Sun-Mi Hong Quintet

Second Page: A Self-Strewn Portrait


Info
Musikrichtung: Jazz/Avantgarde

VÖ: 25.03.2021

(Zennez Records)

Gesamtspielzeit: 45:47

Internet:

https://sunmihong.com/
https://www.zennezrecords.com/
https://www.martinaweinmar.de/


Heute stelle ich eine Platte einer Schlagzeugerin und Perkussionistin aus Südkorea vor. Sun-Mi Hong, so der Name der Musikerin, lebt seit 2011 in den Niederlanden. Mittlerweile hat sie sich einen festen Platz in der dortigen Jazz-Szene erobert.

Ihr Platten-Debüt erfolgte im Jahre 2017, und mit Second Page: A Self-Strewn Portrait legt sie nun nach. Mit "Self Portrait" eröffnet sich sogleich eine großartige klangliche Weite. Die Musik schwebt förmlich dahin, ich kann asiatische Einflüsse hören, immer dann, wenn das Piano von Young-Woo Lee einsetzt. Schnell erinnert mich der Aufbau des Stückes an Kompositionen des finnischen Musikers Edward Vesala. Auch hier gab es ähnlich Fließendes, ein Meer, angereichert mit Schönheit und Melancholie.

Diese besondere Art von Emotionalität und Sensibilität zieht sich stimmungsmäßig durch die ganze Platte. Im Mittelpunkt steht sehr oft das Schlagzeug der Protagonistin, nicht einzig und unbedingt als reines Rhythmusinstrument, sondern als mitgestaltendes Element, inklusive der Perkussionsbeigaben, hier mit "Chatter" sogar im Rahmen eines Solo-Stückes dargestellt. Auch diese gestaltende Ausprägung war Merkmal von Vesala.

Und auch dessen Ausflüge in Bereiche des freien Jazz (nicht Free Jazz) kann ich assoziieren, bereits mit "P Stands For Palace" erfahre ich das, sehr beeindruckend, und zu erwähnen, ist in diesem Zusammenhang der Einsatz von Nicolò Ricci am Tenor-Saxofon, der den Song teilweise ekstatisch ein wenig abheben läßt. Und so halten sich beschauliche Ruhe und dramatisch Unruhe die Waage, stets jedoch auf dem Boden hoher Qualität und großer Emotionslastigkeit. Jazz und avantgardistische Ausprägungen reichen sich oft die Hand und verschmelzen zu etwas Eigenem und Besonderem!

Diese Musik verleitet dazu, dabei zu sein, und mitzufliegen, und das mit einer außerordentlich spontan geprägten Ausrichtung, die mit vielen Ecken und Wendungen sehr fordernd ist, aber durch die Tiefe des Ausdrucks stets fesseln kann. Auf zwei Songs, # 5& 7, werden wir vollends in den asiatischen Raum mitgenommen, wenn uns Song-Yi Jeon mit ihrem Gesang dahin mitnimmt. Jazz - Avantgarde - Folklore, letztlich sind es drei Eckpfeiler, die diese besondere Art der Fusion festigen und uns auf einer abenteuerlichen Hör-Reise begleiten.

"Dear Tomorrow" ist eine Widmung an die Familie der Musikerin, der Song enthält einen von Fuensanta Méndez gesprochenen Text, der im Innenteil der Verpackung abgedruckt ist. (Tomorrow - The Moon I Face Will Shine"). Und zuguterletzt gibt es noch einen Live-Track, aufgenommen im Bimhuis Amsterdam. Hier kann man feststellen, dass auch live die gleiche Stimmung verbreitet werden kann wie bei den Studioaufnahmen. Dieser Song swingt allerdings ein wenig mehr im üblichen Jazz-Idiom, und bildet letztlich einen sehr guten Abschluss.



Wolfgang Giese



Trackliste
1 Self Portrait
2 Chatter
3 P Stands For Palace
4 Call It: Young-Woo
5 Kasi: A Thorn
6 Thoughts To Be Spoken
7 Kasi: Voice
8 Dear Tomorrow
9 Bjork (Live At The Bimhuis)
Besetzung

Sun-Mi Hong (drums, percussion)
Alessandro Fongaro (bass)
Nicolò Ricci (tenor saxophone)
Alistair Payne (trumpet)
Fuensanta Méndez (vocals - #8)
Song- Yi Jeon (vocals, effects - #5, 7)
Young-Woo Lee (piano)



 << 
Zurück zur Review-Übersicht
 >>