Sarah Koch

Bittersüßes Fensterlicht


Info
Musikrichtung: Deutsch Pop

VÖ: 29.10.2021

(Iniative Musik GmbH)

Gesamtspielzeit: 44:22

Internet:

https://sarah-koch.site/
https://www.promotion-werft.de/


Mit ihrem Debüt-Album stellt sich nun Sarah Koch vor. Die 1985 geborene Schauspielerin mag einigen Serien-Liebhabern durch eine Rolle in der Telenovela "Sturm der Liebe" bekannt sein, doch das ist auch schon wieder sieben Jahre her. Weitere TV-Engagements folgten, als auch Bühnenauftritte. Nun hat sich die Künstlerin auch in den Bereich der Musik gewagt. Bittersüßes Fensterlicht, so der Titel der Platte, die vom Thilo Zirr produziert wurde. Mit dem Song "Oh Romeo" wurde bereits ein Vorgeschmack vermittelt.

Texte und Musik stammen vorwiegend von Sarah Koch selbst, in Zusammenarbeit mit Thilo Zirr. Einmal musste Johann Wolfgang von Goethe herhalten, dessen Worte für "Gretchens Fragen" verwendet wurden. Text und Musik zu "Mondsucht" stammen von Samuel Harfst, und William Shakespeare ist für "Prolog" verantwortlich.

Seit Jahren hat es einen immensen Zuwachs auf dem Gebiet deutschsprachiger Musik gegeben, oft Musik, die eigentlich überflüssig war, weil sie nicht wirklich eine Bereicherung oder einen Mehrwert darstellte. Mag zwar auch der Erfolg einigen Musikern/innen und Band recht gegeben haben, stellte das nicht unbedingt gleichbedeutend eine Garantie für Qualität und Originalität dar. So blieben es letztlich Ausnahmen.

Nun widme ich mich der "Overtüre", imposant und orchestral arrangiert ist das ein sicher ungewöhnlicher Einstieg, instrumental, von klassischer Musik und Folklore geprägt, gar ein wenig märchenhaft. Und das mag auch Absicht gewesen sein, werden wir mit gesprochenem Wort und gesanglich in die "Märchenunterwelt" entführt. In der Märchenwelt fährt die Phantasie gerne Achterbahn, so erfährt man. Das Ganze klingt doch tatsächlich wie eine Art Musical für Erwachsene, die jung geblieben sind. So singt die Protagonistin auch entsprechend mit einer kindlich klingenden Stimme. Arrangiert ist der Song recht üppig und niveauvoll.

Diese Instrumentierung setzt sich fort und gerade der Einsatz der Streichinstrumente verleiht den Songs eine hochwertige Einrahmung. Auch ganz ruhig geht es mitunter zu, "Sternentaler" ist eine verspielte Ballade, mit dem Klang der Oboe harmonisch ausgefüllt. Ja, und verspielt sind auch die Texte. Doch durch die auch hier stark kindlich wirkende stimmliche Ausgestaltung verlieren diese mitunter dann doch an Kraft und Ausdruck. So kann mich das nicht wirklich überzeugen, diese Lyrik verdient meines Erachtens eine bessere gesangliche Bearbeitung, so wirkt das nicht immer glaubhaft, es schwächelt dann leider.

Wir blättern weiter im dicken Märchenbuch, im "Lebkuchenhaus" wird entsprechend auf die Geschichte von Hänsel und Gretel als gesprochene Einleitung verwiesen. Spätestens jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob diese Platte wirklich für Erwachsene oder eher für Kinder vorgesehen war/ist. Als Erwachsener möchte ich meine Märchenwelt doch etwas tiefgründiger und bedeutungsvoller erleben.

Der vorweggeschickte Song "Oh Romeo" greift nun tiefer in die Pop-Kiste. Neben dem guten Streicher-Arrangement sind es elektronische Elemente, die stärker auf aktuelle Sounds schielen und dem Song den wohl modernsten Anstrich der Platte verleihen, einerseits entgegenkommend, aber andererseits blasser im Ausdruck. Noch schlechter steht für mich in diesem Zusammenhang "Pulsschlag" da. Ein mittelmässiger Pop-Song mit nicht unbedingt engagiert wirkendem Arrangement, das wirkt für mich einfach langweilig und oberflächlich. Nun, dafür sind nunmehr in Folge zwei Songs für "Erwachsene" geboten worden.

Eine Verquickung kindlicher und erwachsener Elemente scheint mir mit "Mondsucht" versucht worden zu sein. Das ist in der Tat ein angenehmer und schöner zarter/zärtlicher Song, bei dem Arrangement, Instrumentierung und Gesang wirklich gut zusammenpassen. Ja - 'mein Hit' des Albums! Diese Richtung wäre aus meiner Sicht genau jene, die zukünftig verstärkt eingeschlagen werden sollte.

Ebenfalls "erwachsener" klingen die folgenden Songs "Geständnis einer Liebenden" und "Regentanz". Dazwischen strahlt der Song "Schwefelkind" auf seine Weise und ist der zweite Song des Albums, der mich am meisten berühren und überzeugen kann. Letztlich ist eine Mischung entstanden, die sich im weitgefächerten Umfeld von Theatralik, Musical-Stimmung, kindlicher Märchenwelt und modernem Deutsch-Pop bewegt. Ich bin gespannt, wie es weitergehen wird. Schön wäre es, wenn sich noch eine gesangliche Verbesserung ermöglichen lassen könnte.

Um auf meine anfänglichen Ausführungen zurück zu kommen: Ja, innerhalb des Zuwachses an deutschsprachiger Musik zählt Bittersüßes Fensterlicht mit Sicherheit nicht zu den "08/15"-Produkten der Szene, eben, weil es von hoher Individualität geprägt ist und insofern auch eine originelle Bereicherung darstellt, eine der Ausnahmen also....



Wolfgang Giese



Trackliste
1 Overtüre
2 Märchenunterwelt
3 Gretchens Fragen
4 Sterntaler
5 Lebkuchenhaus
6 Prolog
7 Oh Romeo
8 Pulsschlag
9 Mondsucht
10 Geständnis einer Liebenden
11 Spiegelkabinett
12 Schwefelkind
13 Regentanz
Besetzung

Sarah Koch (Gesang)
Thilo Zirr (backing vocals - #2-4, 9, 11, Gitarren, Drums, Keys und fast alle anderen Instrumente)
Oliver Timpe (backing vocals -#5)
Kristina van der Molen (backing vocals - #5)
Julia Obergfell (Oboe - #1, 3, 4, 6, 7)
Manfred Plessl (Violine, Cello, Kontrabass - #1, 6, 7, 12)
Gary Fuhrmann (Klarinette - #9, 11)
Stefan Krznaric (Violine - #1, 3, 4, 6, 7, 10, 12, 13)
Joris Geisselbrecht (Kontrabass - #2)
Dirk Menger (Cello - #9)



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