Musik an sich


Reviews
Ed Kowalczyk

Alive


Info
Musikrichtung: Rock

VÖ: 09.07.2010

(earMUSIC/Edel)

Gesamtspielzeit: 40:03

Internet:

http://www.edkowalczyk.com


Groß war der Schock für die Fans, als die Alternativerocker Live im letzten Jahr zuerst eine längere Auszeit und dann überraschend den Ausstieg von Sänger Ed Kowalczyk verkündeten. Eine immer noch andauernde Schlammschlacht um finanzielle Dinge schloss sich an. Drehten sich die letzten Jahre bei dem Vierer als nur noch im Geld? Tatsache ist, dass Lives letztes Album Songs from Black Mountain ziemlich schlaff und inspirationslos klang. Das Feuer vergangener Tage schien verschwunden. Folgendes (aktuelles) Zitat Kowalczyks bestätigt dies: „Ich fühlte mich total unwohl. Ich hatte des Gefühl, als hätte ich alles getan, was ich tun wollte und war mir nicht sicher, ob ich mich damit erneut beschäftigen will.“ Eine Veränderung musste als her. Und diese ebnete den Weg zu seinem ersten Soloalbum Alive.

Ich persönlich war ja skeptisch, ob Ed Kowalczyk wieder zurück in die Spur finden würde. Aber ein erster Hördurchgang der elf Songs zeigte: Ed ist wieder voll da! Egal wo er sie wieder gefunden hat, seine neuen Songs sprühen wieder vor Leidenschaft. Genau das, was Alben wie Secret Samadhi, The distance to here und besonders Throwing copper zu Perlen der 90er gemacht hat. Musikalisch ist Alive dabei gar nicht so weit von alten Taten entfernt und erinnert ein wenig Lives Birds of prey. Zeitgemäße, energiegeladene und melodiöse Rockmusik mit Hang Richtung Alternative - aber glücklicherweise frei vom überbordenden Pathos aktueller Chartsmasher.

Tolle Songs wie „Drive“, „The great beyond“ oder die Vorabsingle „Grace“ sind extrem aufpeitschend. Oftmals trifft eine zurückhaltendere Strophe auf einen großen Refrain und sorgt für den gewünschten Effekt. Das rockige „Stand“ kommt anfangs mit ein paar elektronischen Rhythmus daher (aber nicht zuviel) und beim poppigen und mitsingbaren „Drink (Everlasting love)“ kommt schon fast ein Hauch U2 dazu. Die von Ed Kowalczyk heraufbeschworene, in Hoffnung verpackte Dunkelheit findet man vor allem im leiser vor sich in schwelenden „Soul whispers“ und in „Zion“, bei dem der Sänger so richtig aus sich heraus geht und schon fast schreit.

Kein Wunder, denn Alive ist ein sehr persönliches Album, bei dem die Gefühle Liebe und Glaube einen hohen Stellenwert genießen. Liedzeilen wie „drink you like water, drink you like the everlasting love“ oder „here I am standing inside your love, like a child falling asleep, I'm letting you drive“ sprechen für sich. Die Interpretation seiner Texte lässt Kowalczyk trotz allem offen. Vielleicht ist es das, was den Hörer so an dem Album fasziniert. Es ist nämlich wirklich gut geworden. Vor allem auch deswegen, weil er die richtigen Musiker gefunden hat, die seine Songs standesgemäß untermalen. Nur manchmal wünscht man sich ein etwas dezenteres Aufspielen. Denn das rockig aufgeblasene Gesamtbild steht nicht unbedingt allen Titeln. Zum Ende hin gewinnt man sogar den Eindruck, dass hier so einiges gleich klingt. Trotz allem: schön dass sich Ed Kowalczyk wieder erstarkt zurück gemeldet hat!



Mario Karl



Trackliste
1Drive3:36
2 The great beyond3:23
3 Grace3:14
4 Stand3:33
5 Drink (Everlasting love)3:10
6 Zion4:06
7 In your light4:24
8 Just in time3:09
9 Rome3:39
10 Soul whispers3:51
11 Fire on the mountain3:58
Besetzung

Ed Kowalczyk (Vocals)
Ramy Antoun (Drums)
Chris Heerlein (Bass)
Adam Kowalczyk (Rhythm Guitar/Background Vocals)
James Gabbie (Lead Guitar)


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