Musik an sich


Reviews
ANMUTIG
Georg Philipp Telemann (1681-1767): Konzerte für Oboe / Oboe d´amore

Passacaille DDD (AD 1994) / Best.Nr. 901

Barock / Instrumental
Cover
Interpreten:
Griet Cornelius / Paul Dombrecht (Oboe)
il fondamento
Leitung: Paul Dombrecht

Interpretation: +++
Klang: +++++
Edition: ++++

Oboenportrait auf hohem Niveau

Georg Philipp Telemanns Orchesterweke zeichnen sich neben einem galant-empfindsamen Stil v.a. dadurch aus, dass sie dem jeweiligen Soloinstrument in idealer Weise entgegenzukommen versuchen, in Kenntnis seiner Möglichkeiten und Grenzen dessen Reize voll ausspielen. Nicht anders ist es bei den Oboenkonzerten, von denen Telemann eine erhebliche Anzahl komponierte und die zum größten Teil noch vor 1720 entstanden sein dürften. Die in der Regel viersätzigen Konzerte spiegeln neben dem melodischen Erfindungsreichtum Telemanns seine Fähigkeit zu fast kammermusikalisch dichtem Komponieren auch von Konzertliteratur wieder.
Dabei nutzt er den sonoreren, runderen Klang der Oboe d´amore genauso geschickt aus, wie er auf der anderen Seite die sangliche Tonqualität der gewöhnlichen Oboe zu nutzen weiß.

Anmutig, aber nicht immer mutig: Paul Dombrechts Interpretation

Dombrecht und sein auf historischen Instrumenten musizierendes Ensemble "il fondamento" sind gewissenhafte Sachwalter dieser oftmals unterschätzten Musik. In angemessen kleiner Besetzung verleihen sie den Stücken einen fast intimen Charakter. Das vermag bei manchem Werken sehr gut zu gefallen (so z.B. beim Oboenkonzert e-moll am Schluß der CD) und überzeugt vor allem in den lyrischen Passagen, bei anderen wäre ein zupackenderes Spiel wünschenswert gewesen. Die selbst auferelegte Zurückhaltung nimmt gerade den tänzerisch angelegten, schnellen Sätzen manches von ihrem Reiz und ihrer Spannung.
Nicht zuletzt dieser Umstand ist es, der im Hörer angesichts von 6 Oboenkonzerten auf einer CD die Frage aufkeimen läßt, ob nicht der Einschub eines anders gearteten Konzerts den Abwechslungsreichtum und den Hörgenuß erhöht hätte. So erhält die Einspielung dann doch eher einen akademisch-dokumentarischen Charakter.
Die manchenteils für heutige Ohren zögerlich erscheinende Herangehensweise überrascht zudem ein wenig, ist man von Dombrecht und seinen Musikern sonst doch durchaus einen kraftvolleren Stil gewöhnt (siehe etwa die kürzlich hier besprochene CD mit Werken Heinichens; Passacaille Best.Nr. 921)). Indes: Es mag sein, dass dies auf das schon länger zurückliegende Aufnahmedatum (1994) zurückzuführen ist. Da war das 1989 gegründete Ensemble noch relativ neu und der später typische Stil noch nicht entwickelt.

Es ist also eine - aufnahmetechnisch durch ein warmes, volles Klangbild überzeugende - CD für Kenner, Telemann-Fans und Oboen-Liebhaber geworden. All diese aber kommen dann auch voll auf ihre Kosten.

13 Punkte

Sven Kerkhoff

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