Musik an sich


News
ROB ZOMBIE hext wieder



Erzähl mir, mit wem Du im Studio warst – und ich sage Dir, wer Du bist. Eine Taktik, die Im Fall von Rob Zombie voll aufgeht. Die Referenzen der Steigbügelhalter, die dem Meisterjockey auf seinem vierten Soloalbum Educated Horses in den Sattel helfen, sprechen Bände. Zombies Stallknechte dienten früher der unheiligen Dreifaltigkeit des amerikanischen Glam und Schock Rocks: Alice Cooper, Mötley Crüe und Marilyn Manson. Genau die richtigen Spießgesellen für Zombie, der mit den elf neuen Songs wieder einmal ungehemmt seinen Leidenschaften Horror, Hokuspokus und Hämoglobin frönt.

Etwas anderes hätte das Publikum aber von einem wie ihm auch gar nicht erwartet. Trash as Trash can war immer Rob Zombies Motto. Der Sänger mit dem Faible für Bikerklamotten liebt Comic-Strips, Splatterfilme und B-Movies. Er hat eine Schwäche für den Serienmörder Charles Manson, zählt Ozzy Osbourne zu seinen Freunden und nannte seine erste Band White Zombie – nach einem Dreißigerjahre-Film des kultisch verehrten Untoten-Darstellers Bela Lugosi, der sein Dracula-Cape sogar mit ins Grab nahm. Für Rob Zombie dagegen ging es bisher immer nur bergauf. Er verkaufte – erst mit Band, dann solo – Millionen von Platten, stand als Actionfigur im Spielzeugladen, hatte beim Kinodebüt der MTV-Cartoonfiguren Beavis und Butthead seine Finger im Spiel und drehte zwei bluttriefende Schlachterfilme.

Als Musiker brachte Rob Zombie der breiten Masse den Industrial Metal näher. An der Seite von Bands wie Ministry und Nine Inch Nails verhalf er dem Genre in den Neunzigern zum Durchbruch. Wir erinnern uns: Der Cyberspace war damals das nächste große Ding – Zombie präsentierte sich folgerichtig als dreadlockiger Rock’n’Roll-Alien. Heute belässt er es beim klassischen Jeansoutfit zu schulterlanger Matte und Ramones-Shirt. Und seine Musik? Die ist mittlerweile zu einer ausgesucht sinistren Mischung aus Bubblegum Industrial und Stoner Metal mutiert.

Educated Horses ist das Album, mit dem aus Billy Idols Comeback etwas mehr geworden wäre als ein flügellahmes Revival einer lange vergangenen Zeit. Led Zeppelin, Marc Bolan, Sigue Sigue Sputnik, Danzig – sie alle haben ihre Spuren auf Educated Horses hinterlassen. Zombie hat den Synthesizer eingemottet und setzt wieder mehr auf Dampfwalzenriffs, gönnt sich aber auch furiose Streicher, dräuendes Piano, schunkelnde Glam-Rhythmen und verdrehten Acid Rock. Nur eines wird sich wohl nie ändern: Zombies Songtexte. Es wird gehext, hingerichtet und halluziniert, dass es ein wahre Freude ist. Angesichts von Titeln wie "Sawdust in the Blood", "American Witch" oder "The Lords of Salem" bleibt da nur zu sagen: Schön, wenn jemand seine Hobbys zum Beruf machen kann.


[Universal]
Weitere News...