Scotch & Water

Sirens


Info
Musikrichtung: Indie Pop

VÖ: 21.05.2021

(Devil Duck Records)

Gesamtspielzeit: 38:27

Internet:

https://www.scotchandwater.de/#/
https://devilduckrecords.com/
http://oktoberpromotion.com/


Laut Pressetext handelt es sich bei Scotch & Water um eine Hamburger Indie/Dreampop-Band. Mit Sirens wird das Debüt-Album vorgestellt, produziert von Dennis Bajer. Indie/Dreampop - was kann man sich darunter vorstellen? Laut Wikipedia entstand Dream Pop im Vereinigten Königreich der mittleren bis späten 1980er Jahre, als Bands wie Cocteau Twins, The Chameleons oder A. R. Kane Elemente des Post-Punk sowie Ethereal zusammen mit leichten Pop-Melodien vermischten.

Aha, und das Ganze also nicht im Mainstream verankert, sondern als Independent-Ausrichtung gestaltet? Waberde Synthie-Sounds der Cocteau Twins, mit verhallten Gitarren untermalt, zupackende und verträumte Klänge im verhallten Rockgewand à la The Chameleons, das läßt insofern auf eine Art Retro-Anspruch schließen.

Nun, der Auftakt "Fear" erinnert mich nun gar nicht an die oben genannten Bands, sondern zunächst klingt das für mich sehr nah, sehr zugänglich, sehr an Popmusik orientiert. Allerdings vorwiegend nicht unbedingt an moderner Popmusik, sondern Elemente vergangener Jahrzehnte beinhaltend. So fällt mir in diesem Zusammenhang die Formation von Fleetwood Mac der Mitt-Siebziger ein, als die Band mit Buckingham-Nicks spielte. Davon gibt es die eine oder andere Möglichkeit zu Assoziationen, ebenso anteilig an die deutsche Band der Achtziger, die Rainbirds, deren Sängerin Katharina Franck ich mir auch gut als Leadsängerin von Scotch & Water vorstellen könnte.

Denn Samira Christmann mag zwar als Sängerin gut in das Gesamtkonzept passen, und verfügt auch über eine interessante und individuell angelegte Stimme, doch der bisweilen aus meiner Sicht zu sehr lasziv ausgerichtete Gesang klingt mitunter aufgesetzt lässig und könnte durchaus etwas weniger an Nuscheligkeit vertragen. Ansonsten stimmt weitestgehend vieles am Konzept der Musik, schöne Melodien, eingängige Hooklines und ein angenehmer Gitarrensound, der sich sowohl im Hintergrund etabliert mit nuancierter Ausgestaltung als sich auch dann und wann in den Vordergrund drängt für niveauvolle Soloparts, in einem dezent verhallten Umfeld.

Alle Texte sind im Booklet abgedruckt und bei "Floralia" gibt es einige in Spanisch gesungene Textzeilen. Ich treffe auch eine entspannte Atmosphäre, zum Beispiel in Songs wie "The Mess That We Are", das ist dahinfliegende Leichtigkeit und ein insgesamt warmer Sound, der allerdings über relativ wenige Indie-Anteile verfügt. Um ihn als Dream Pop einzustufen, ist mir diese Musik zu erdverbunden, mich drängt nichts, gedanklich abzuheben, während ich mich durch die Atmosphäre wie gelähmt erscheint zurück lehnen könnte. Dieser Pop ist sehr realistisch und dabei in seiner Vortragsart mit einer Art Unbekümmertheit behaftet, nicht aber, um dennoch auf hohem Niveau zu spielen. Dabei halte ich den Eröffnungstitel für einen der eingängigsten Songs, einen, den ich gern in gängigen Charts im Radio hören möchte.

Ein wenig aus der Reihe tanzt der Song "Fire", der wesentlich schräger klingt und wirklich "Indie" klingt, inmitten des Wohlklangs eine interessante Unterbrechung. Auch "If I Had It" kommt recht zupackend, während "Falling" wieder elegant und luftig dahinschwebt. Insgesamt insofern eine relativ abwechslungsreiche Platte, mit dem Fokus auf melodischen Pop mit leicht nostalgischer Ausrichtung. Mithin ein guter Start!



Wolfgang Giese



Trackliste
1 Fear
2 Floralia
3 The Mess That We Are
4 My Beating Chest
5 Fire
6 If I Had It
7 War
8 Falling
9 Take Me Far Away
10 Sirens
11 The Wild
Besetzung

Samira Christmann (Gesang)
Max Quentmeier (Bass)
Hansjakob Wedemeyer (Gitarren)
Lasse Weinbrandt (Schlagzeug)



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