Sari Schorr

Never Say Never


Info
Musikrichtung: Blues Rock

VÖ: 05.10.2018

(Manhaton Records)

Gesamtspielzeit: 49:28

Internet:

http://www.sarischorr.com/
http://www.brooke-lynn-promotion.de/
https://www.manhatonrecords.com/


Mehr ist oft weniger, und wenn man Blues singen will oder Blues Rock, dann ist es nicht unbedingt wichtig, laut zu sein. Denn Emotionen und Coolness können besser transportiert werden, wenn sie aus dem Inneren kommen, und dabei laut und leise gleichermaßen vereinen, dabei am besten ohne Kontrolle der jeweiligen Art des Gefühls. Anders verhält es sich mit Sängern, die fast ausschließlich durch reine Stimmkraft punkten, die alles herauslassen, was es herauszulassen gibt. Dass dabei aber auch oft diese Kraft an der Oberfläche bleibt, bisweilen auch blutleer, weil sie in der Regel dann auch auf Technik basiert, dann mag das gute Sänger ausmachen, aber nicht unbedingt solche, die echte Emotionen mit Ecken, Kanten und Fehlern in ihre Vokaldarbietungen einbauen.

Dazu zählt die US-amerikanische Blues-Rock-Sängerin Sari Schorr dieses Erachtens nicht uneingeschränkt. Entdeckt wurde die als Opernsängerin ausgebildete Sängerin von einem alten Hasen im Blues-Rock-Geschäft, einem, der den British Blues Boom der Sechziger entscheidend mitprägte – Mike Vernon. 2016 erschien das Debüt-Album, “A Force Of Nature“. Ja, eine wahre Naturkraft offenbarte sich dabei in der Tat. Man bezeichnete sie gar als Hybrid zwischen Janis Joplin und Tina Turner!

Und nun ist es hier, das Nachfolge-Album, Never Say Never, und eigentlich ist man rasch gefangen, wenn man den Klängen des Eröffnungstitels lauscht – “King Of Rock And Roll“. Stampfender Rhythmus, harter Rock mit einer wahrlichen röhrenden Schorr. Imposant ist das allemal, doch mir fehlt letztlich der emotionale Zugang, den ich beispielsweise von den mit der Lady verglichenen Joplin und Turner kenne. Hier bleibt für mich die Stimme dennoch meistens an der Oberfläche, so mächtig sie auch agieren mag, ja, sogar aus meiner Sicht viel zu mächtig, das ist einfach „über“…

Und auch die Musik ist letztlich, wenn man sich löst von der anfänglichen Blendung, relativ hausbacken geraten. Beim dritten Song lässt mich der Titel aufmerken - “Ready For Love“ – genau, der Song von Bad Company ist es. Ich liebe das Original, und hier bin ich überrascht, dass sich Schorr im Zaum hält, und das Gefühl des Songs tatsächlich bringt, bis sie sich dann wieder dazu verleiten lässt, zu kraftvoll zu agieren. Schade, denn schließlich geht es doch auch leise und dann emotional viel überzeugender. Wenn man schon eine solche Stimmkraft besitzt, sollte man sie doch auch dienlicher einsetzen können, auch nicht in jeder Oper wird geschrien.

Nun, innerhalb des Genres Blues-Rock mag dieses Album ungewöhnlich sein, aber qualitativ eher gewöhnlich, denn außer Rock-Feeling ohne große Leidenschaft wird nicht allzu viel geboten. Dabei könnte man solch herrlich groovende Musik produzieren, und ich möchte als Vergleich das ungemein coole noch aktuelle Album der Kollegin Melissa Etheridge heranziehen. Ihr “Memphis Rock And Soul“ dampft druckvoll und besticht allein durch die Musiker des Albums. Zwar erreicht Melissa stimmlich nicht das technische Niveau von Sari, doch stellt jene Platte insgesamt für mich bessere und soulvollere Musik dar.

Einige tolle Beiträge sind für mich allerdings auch an Bord, Songs wie “Beautiful“, das weitestgehend sehr gefühlvoll vorgetragen wird, sowie “Turn The Radio On“, bei dem auch der zu druckvolle Dampf ein wenig zurückgenommen wurde. Und auch das etwas andere Stück “Back To LA“, mit gar leichtem Pop-Touch, ist aus meiner Sicht einer der Höhepunkte der Platte. Ansonsten erreichen mich weder die Darbietung der Band noch die Protagonistin in vollem Umfang, mit Gänsehaut ist da nichts.



Wolfgang Giese



Trackliste
1 King Of Rock And Roll (3:52)
2 Thank You (3:39)
3 Ready For Love (5:24)
4 Valentina (3:46)
5 The New Revolution (5:22)
6 Beautiful (6:28)
7 Turn The Radio On (4:55)
8 Maybe I’m Fooling (3:58)
9 Back To L.A. (3:31)
10 Freedom (4:42)
11 Never Say Never (3:36)
Besetzung

Sari Schorr (vocals)
Ash Wilson (guitar)
Matt Beable (bass)
Bob Fridzema (keyboards, Hammond)
Roy Martin (drums)
Bennet Holland (Hammond)
Neal Wilkinson (drums)



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