Borealis

The Offering


Info
Musikrichtung: Progressive Metal / Power Metal

VÖ: 23.03.2018

(AFM / Soulfood)

Gesamtspielzeit: 59:59

Internet:

http://www.borealismetal.com


Obwohl The Offering bereits das vierte Langeisen der Kanadier ist, habe ich den Namen Borealis bis heute nicht bewusst wahrgenommen. Was eher nach einer Pflanze oder einem Medikament als nach einer Band klingt, ist eine Gruppe toller Musiker, die mit ihrem ersten Konzeptalbum eines der heimlichen Highlights des Jahres aufgenommen hat.

Inspiriert vom Horrorfilm „The Devil´s Hand“ erzählt The Offering in 12 Songs/60 Minuten die Geschichte einer Sekte, die durch das Opfern von Kindern die Welt von ihrer Verderbtheit zu befreien und sie auf diese Weise zu „retten“ versucht. Kranker Stoff, aber wie wir wissen, gibt es heute mehr Irre denn je, die exakt so und noch übler drauf sind. Manche von denen führen ganze Staaten ins Verderben...

Was die Musik betrifft, dürften vor allem Fans von Evergrey ihre helle Freude an Borealis haben. Die Ähnlichkeiten in Stilistik und Qualität sind erstaunlich! Als Krönung kann man die Stimmen von Tom Englund und Borealis-Sänger und Gitarrist Matt Marinelli im ersten Moment glatt verwechseln! Darauf wird der Frontmann, der zudem durch ungewöhnliche Gesangslinien zu gefallen weiß, in jedem Interview angesprochen – zumal man mit den Schweden bereits auf Amerika-Tournee war –, aber darauf entgegnet er nur lapidar: „Es gibt schlechtere Vergleiche!“ Und da hat er zweifellos recht!
Auch Fans von Symphony X, Kamelot oder Pagan´s Mind werden mit Borealis glücklich. Der effektive Tasteneinsatz und die Art, wie balladeske Klänge in den progressiven Power Metal eingebaut werden, erinnert außerdem an die ewig unterbewerteten Vanishing Point - und das, obwohl die Australier seit über zehn Jahren keinen Keyboarder mehr haben...

Wer The Offering eine Chance gibt, wird ein ungeheuer spannendes Werk entdecken, das vor Power und Einfallsreichtum strotzt. Bereits beim eröffnenden „The Fire Between Us“ hatte ich das Gefühl, die Band versucht so viel wie möglich mit so viel Abwechslung wie möglich so sinnvoll wie möglich in den Song zu packen. Und das gelingt ihr hervorragend! In den 60 Minuten finden sich jede Menge eingängige Parts, die den Hörer teils sofort, teils ganz allmählich in ihren Bann ziehen. Die messerscharfen Riffs und Soli von Matt und Ken Fobert sind eine Wucht! „Scarlet Angel“ mit Gastsängerin Sarah Dee von der kanadischen Underground-Hoffnung Solarus könnte man sogar ein gewisses Hitpotenzial bescheinigen, wenn Sean Dowells hackende Drums nicht so herrlich bollern würden. Der Mann hat außerdem als Produzent, Mixer und Masterer in seinem eigenen Studio einen Bombenjob gemacht!

Weitere Anspieltipps: „River“ mit der stärksten Hookline des Albums (Kamelot würden die Nummer mit Kusshand nehmen!), das Power Metal-Lehrstück „Into The Light“, die zu Herzen gehende Ballade „The Devil´s Hand“ (Schluchz!) sowie das abschließende Opus „The Ghosts Of Innocence“, das den Inhalt der Platte noch einmal zusammenfasst und auflöst und sich musikalisch in der zweiten Hälfte zu einem wahren Inferno aus Bombast und Dramatik entwickelt.
Aber was um Himmels Willen sollen die dämlichen Fadeouts, meine Herren?!

Egal, mit meiner stetig wachsenden Begeisterung bin ich mittlerweile bei 16 Punkten gelandet! Damit ist das Ende der Fahnenstange aller Voraussicht nach noch nicht erreicht – wohl aber das Ende meines Reviews...



Michael Schübeler



Trackliste
1The Fire Between Us4:36
2 Sign Of No Return5:00
3 The Offering5:00
4 River4:37
5 The Second Son5:32
6 The Devil´s Hand3:51
7 Into The Light5:20
8 Scarlet Angel5:17
9 The Awakening5:00
10 The Path2:11
11 Forever Lost4:55
12 The Ghosts Of Innocence8:40
Besetzung

Matt Marinelli (Vocals, Guitar)
Ken Fobert (Guitar)
Trevor McBride (Bass)
Sean Dowell (Drums)
Sean Werlick (Keyboards)



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