Hollies und von Paul McCartney produziert, sondern war auch für den Sound von Al Stewarts Year oft the Cat und vor allem Pink Floyds Dark Side oft he Moon verantwortlich.

The Alan Parsons Project war - so Parsons im Booklet zur 1987er CD-Erstveröffentlichung - nie als Bandname gedacht. Tales of Mystery and Imagination sei schlicht das Projekt eines Produzenten gewesen. So bescheiden wie das klingt, ist es dann doch nicht, da Parsons gleichzeitig beansprucht damit ein neues Genre aus der Taufe gehoben zu haben - das Produzenten-Album.

Aber der Erfolg frisst seine Väter. Auf einen Nachfolger von Tales of Mystery and Imagination konnte kaum verzichtet werden. Und so hat das Alan Parsons Project die Gelegenheit bekommen eine Reihe fantastischer und eine weitere Reihe eher durchschnittlicher Alben zu veröffentlichen. Für viele Fans bleibt das Debüt bis heute das Meisterstück - ein Einschätzung, der Parsons im Booklet zustimmt

Ein Überblick

In der Vinylfassung hatte das Album, das sich mit dem Werk von Edgar Allan Poe beschäftigt, zwei sehr unterschiedliche Seiten - auf der ersten Seite fünf konventionelle 4-Minüter mit teilweise Ohrwurmcharakter - zumindest „The Raven“ und „ Doctor Tarr and Professor Fether“ liefen bei uns regelmäßig auf Feten. (Da musste man geschickt mit Blenden arbeiten, da die Stücke ineinander übergingen.)
Seite zwei wurde dann von dem 16-minütigen Instrumental “The Fall of the House of Usher“ dominiert. Danach folgte etwas unorganisch, wie ein Nachklapp oder eine Zugabe noch die Ballade „To One in Paradise“.
Die CD lässt auch Seite 1 und 2 ineinander übergehen und macht aus den Stücken ein Gesamtwerk.
Schade! Denn für mich hatte die erste Seite, deren letztes Stück das Thema von „The Raven“ wieder aufnimmt eine schöne Geschlossenheit. Aber das ist ein belangloses Detail bei diesem überwältigenden Werk.

Seite 1

„A Dream within a Dream” wirkt wie ein Intro, das mit einem genial einfachen Bass zum Folgenden überleitet. Von fantasievollen Keyboards begleitet steigern die Drums das Stück Poe-mäßig zum ersten Highlight. „The Raven“ lebt von dem Nebeneinander ruhiger und rockender Parts und verfügt über einen packenden Refrain. Am Ende gibt es harte Gitarren. Außerdem dürfte man hier einen der ersten Einsätze eines Vocoders hören.
„The Tell-Tale Heart“ setzt das Album melodisch rockig fort. Softe Streicher, viele instrumentale Verzierungen und schöne Gitarren Passagen machen das Stück zu einem Juwel.
Danach folgt - in Konkurrenz mit dem abschließenden „To One in Paradise“ die sanfteste Ballade des Albums. „The Cask of Amontillado“ beginnt mit sanften Streichern steigert sich aber ebenfalls mit Streichen und zusätzlich auch Bläsern deutlich, um zu einer ganz typischen Alan Parsons-Nummer überzuleiten. Mit schwerem Rhythmus und vorwärts treibendem Gesang, verweist „(The System of) Doctor Tarr and Professor Fether“ die Keyboards und Gitarren in den Hintergrund.

Seite 2

Orson Welles, der bereits zu Beginn der ersten LP-Seite zu hören war, leitet auch die zweite LP-Seite ein. Das „Prelude” erinnert massiv an Rick Wakemans Journey to the Centre of the Earth. Musikalisch zeigen sich hier nur das Orchester und der Bass. Das Ganze steigert sich dramatisch bis zu einem Gewitterregen, der zum nächsten Part überleitet, Keyboards und warme Sounds durchbrechen das grundsätzliche Charakteristikum dieser LP-Seite nicht. Jedes Stück beginnt verhalten, um sich dramatisch zu steigern.
Das wiederholt sich mit dem von fast bedrohlich geprägten Streichern dominierten „Intermezzo“. „Pavane“ hält sich mit einer Art Cembalo-Sound zu Beginn zurück, steigert sich aber wiederum zur echten Rockband. Das finale „Fall“ bricht dann in einem orchestralen Crescendo in sich zusammen und wird von der mit wunderschönen Keyboard- und Akustik-Gitarren-Sounds geprägten Zugabe „To One in Paradise“ abgelöst.

Eine Anmerkung ist noch zu machen. Mit den Tales of Mystery and Imagination hat Alan Parsons 1976 ein Meisterwerk erschaffen. Dieses Meisterwerk ist 2007 wohl auch auf CD erschienen. Aber Parsons hat sich vor der CD-Erst-Veröffentlichung dazu entschieden, das Album so zu präsentieren, dass er auch 1987 stolz darauf sein könne. Die Folge waren eine Reihe neuer Synthesizer- und Gitarrenparts, die eingie altgewohnte Stücke zum Teil recht deutlich veränderten.

Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit den Neuerungen gemacht, die mich zu Beginn massiv gestört haben. Ich weiß gar nicht, wann ich das echte(!) LP-Album das letzte Mal gehört habe. Und so gibt es weder in der b-, c-, d- oder irgendeiner anderen Note Abzüge.

Die Tales of Mystery and Imagination gehören schlicht in jede anspruchsvolle Plattensammlung.



Norbert von Fransecky

Trackliste

11 A Dream within a Dream (4:13)
22 The Raven (3:57)
33 The Tell-Tale Heart (4:38)
44 The Cask of Amontillado (4:33)
55 (The System of) Doctor Tarr and Professor Fether (4:20)
6The Fall of the House of Usher
76 I Prelude (7:02)
87 II Arrival (2:39)
98 III Intermezzo (1:00)
109 IV Pavane (4:36)
1110 V Fall (0:51)
1211 To One in Paradise (4:46)

Besetzung

Alan Parsons (Lead Voc <2>, Voc <11>, Keys <7,10>, Neue Keys <3,4>, Neue Kirchenorgel <5>, Blockflöte <5>)
Eric Woolfson (Keys <2,3,4,5,7>, Orgel <7>, Neue Keys <9>, Voc <11>, Back Voc <2,4>)
Andrew Powell (Keys <7>, Orgel <9>)
Ian Bairnson (Git <1,4,5,7,11>, New Git Solo <2>)
David Paton (Ac. Git <1,11>, B <3,4,5,7,11>, Back Voc <1>)
Stuart Tosh (Dr <1,2,3,4,5,7,9,11>, Perc <3,7>)
Billy Lyall (Keys <3,4,5,11>, Blockflöte <1>, Glockenspiel <11>)
John Miles (Lead Voc <4,5>, Git <5>)
Orson Welles (Sprecher <1,6>)
Jack Harris (Voc <3,5>)
Terry Silvester (Voc <4,11>)
Leonard Whiting (Lead Voc <2>, Sprecher <11>)
Arthur Brown (Lead Voc <3>)
Francis Monkman (Orgel <7>, Harpischord <9>)
Joe Puerta (B <1,2>)
David Pack (Git <2>)
Kevin Peek (Git <9>)
Laurence Jubber (Git <9>)
Christopher North (Keys <2>)
Lee Hurdle (B <6>)
Darryl Runswick (B <9>)
Burleigh Drummond (Dr <2>)
Hugo D’Alton (Mandoline <9>)
John Leach (Cembalo <9>, Kantele <9>)
David Snell (Mundharmonika <9>)
Jane Powell (Back Voc <11>)

Bob Howes and the english Chorale (Chor <2,3,4>)
Westminster City School Boy Choir (Chor <11>)

Orchester <2,3,4,6,8,10>

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger