Musik an sich


Reviews
Lydie Auvray

Soirée


Info
Musikrichtung: Akkordeon Folk

VÖ: 26.09.2008

(Westpark / Vertrieb)

Gesamtspielzeit: 63:36

Internet:

http://www.LydieAuvray.de


Status Quo, AC/DC und Motörhead haben stilistisch nichts, aber auch rein gar nichts mit Lydie Auvray zu tun. Aber allen vier Acts ist eins gemeinsam. Sie spielen seit 25, 30 Jahren konsequent ihren Stiefel ohne sich weiter von gerade einmal aktuellen Trends aus der Ruhe bringen zu lassen und haben dabei jeder für sich einen extrem hohen Wiedererkennungswert.
So drückt Lydie Auvray den Auftritten anderer Künstler unvermeidbar ihren Stempel auf, wenn sie – was nicht selten geschieht – Gastauftritte bei Zupfgeigenhansel oder Hannes Wader absolviert. Dabei bliebt sie sich absolut treu. Diese Live-Scheibe, die ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum (und das 25. der Auvrettes) markiert, hätte so oder ähnlich bereits beim NaNa-Pressefest 1983(?) in Hannover aufgenommen werden können, als ich die Meisterin auf dem chromatischen Knopfakkordeon zum ersten Mal live gesehen habe. Nur ist die Akustik auf Soirée natürlich erheblich besser, als in dem hannoverschen Kulturzentrum Pavillion. Die Stimmung des mitgerissenen Publikums ist aber auch 25 Jahre später in der Kölner Kulturkirche schnell auf dem Siedepunkt.

Lydie Auvray tänzelt und walzert durch ihre Kompositionen, ist dabei mal frech, fröhlich, mal gefühlvoll und melancholisch, oder erzeugt Betroffenheit, wenn sie in „Le Paradis“ türkises Meer und 5 Sterne-Hotels mit dem Elend der bettelnden Kinder, die am Rande von kriminellen Karrieren oder der Prostitution stehen.
Aber auch wenn Lydie Auvray in solchen Momenten deutlich macht, dass sie der linken alternativen Szene in Deutschland bis heute treu geblieben ist, ist Soirée kein Betroffenheitsalbum, sondern ein überwiegend ausgelassenes Vergnügen, das europäische Musiktraditionen, nicht zuletzt natürlich französische, abstaubt und mit Jazz und Lebensfreude mischt.

Gelegentlich dürfen sich einmal die Pianos (sehr verträumt bei „Chimère“, perlend bei „Balata“) oder der Bass (aufschäumend in „Lavendel(-Felder...)“) in den Vordergrund spielen. Das jazzige Drumming verleiht „Java en-on“ ein Tanzkapellen-Flair. Aber in der Regel steht das prägende Akkordeon im Mittelpunkt.

Da vermisst man auch gar keinen Gesang. Im Gegenteil muss man sagen. Denn wenn es auf diesem Album einen Schwachpunkt gibt, dann ist es die fünf Mal in Erscheinung tretende Sängerin Lydie Auvray, der man dann fast zurufen möchte „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Ohne richtig schlecht zu sein, trägt sie Emotionen und Kraft deutlich geringer, als es das Akkordeon tut. So werden die Gesangspart – mit wenigen Ausnahmen – zu den blassesten Momenten des Albums – was man aber vor der Stereoanlage wahrscheinlich deutlicher merkt, als in der Atmosphäre des Konzertsaals – und dann ist es eigentlich wieder ein Qualitätsmerkmal, dass man hier den Weg der Authentizität gewählt hat, ohne im Studio massiv nachzubessern.

Der Live-Mitschnitt kommt mit allen Lyrics und Linernotes von Lydie Auvray selber – beides in Deutsch, Englisch und Französisch. Das ist wiederum vorbildlich.



Norbert von Fransecky



Trackliste
1Entrée
2 Kay Toukan 3:26
3 Le Paradis 3:58
4 Der vierte Mann 3:42
5 Lavendel(-Felder...) 3:43
6 Chanson d'Amour 3:03
7 Guinguette 2:22
8 N'oubliez pas 4:00
9 Joschi 3:38
10 Für Else 3:22
11 Java en-on 2:43
12 Tango Taquin 3:44
13 Chimère 3:16
14 Petite Mère 3:46
15 Balata 3:29
16 Fort-de-France 3:43
17 Oh ma Cannellou 3:46
18 Das bisschen alleine Sein 2:49
19 Todo Seguido 4:46
Besetzung

Lydie Auvray (Akkordeon, Voc)

Die Auvrettes:
Harald Heinl (Dr, Perc)
Eckes Malz (Piano, Back Voc)
Wolf Mayer (Piano, Back Voc)
Thomas Tscheschner (B)
Gigu Neutsch (B)
Markus Tiedemann (Git, Back Voc)

Gäste:
Streichquartett Indigo:
Heike Haushalter (Violine)
Petra Stalz (Violine)
Monika Malek (Viola)
Gesa Hangen (Violoncello)


 << 
Zurück zur Review-Übersicht
 >>