Kraan

Sandglass


Info
Musikrichtung: Rock Jazz/Fusion

VÖ: 02.10.2020

(Bassball Recording)

Gesamtspielzeit: 50:12

Internet:

http://www.kraan.de/
https://www.bassball.net/
http://www.nuzzcom.com/


Den Kern von Kraan bildeten bei der Gründung 1970 Jan Fride, Peter Wolbrandt und Hellmut Hattler. Genau diese Namen lese ich auch heute noch auf der aktuellen Platte Sandglass. So existiert diese wichtige Band in der deutschen Musiklandschaft noch immer, und noch immer sind die Drei ihrem Sound verpflichtet. Elemente des Rocks und des Jazz zu ihrer eigenen Anschauung von Rock Jazz zu vereinen, das klappt auch heute noch, nur ein wenig anders.

Nach "The Trio Years" und "The Trio Years - Zugabe" (2018/2019) gibt es nun wieder eine Studio-Veröffentlichung. Da die früher größere Bandbesetzung nun auf drei Musiker begrenzt ist, wirken nun einige Studiomusiker zur Abrundung des Sounds mit. Wem in Verbindung mit Kraan zuerst die vielleicht bekannteste Platte der Band, "Andy Nogger" in den Sinn kommt, der sollte sich daran nicht unbedingt orientieren, wenn es um die neue Platte geht.

Denn damals sprühte der Sound voller Aufbruchstimmung, war teils wild und ungestüm, und passte gut in die damalige internationale Blütezeit des Jazz Rocks, eben mit dieser speziellen Kraan'schen Ausprägung, mit einigen Spuren des Krautrocks. Mit Sandglass wirkt die Musik gereifter, routinierter, sehr lässig und auch entspannter. Besonders gefällt mir das bei "Funky Blue", das mit seinem federnden Groove großartig dahintreibt und man als Hörer mittreiben kann.

Bass und Schlagzeug bieten eine sichere Basis, und Hattler zeigt mit seinem typischen Bass-Spiel stets sein Markenzeichen, hierbei stark im Sound der Siebziger verhaftet. Wolbrandt setzt mit seinem nie aufdringlichen Gitarrenspiel dennoch wichtige Akzente, nie marktschreierisch, sondern wirkt mit verhaltenem Sound sehr virtuos. Da der gesamte Sound eher auf der Fusion von Rock und Jazz aufgebaut ist, wäre ich nicht enttäuscht gewesen, wenn die Musik ohne Gesang eingespielt worden wäre. Denn die relativ hintergründig und bisweilen recht dünn wirkenden Vokal-Einsätze hätten einen separaten Lead-Sänger verdient, so bleibt es in dieser Hinsicht eher farblos.

Aus dem weitestgehend ruhigen Klangbild heben sich einige Stücke mit mehr Energie ab, wie das satt groovende "Pick Peat", mit diesem fein knackenden Bass, und auch hier fühle ich mich angenehm in die Siebziger zurückversetzt, ohne den Eindruck zu gewinnen, man versuche, diese Zeit zurück zuholen und sie simpel zu kopieren. Denn es klingt zeitgemäss, was Kraan hier abliefert. Auch "Schöner wird's nicht" ist recht abwechslungsreich und sehr vielschichtig im Arrangement und in der Ausführung, leider mit 2:20 ein wenig kurz. Hieraus hätte sich d.E. eine gute Jam-Session längeren Ausmasses entwickeln können.

Doch auf längere Stücke muss man verzichten, schade, das wäre aus meiner Sicht sehr gut gewesen, hätte man die nun nur ansatzweise vorhandenen Solo-Ausflüge Einzelner gut ausbreiten können. Selbst das eine Jam-Session erwartende "Hippie Jam" bleibt mit 3:12 kurz geraten. Im Gegensatz zu früheren Aufnahmen bleibt der Grundtenor der Musik stets recht ruhig und verhalten, böse Zungen könnten anhand solcher Songs wie "Budenzauber" gar das Wort "Fahrstuhlmusik" in den Raum werfen. Nun, und auch ein wenig wie Blonker klingt das doch durchaus, oder?

Wie auch immer, alles ist von hoher Qualität und wohlgeraten, sehr zugänglich und motiviert im Ausdruck, mithin - sehr empfehlenswerte Musik für anspruchsvolle Hörer/innen. Nur - die Freiheit der Live-Aufnahmen der letzten beiden Platten wird man vermissen.



Wolfgang Giese



Trackliste
1 Sandglass (4:19)
2 Funky Blue (2:47)
3 Solitude (4:01)
4 Gleis 10 (4:58)
5 Pick Peat (5:44)
6 Path (4:35)
7 Schöner wird's nicht (2:20)
8 Das Meer (2:39)
9 Hallo Kante (4:57)
10 Moonshine On Sunflowers (3:10)
11 Budenzauber (4:03)
12 Rescue (3:12)
13 Hippie Jam (3:12)
Besetzung

Hellmut Hattler (basses, vocals)
Jan Fride (drums, percussion)
Peter Wolbrandt (guitars, synths ,vocals)
Martin Kasper (keys - #1, 3, 6, 13, supporting vocals - # 3, 6)
Shirley Fischer (flute - #1)
Joo Kraus (horn section, Wurlitzer piano - #5)
Juergen Schlachter (tambourine - #3)
Ingo Bischof (keys - #10)



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